Bill Gates' Privatzoo

15. Juli 2011, 17:59
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Roland Kaiser ertrug Lanz' hinter Gelacktheit schlecht verborgene Aufdringlichkeit mit einer Engelsgeduld

Wenn ein Unternehmer wie Bill Gates zum Gespräch kommt, hofft man auf Weissagungen. Schließlich haben wir es dem Einfallsreichtum dieses Mannes zu verdanken, dass sich unsere Rumpelkammern in den vergangenen drei Jahrzehnten mit allerlei Geräten füllten. Ganz im Ernst: Von einem hellen Kopf wie ihm erwartet man sich ein wenig Science-Fiction.

Dass sich in der Talk-Show von Markus Lanz ausgerechnet der Schlagersänger Roland Kaiser als der unterhaltsamere Gesprächspartner erwies - aufgrund einer schweren Erkrankung wurde ihm 2010 eine neue Lunge transplantiert -, kam daher ein wenig überraschend. Schuld daran war der Gastgeber: Denn Kaiser ertrug Lanz' hinter Gelacktheit schlecht verborgene Aufdringlichkeit mit einer Engelsgeduld und konterte diese mit einer Wahrhaftigkeit, die wohl besonders denen eigen ist, die ein zweites Leben geschenkt bekommen.

Gates hingegen hatte es, abgesehen von ein bisschen Werbung für seine philanthropische Foundation, gar nicht nötig, auf Lanz' ins Persönliche zielende Fragen einzugehen. Nein, die psychologische Behandlung als Kind sei keine große Sache gewesen. Nochmals nein, für Frauen habe er sich in seiner Collegezeit nicht interessiert, denn er habe seine 20er-Jahre nur mit Arbeit verbracht.

Anstatt nur eine einzige Frage darüber zu stellen, wie sich Gates die digitale Zukunft vorstellt, quälte Lanz sein Gegenüber mit schlecht recherchierten Anekdoten. Zum Abschluss dann die Knallerfrage: Ob Gates einen iPod habe? Nein, er benutze einen tollen Zune und andere Geräte. Auf Simultandeutsch lautete die Antwort ein wenig anders: "Ich habe einen ganzen Zoo von solchen Sachen." (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD; Printausgabe, 17.7.2011)

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Sendung zum Nachsehen: ZDF-Mediathek

  • Markus Lanz und Bill Gates
    foto: zdf.de

    Markus Lanz und Bill Gates

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