ÖBB-Schnitzeljagd zum Ersatzverkehr

15. Juli 2011, 17:40
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    foto: apa/roland schlager

    Um Zeit zu sparen, holt der Schienenersatzbus Fahrgäste nicht immer beim Bahnhof ab.

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Schienenersatzverkehr, überfüllte Züge und Verwirrung beim "Haus-zu-Haus-Reisegepäckservice" - Betroffene bleiben nicht selten mit Frust zurück

Wien - Lange Gesichter bei den mehr als 15 Personen am Bahnhof Lanzenkirchen. Es ist Sonntagabend, hat noch 33 Grad, und von dem Zug, der sie die zehn Kilometer nach Wiener Neustadt und von dort mit dem Intercity nach Wien bringen soll, keine Spur.

Einem der Herren kommt die Sache komisch vor. Ungeduldig blickt er auf seine Armbanduhr und geht vom Bahnsteig zum kleinen Bahnhof. Der wird, das ist nicht zu übersehen, seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Immerhin, ein schwarzes Brett gibt es noch, wenn auch mit Plakatresten verziert. Dort entdeckt er auf einem schlichten Blatt weißen Papiers einen Hinweis: "Schienen-ersatzverkehr zw. Wr. Neustadt und Friedberg".

"Üblicherweise sind Regionalzüge auf der Aspangbahn sehr pünktlich, wenn nicht, dann gab es stets Verspätungsmeldungen aus dem Lautsprecher", sagt der Herr, hörbar verstimmt. Sein Frust steigert sich während des Studiums des ÖBB-Ankündigungszettels. "Hier kommt heute kein Zug", ruft er den auf dem Bahnsteig wartenden Mitreisenden zu.

"Das ist ein Witz, hier steht nicht einmal, wo die ÖBB-Autobusse abfahren", echauffiert er sich. "Wo zum Kuckuck ist ,Telefon Hst'?", fragt er in die Runde der inzwischen mit Koffern und Taschen zum Bahnhof gekommenen Personen. "Ich glaube, das ist beim Gasthaus an der Hauptstraße", klärt eine zufällig vorbeigekommene Dame auf.

Wann die Ersatzbusse abfahren, steht auf den ÖBB-Plakaten übrigens nicht. Ihr Fahrplan wird "mit einem gesonderten Baustellensonderfahrplan bekanntgegeben, heißt es. Die an einer Säule lehnende Infotafel nimmt niemand war. Den etwa einen halben Kilometer entfernt abfahrenden Bus erreichten die Stehengebliebenen übrigens ebenso wenig wie den Schnellzug in Wiener Neustadt. Via Handy organisieren sich die Fahrgäste Taxis aus der Bezirksstadt - in der Hoffnung, wenigstens den IC eine Stunde später zu erwischen.

Bei der ÖBB versteht man den Ärger nicht. Man schenke der Kundeninformation größte Aufmerksamkeit und habe bereits Tage vor der dreiwöchigen Sperre der Aspangbahn begonnen, die Fahrgäste zu informieren, sagt ÖBB-Sprecher Johannes Gferer. Insbesondere am Bahnhof Wiener Neustadt (dem größten Regionalbahnhof Österreichs, Anm.) sei durch Kundenbetreuer, Flugzettel, Durchsagen und elektronische Anzeigen informiert worden.

Warum die Lautsprecher just an den ersten Tagen der Sperre stumm blieben, war bis Freitag nicht zu eruieren. Und dass Ersatzbusse nicht automatisch die Bahnhöfe anfahren, sondern von "alternativen, aber gut erreichbaren Haltestellen im Ort", wie die ÖBB betont, liege an der "Optimierung der Routenführung". Mit der werde Zeit gespart.

Von Haus zu Haus

Geduld und Vorlaufzeit braucht der "Haus zu Haus"-Gepäcktransport ins Urlaubsdomizil. Wer seinen Koffer am 27. Juli in Badgastein vorfinden will, muss dessen Abholung laut ÖBB-Auskunft spätestens 14 Tage vorher bestellen. Am 13. Juli teilte man Frau T. dann mit, sie möge ihn "rechtzeitig" zum Bahnhof Wr. Neustadt bringen. Wann "rechtzeitig" ist, war weder im ÖBB-Callcenter noch in der Pressestelle zu eruieren. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17. Juli 2011)

Kommentar posten
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M.-B.
00
18.7.2011, 10:04
Telephonhaltestelle

Ich hab in Erlach das Plakat auch übersehen, weil dort nicht "Schienenersatzverkehr", sondern "Baustellensonderfahrplan" steht. Aber hier ist ein Bild der sogenannten Telephonhaltestelle in Lanzenkirchen: https://www.facebook.com/photo.php... 778105653. Ich hätte mir auch gedacht, dass man als Lanzenkirchner weiß, wo die ist, und der Bahnhof liegt ja auch etwas abseits, also ist es auch besser, wenn der Bus im Ort hält. Aber man könnte es schon besser beschreiben, das stimmt.

