Habsburg-Begräbnis

Otto Hättiwari wird mit einem pompösen Hättmawama-Ritual zu Grabe getragen

15. Juli 2011, 19:01

Seines Namens wäre Otto der Erste gewesen - Seines Zeichens war er der Letzte - Aber als solcher war er Österreichs österreichischster Monarch: Otto Hättiwari - Und genau so - hättmawama - wird Wien ihn verabschieden

Wie bestattet man ein Symbol? Am besten wohl eh so, wie es jetzt ins Auge gefasst wurde: Symbolträchtig bis an die Schmerzgrenze des Pathos, unterschwellig aber doch auch ausgestattet mit jener Ironie, ohne die zum Beispiel der Aufmarsch der Trauerdelegation des Bundesheeres nicht denkbar wäre.

Dass die Republik beim finalen Kaiserspektakel so offenen Herzens mitmacht, zeugt nicht nur von der Gesundheit des touristischen Geschäftssinns, sondern auch davon, wie sehr das kleine Österreich mit dem großen bereits ins Reine gekommen ist. Mit Ottos Tod und seiner imperialen Beisetzung sind die Habsburger endgültig in den Fundus der Republik gelangt, so wie die Lipizzaner schon lange vor ihnen.

Dass dieser Fundus nicht nur dem aktuellen Österreich gehört, haben Slowenien und - ganz erstaunlicherweise - auch Italien bei den Lipizzanern klargestellt. Das wird bei den Habsburgern wohl nicht anders sein.

Von der politischen Bedeutungslosigkeit der einst so machtvollen Familie zeugt nichts so sehr wie das Renommee gerade in jenen Nachfolgestaaten der alten Monarchie, die am wütendsten gegen sie angerannt sind. Otto hat das - ganz der Kaiser - mit seinem Herzen gewürdigt, das bei den Benediktinern zu Pannonhalma in magyarische Erde kommt.

Wiederbelebung

Tatsächlich begann in den Siebzigerjahren - im Wesentlichen ohne ihr Zutun - eine erstaunliche Wiederentdeckung der Habsburger. Während Otto sich quasi modernisierte und seinen Platz ganz außen an der rechten Flanke der CSU einnahm, bastelten sich Historiker wie Friedrich Heer, William M. Johnston oder der Triestiner Germanist Claudio Magris aus dem Namen Habsburg ein Synonym für jenes Mitteleuropa, von dem damals selbst die Tschechen wussten, dass es darin bei weitem besser zu leben war als in allem, was danach kam.

Davon rührt Ottos Ruhm. Als Person war er wohl zu sehr ein Habsburger, um als bedeutend wahrgenommen zu werden. Aber bei aller Kleinlichkeit, Bigotterie, I-Tüpferl-Reiterei, Unerbittlichkeit bis hin zur Brutalität und Uneinsichtigkeit, bis hin zur Blödheit, Eigenschaften, welche die Habsburger über die Jahrhunderte charakterisiert hat: Was nachher kam, stellte sie diesbezüglich in den Schatten.

Und das galt in den Siebzigerjahren nicht nur für die kommunistischen Regime. Als 1976 Friaul von einem Erdbeben heimgesucht wurde und Rom diesbezüglich kein Ohrwaschl rührte, während Österreich flott Hilfe organisierte, entstand dort eine augenzwinkernde Autonomiebewegung namens "Civiltà mitteleuropea".

Im Jahr 1980 berichtete die Wiener Spiegel-Korrespondentin Inge Cyrus den darob staunenden Deutschen von einer nostalgischen Habsburgbeschau dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs. Sie zitiert Österreichs Kulturattaché in Prag, der angesichts der tschechischen Volksmeinung zum 150. Geburtstag von Franz Joseph erklärte: "Obwohl dieser Kaiser schon lange tot ist, wird er mit jedem Tag lebendiger."

Und mit ihm, wäre zu ergänzen, Otto, sein Urgroßneffe. Denn während der "alte Prochaska" da und dort in die Verklärung gerückt wurde, wuchs Otto erst so richtig in seinen Symbolcharakter. Eine Rolle, die ihm, dem bekennenden "Legitimisten", freilich etwas unpassend erscheinen mochte. Er für sich und die paar Anachronisten in den Traditionsverbänden war ja Kaiser. Wenn auch ein ausgesprochen österreichischer, mag sein, der österreichischste von allen. Die Republik reagiert dementsprechend: Otto Hättiwari wird mit einem pompösen Hättmawama-Ritual zu Grabe getragen.

Ein letztes Mal wird das wohl stattfinden. Mit dem Tod Ottos ist die Casa d'Austria endgültig dort, wo sie 1918 eh schon war. Aber das ist ein Wesensmerkmal Habsburgs: Im Begreifen kamen sie alle, so sie überhaupt kamen, immer einen Tick zu spät.

