Tsunamis verwüsteten das antike Olympia

16. Juli 2011, 18:00
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Bislang ging man von einem Erdbeben im 6. Jahrhundert aus - deutscher Forscher deutet Sedimente in eine andere Richtung

Mainz - In der Antike war Olympia Heiligtum des Zeus und Austragungsort der Olympischen Spiele. Die römischen Kaiser ließen diese Tradition wieder aufleben, nachdem jedoch das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion geworden war, wurden die Spiele verboten und die Heiligtümer zerstört. Die Stätte insgesamt fiel im 6. Jahrhundert einer Naturkatastrophe zum Opfer, verschwand aus der Geschichte und wurde erst vor rund 250 Jahren wiederentdeckt - begraben unter einer bis zu acht Meter dicken Schicht aus Sand und anderen Ablagerungen.

Bislang ging man zumeist von einem Erdbeben samt einem Hochwasser des nahegelegenen Flüsschens Kladeos aus, doch einer neuen Studie zufolge dürfte Olympia eher durch mehrere, weit ins Land reichende Tsunamis zerstört worden sein. Diese These hat Andreas Vött vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vorgestellt. Vött untersucht die Stätte im Rahmen der Erforschung von Paläotsunamis, die während der letzten 11.000 Jahre an den Küsten des östlichen Mittelmeers stattgefunden haben. Die Olympia-Tsunami-Hypothese drängt sich nach seiner Darstellung vor allem aufgrund der im Umfeld von Olympia vorgefundenen Sedimente auf.

Fluss hatte nicht die Kapazität

"Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Sedimente, die wir in Olympia gefunden haben, passen nicht zur Wasserführung und zum geomorphologischen Inventar des Kladeos. Der Bach kann das nicht verursacht haben", sagte Vött. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Olympia in seiner Geschichte mehrfach von großen katastrophischen Fluten betroffen und in diesem Zusammenhang mit Sedimenten überdeckt wurde. Muschelklappen und Schneckengehäuse sowie Reste einzelliger Foraminiferen weisen eindeutig auf einen marinen Ursprung hin. Die Sedimente sind offenbar mit hoher Geschwindigkeit und hoher Energie von der Küste an Land transportiert worden und haben Olympia trotz seiner Höhenlage auf ca. 33 Meter über dem Meer erreicht - vermutlich über niedrige Sättel im unmittelbar vorgelagerten Höhenzug.

"Olympia war in früheren Zeiten auch nicht 22 Kilometer vom Meer entfernt wie heute, sondern die Küste lag mindestens acht, vielleicht auch mehr Kilometer weiter landeinwärts", führt Vött aus. Sein Szenario: Tsunamis bauen sich vom Meer her auf, laufen in das enge Alpheios-Tal, in das auch der Kladeos-Bach mündet, mit großer Wucht ein und überfließen dann die Sättel im Hügelzug, hinter dem Olympia liegt. Die Kultstätte wird überflutet und die Wassermassen fließen nur langsam ab, weil gleichzeitig der Abfluss des Kladeos über das Alpheios-Tal durch die einlaufenden Tsunamis und deren Sedimente blockiert ist. Wie die im Umfeld von Olympia erfassten Sedimentabfolgen nahelegen, hat sich ein solches Szenario während der letzten 7.000 Jahre mehrfach wiederholt.

Tsunamis keine Seltenheit

Tsunamis sind im östlichen Mittelmeer ausgesprochen häufig, was hauptsächlich an der hohen seismischen Aktivität entlang des Hellenischen Bogens liegt. Hier schiebt sich die afrikanische Platte unter die eurasische Platte und löst dadurch immer wieder starke Erdbeben mit darauffolgenden Tsunamis aus. Der letzte Riesentsunami im Mittelmeer verwüstete 1908 nach einem Beben in der Straße von Messina die angrenzenden Küstenregionen, über 100.000 Menschen starben. In der südlichen Ägäis wurde 1956 eine 30 Meter hohe Welle verzeichnet. "Die Auswertung historischer Kataloge hat ergeben, dass sich in Westgriechenland im Durchschnitt alle acht bis elf Jahre ein Tsunami ereignet", so Vött. (red)

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    Tänzerinnen machen auf Priesterinnen: Szenische Nachstellungen des Lebens im antiken Olympia sind heute wieder schwer in Mode. Beschwörungen Poseidons kommen jedoch leider zu spät.

  • Im Umfeld von Olympia sowie zwischen Olympia und der heutigen Küste wurden zahlreiche Bohrungen zur Erfassung der Sedimentabfolgen durchgeführt.
    foto: a. vött

    Im Umfeld von Olympia sowie zwischen Olympia und der heutigen Küste wurden zahlreiche Bohrungen zur Erfassung der Sedimentabfolgen durchgeführt.

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