M.-B.
00
18.7.2011, 12:07

direkter Link auf Bild geht anscheinend nicht - also bitte auf www.facebook.com/1000busstops im Album "Stadt und Bezirk Wiener Neustadt" schauen... ich muss übrigens immer schmunzeln, wenn der Busfahrer sagt: "nächster Halt: Lanzenkirchen Telephon!" ;-)

der wanderfalke
 
01
17.7.2011, 20:57
Die gute Luise ...

ist eine saftige Sommerbirne, mit süßem Fruchtfleisch. Soweit das Positive.

Frau Ungerböck haben wir zu danken: Wo sonst erfahren wir über den alltäglichen Frust, den die ÖBB ihren Beförderungsfällen (Kunden?) bescheren? Schreiben Sie aus eigener Erfahrung, oder wird Ihnen das alles zugetragen, liebe Luise? Sie werden sich dem wohl nicht aussetzen, worüber Sie hier schreiben? Das können Sie sich nicht zumuten, so Furchtbares, wie es ihrem Artikel nach zu beurteilen ist!

Hellspäher
01
17.7.2011, 19:49

"Immerhin, ein schwarzes Brett gibt es noch, wenn auch mit Plakatresten verziert."
Oh Gott, Plakatreste, alles nur nicht Plakatreste!!

"Dort entdeckt er auf einem schlichten Blatt weißen Papiers einen Hinweis"
Skandal: Die ÖBB schreibt auf schlichte weiße Blätter! Der Luise-Ungerböck-Club fordert Neonleuchttaferl im DIN A0-Format sowie Leuchtmarkierungen am Boden, Übersetzungen in alle Sprachen sowie die Infos verlesenden Roboter mit pinken Schleifchen.

"Am 13. Juli teilte man Frau T. dann mit, sie möge ihn "rechtzeitig" zum Bahnhof Wr. Neustadt bringen"
So, jetzt reichts, "rechtzeitig" soll ich da meinen Koffer hinbringen? Wo kommen wir denn da hin?

gleich gleichgültig Gesinnter
 
02
17.7.2011, 15:45

Bitte die Komische nicht mehr schreiben lassen. Das ist ja unterirdisch...

Mescalero68
02
17.7.2011, 11:21
Wenn sich das alles so abspielte, wie Frau Ungerböck schreibt,

ist es einen bodenlose Sauereri.

Nur: Der Ungerböck glaub' ich kein Sterbenswörtchen, wenn sie (und der Möseneder) über die ÖBB schreibt.

P.S.: Bin schon neugierig, welche Lobeshymnen von den beiden über der "Westbahn" von Herrn Haselsteiner ausgeschüttet werden!

Stuff
50
16.7.2011, 23:11
In der Fahrplanauskunft steht eh "Achtung, starker Reisetag!

und "besser als in Frankreich"

Ich bin beruhigt und werde nächstes mal wieder mit meinem Kleinauto nach Salzburg fahren. Da kann ich selbst bei Stau rauchen, beliebige Musik hören oder es lassen, muss keine Pay-Dingsda-Verträge studieren und der Schaffner braucht nicht freundlich zu sein, weil es gibt keinen. Von Tankstellen feilgebotene Getränke sind geradezu Okkasionen gegen das, was in Zügen angeboten wird. Und Idioten, die es auf Strassen auch gibt, denen kann ich Platz machen, auf dass sie ausser Reichweite geraten – im Zug schiere Unmöglichkeit…

Grammelknoedel
04
16.7.2011, 20:41

hmmm, Haus-zu-Hauszustellung Wien-Bad Ischl: zwei Tage vor Abholung bestellt und hat wunderbar geklappt.

Peter Moller1
118
16.7.2011, 16:13
Schlecht recherchiert oder rasch reagiert?

Als Lanzenkirchner und somit Ortskundiger habe ich mir heute um 15:30 Uhr die tatsächliche Situation vor Ort am Bahnhof angesehen.
Bei Benützung des ausgewiesenen Fußgängerüberganges über die Geleise ist die Infotafel über den Schienenersatzverkehr samt genauer Angabe der Abfahrtzeiten der Busse NICHT zu übersehen.
Sollte man aber (wie ich als Bahnbenützer selbst weiß) die Gleise verbotenerweise an jener Stelle überqueren, bei der man schneller am Parkplatz ist (dies möchte ich Fr. Ungerböck aber nicht unterstellen!), so kann das Hinweisschild durchwegs übersehen werden, da es gegen Umfallen durch Wind an eine Säule befestigt wurde und daher zum Teil durch die Säule verdeckt wird.
Im überdachten Teil des Bahnhofes befinden sich weiters zum Teil

Chocoholic
01
17.7.2011, 07:57
Könnten da nicht ein paar Taferln dazu gekommen sein?

Ich mein, mir is wurscht, aber wäre ja eine Möglichkeit. Ansonsten natürlich nicht besonders fein recherchiert....

Peter Moller1
020
16.7.2011, 16:21
Fortsetzung

im sehr auffälligem Gelb gehaltene Info- und Hinweissschilder über den Schienenersatzverkehr (genaue Ankunfts- und Abfahrtszeiten samt planlicher Darstellung der Abfahrtsstationen).