Mit Otto sinkt freilich auch die allfällige Zukunftsträchtigkeit des Symbolismus ins Geschichtsbuch herab. Dass sich am Donnerstag Juden, Christen und Muslime zu einer Trauerfeier in der Kapuzinerkirche getroffen haben, ist ja kein Zufall. Auch das eine Art doppelter Abschied. Mustafa Ceric, der Großmufti von Sarajevo, sprach jenes Gebet, das einer seiner Vorgänger am Kaisergeburtstag gesprochen hatte. Gott möge "die Familie unseres geliebten und erhabenen Kaisers, unseres geliebten Herrschers Franz Joseph I." durch seine Gnade stärken.

Gerade im Zusammenhang mit Sarajevo tat er das Gegenteil. Er verschloss dem Kaiser die Augen, bevor er sie ihm 1916 endgültig schloss. Von der schönen Leich' sprach man zwischen Bregenz und Czernowitz noch viele Jahrzehnte später. Selbst Sonnenkönig Kreisky ließ es sich nicht nehmen, das immer wieder zu tun. (Wolfgang Weisgram, STANDARD-Printausgabe, 16./17.7.2011)

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Igor Gassner
00
18.7.2011, 09:46
Es ärgert halt den Schreiber dass die Habsburger

beliebt waren. das Haus Habsburg- Lothringen. Nicht vergesen eigentlich ein französisches haus mit Mitanspruch auf den Französischen Thron hat eigentlich einigermaßen erträglich das Hanbsburg Erbe runde 150 jahre verwaltet. Am Ersten Weltkrieg waren sie nur indirekt schuld. Letztendlich wurde er von radikalen nationalistischen Kräften in Serbien ausgelöst die von Frankreich massiv unterstützt wurden das auch Russland mobilisierte aber das das in Geschichtsbüchern steht darauf wird man ewig warten müssen.

cooldown
11
17.7.2011, 07:16
was wir jetzt brauchen könnten, wäre

ein karl kraus ... angeblich sind die trauergäste zu einem empfang im haus der industrie eingeladen, nur einen hupfer davon entfernt, lothringerstraße 6 ist sein sterbehaus
http://commons.wikimedia.org/wiki/File... uselang=de
hoffentlich fliegen grad keine raben am schwarzenbergplatz um keine unliebsamen erinnerungen an das haus habsburg aufkommen zu lassen.
http://www.youtube.com/results?s... raben&aq=f

Proteo
01
17.7.2011, 01:13
Die 30-40 Jahre nach der Monarchie waren ja auch total toll in Österreich

außerdem de mortuis nil nisi bene

Childerich von Bartenbruch
30
17.7.2011, 02:13
hitler war total ok!

Pater Amseln von Sinnen
00
17.7.2011, 02:15
childerich, das hätten sich doch besser begründen können, ....

... dass der spruch "de mortuis nisi bene" ein bisschen zu einfach ist.

Antagonist1
03
17.7.2011, 00:34
WehWehleins Doktor-Arbeit

HÄTT i die Hilfsschul' absolviert,
WÄR i jetzt besser motiviert,
MÜSST' net beim STANDARD Zeilen schinden,
KÖNNT' anderswo gar Arbeit finden.
So aber muss ich Blödsinn schreiben,
mein Job, ich weiß's, der ist zum Speiben....

zerwas1
14
16.7.2011, 23:57
S C H M I E R-

F I N K.

harrytheconsultant
211
16.7.2011, 21:28
Keine Ahnung was Herr Dr. Wolfgang Weisgram…

mit diesem Artikel rüberbringen wollte. Aber ich bin mir sicher er freut sich sehr wenn man ihn in Zukunft als Hr. Dr. Wolfgang Unnötig anspricht. Es stimmt schon, dass die Ö Regierungen den Verstorbenen nicht einmal in diese Land einreisen haben lassen und nun eine riesige Tourismus Aktion veranstalten. Hr. W. versucht dies sichtlich in seinem Artikel darstellen. Dennoch ist die Verunglimpfung einer Person in öffentlichen Medien am Tag der Beisetzung eine Frechheit und Schande für einen Journalisten und Akademiker. Und das hat gar nicht mit monarchistischen oder linkslinken Einstellungen zu tun.

Pater Amseln von Sinnen
02
17.7.2011, 02:22
die pietät, die da dauernd eingefordert wird, ...

... hat der zu grabe getragene "große europäer" niemals gezeigt. es ist vorbei, und das ist gut so. aber auch die hagiografen sollten endlich vom "großen europäer" abstand nehmen: herr habsburg war höchstens 170 cm groß. das war angemessen und fertig!

unschuldsvermutungsrettungsschirm
00
16.7.2011, 19:51
Wo woar sei Leistung?

alpentiger
37
16.7.2011, 18:37
Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, wer primitiver ist ....

der Verfasser des Artikels oben oder manche Poster. Gemeinsam ist die Geifferei, die primitive Anmache und einen Kultur- und Geschichtssinne einer Stubenfliege.

BlackAdder
01
16.7.2011, 19:39

Was hat die geschichte, und der sinn dafür, konkret mit der heutigen veranstaltung zu tun ?

Wäre die geschichte ohne den brimborium heute eine andere ?

alpentiger
22
16.7.2011, 19:58
Warst nicht eingeladen, gell!

Schade, hättest einfach die Gelegenheit gehabt wozu es Begräbnisse gibt: Mit Anstand Abschied nehmen von einem großen Österreicher.

Dazu muss man weder monarichistisch oder katholisch sein - es ist eine Frage der Menschenwürde und das Anstandes. Wenn nicht weißt, was das ist, dann google Dir einen herunter.

BlackAdder
11
16.7.2011, 20:07

Sehr viel menschenwürde spricht aus diesen worten voll der unterstellungen und verachtung nicht.

Aber gut, ich nehme die aggression als reaktion auf eine simple, sachliche frage zur kenntnis.

Antagonist1
00
17.7.2011, 00:35
Worauf basiert Ihr Wunsch

nach Menschenwürde - Ihre Postings berechtigen ihn sicher nicht......

alpentiger
20
16.7.2011, 20:11
Es lag auf der Hand, Ihnen dieses Angebot zu machen ...

nachdem Ihr Eingangsstatement halt eben nur ein abwertender Rülpser war.

Täte mir echt leid, hätte ich Sie in der falschen Schublade vermutet.

karl jan
12
16.7.2011, 18:21
Leset Wallraff, vielleicht "Ihr da oben....", kann aber auch ein anderes Buch gewesen sein.

da traf Wallraff den Otto H. (Hättiwari) als er eine Rede hielt, in Deutschland, dem W. kam fast das Speiben........

pretty1
24
17.7.2011, 08:59
W.ist - verglichen mit dem Verstorbenen - bestenfalls eine kleine Schmeißfliege und seine "Berichte" daher irrelevant !

ravenna
43
16.7.2011, 18:33

Sollten Magenprobleme von Wallraff irgendjemanden interessieren?

Pater Amseln von Sinnen
21
17.7.2011, 02:24
die magenprobleme von wallraff ...

...sorgen sicherlich mehr menschen als ein paar ewiggestrige herrschergeschlechter und deren heute scheinbar noch immer privilegierte lakeien.

ravenna
01
17.7.2011, 10:25

Ihr "sicherlich" ist halt sicherlich falsch. Einschaltquoten entsprechender Hochtzeiten oder eben Begräbnisse sprechen da eine deutliche Sprache. Nur weil Sie es gerne so hätten, sieht deshalb die Realität noch lange nicht so aus.

zauberlehrling70
223
16.7.2011, 18:04
Egal wie man zu Otto Habsburg stehen mag

ich finde den Artikel zwar belustigend, aber insgesammt geschmacklos. Es ist nicht nur ein Habsburger gestorben, sondern letztendlich ein Mensch, und selbiger kann nichts dafür in welche Zeit und Familie er hineingeboren wurde.

Dieser Mensch verlor frühzeitig seinen Vater, ist nicht in saus und braus aufgewachsen, sprach mehrere Sprachen fließend, und hat sich, wenn auch mit tw. verschrobenen Ansichten, für Europa eingesetzt.

Er war ein höflicher Mensch, was man vom Verfasser dieses Artikels eher schwerlich behaupten kann.
Und nein....ich hege keine Nähe zu monarchistischem Denken.

Mag. Schonsein
40
16.7.2011, 20:56
Und nein....ich hege keine Nähe zu monarchistischem Denken.

In Österreich wählt auch offiziell niemand FPÖ oder BZÖ, und für die EU war in den Umfragen auch nur ein viel geringerer Teil.

Na, und jetzt haben wir halt die Kellermonarchisten.

zauberlehrling70
02
17.7.2011, 03:40
Da hauts mir den Vogel raus!

Offenbar sínd sie nicht in der Lage anzuerkennen, was man meint!
Für sie deshalb explizit....Durch und durch rot/grün!
Und dennoch...wenn Blödsinn aus dieser Richtung kommt, werde ich nicht müde, dies zu kritisieren....

Host mi?...!

werwolfi
22
16.7.2011, 17:45

ich gestatte mir, in anlehnung an das schöne alte wort “mummenschanz“ (für maskerade) für solche veranstaltungen hiermit den begriff

“mumienschanz“

zu prägen ;o)

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