Meines Erachtens hat sich Fr.Ungerböck nicht die Mühe gemacht, sich diese Infos anzusehen. Der Artikel ist das schlicht unseriös und entspricht nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Zur Not kann ich auch Fotos veröffentlichen...

Ich halte die Informationqualität über den Schienenersatzverkehr für mehr als ausreichend.

Abschließend: Ich bin kein Mitarbeiter der ÖBB aber regelmäßiger Bahnfahrer

H.E. Pennypacker
00
17.7.2011, 15:19
kann ihnen nur zustimmen

bin selbst vor über einer Woche die Strecke gefahren, da ist auf jedem(!) "Tischlein" in der Bahn ein Flyer mit Informationen zum Schienenersatzverkehr aufgelegen! Und dass ein Einheimischer nicht weiß wo der Dorfwirt,Hauptplatz,etc. ist, vor allem in der Gegend dort unten, kann mir keiner erzählen.

macstar
00
17.7.2011, 11:14
bin selbst einer der öbb basher

aber es hätte mich gewundert, denn wenn etwas bisher wirklich immer und gut funktioniert hat, dann war es der schienenersatzverkehr.

arsen hitrach
00
17.7.2011, 09:20
Danke.

Es lässt sich oft beobachten, dass Frau Ungerböck den Bahnhassern nach dem Mund schreibt. Schön, dass sich jemand die Mühe macht, auf die tatsächliche Situation hinzuweisen.

dafanefa
01
17.7.2011, 13:37
Seriöser Journalismus sieht anders aus!

Da rufen einige Querulanten an (oder schicken einen Brief, email, etc..) und Frau U. übernimmt diese Anschuldigungen ungeprüft für ihre Hetzartikel.
Sich selbst von den Gegebenheiten überzeugen: Fehlanzeige!
Die andere Seite zu Wort kommen lassen: Fehlanzeige!

Dr.mumunator
73
16.7.2011, 16:10
Die Kunden sind den Abzockern doch völlig egal!

Drecksladen sondergleichen!

4simo
27
16.7.2011, 19:45
meinen Sie jetzt die öbb wegen etwaiger misstände

oder den standard, wegen mangelnder recherchen?

TheVox
10
16.7.2011, 18:33

Aha

inness robins
02
16.7.2011, 13:49
Hilfe-Villach- Udine

Hab ich es richtig verstanden, dass mit Milliardenaufwand eine teils neue Bahntrasse von Tarvis nach Udine gebaut wurde und keine Reisezüge/Personenzüge die Strecke befahren?
Anstelle derer immer nur ein Schieneneratzverkehr mit Bussen? Wirklich für immer?

Protonenzerquetscher
00
17.7.2011, 12:37

Die TrenItalia ist das Problem, denn solange keine Hochgeschwindigkeitszüge fahren, lässt die TrenItalia keinen Zugsverkehr zu. Sie lässt nicht einmal die Regionalzüge von Villach über Arnoldstein nach Tarvis einfahren. Selbst die Schweizer haben massive Probleme mit der TrenItalia.

Quim Barreiros
00
16.7.2011, 14:54

Nicht ganz. Es gibt täglich 2 (an manchen Tagen 3) Nachtzugpaare von Österreich nach Italien, dazu noch ungefähr 5 Regionalzugpaare von Udine nach Tarvis.

Sobald die Trenitalia wieder Interesse am internationalen Verkehr hat (oder irgendein privater Anbieter auf italienischer Seite), gibt es auch wieder mehr Züge.

der_kleine_pariser
 
11
16.7.2011, 14:29

nein, nur solange, bis sich die Beziehungen zwischen Trenitalia und ÖBB wieder normalisieren.

Peter W1
 
32
16.7.2011, 15:41

Dann sollte die ÖBB vielleicht daran arbeiten. Oder sind sie nur damit beschäftigt, die existente Infrastruktur zu zerstören?

Mescalero68
00
17.7.2011, 11:28
Schlicht und einfach:

Trenitalia hat keinerlei Interesse an internationalem Verkehr, solange er nicht durch Hochgeschwindigkeitszüge erfolgt. Die überqueren die italienischen Grenzen z. Zt. nur in Domodossola, Chiasso und Modane.

Die neue Pontebbana, die vor etwa 10 Jahren eröffnet wurde, hat Italien Milliarden gekostet, für die paar Züge (Personen- und Güterverkehr) hätte die alte, eingleisige, (fast) tunnellose Strecke auch gereicht.

Daß es nicht mal Umsteigeverkehr mit Regionalzügen über Tarvisio gibt, hat damit zu tun, daß Trenitalia die Einfahrt solcher ÖBB-Regionalzüge in Tarvisio Boscoverde nicht zulässt.

Das alles hat also mit der ÖBB nix zu tun - auch wenn es Frau Ungerböck hundert mal impliziert.

der_kleine_pariser
 
03
16.7.2011, 21:54

Die ÖBB versuchen's eh.

die Trenitalia blockiert.

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