Werbeplanung.at Summit 11

Onlinemedien-Förderung, AKM für Zeitungscontent und Killer-Cookies

Tatjana Rauth, 15. Juli 2011, 15:48
  • Artikelbild
    vergrößern 500x407
    foto: derstandard.at/ tatjana rauth

    Am Podium des Medien- und Vermarktergipfels: Kopf, Bretschko, Moderator Wolf, Wippersberg, Staudinger und Ehrlich.

  • Artikelbild
    vergrößern 500x202
    foto: derstandard.at/ tatjana rauth

    Styria-Chef Bretschko: "Wir messen immer besser und auch die Webanalyse wird immer genauer."

Der Medien- und Vermarktergipfel wurde dominiert von Rufen nach einer Förderung und einer marktfreundlichen Umsetzung der EU-Cookie-Richtlinie

Mit kämpferischen Aussagen eröffneten die Podiumsgäste unter der Leitung von ZiB2-Moderator Armin Wolf den zweiten Tag des Werbeplannung Summit 11. Ob es dabei um das brandaktuelle Thema der EU-Cookie-Richtlinie oder den österreichischen Status als Online-Entwicklungsland ging, Wolfgang Bretschko, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, Matthias Ehrlich vom Vermarkter United Internet Media und Martin Staudinger, Geschäftsführer Purpur Media, zeigten aktiven Gestaltungswillen.

"Die Wirtschaft und die Agenturen haben verstanden, dass die Zukunft digital sein wird", sagte Staudinger. Der digitale Markt in Österreich befinde sich "an einem kritischen Punkt. Um einen innovativen Online-Markt zu erschaffen, muss Gerechtigkeit von der Medienpolitik geschaffen werden, um nicht von den internationalen Riesen wie Google erdrückt zu werden." Staudinger fordert "eine Onlinemedien-Förderung, wir brauchen Innovationen und neue Arten der Zusammenarbeit für einen vitalen österreichischen Medienmarkt."

Kopf: AKM für Zeitungscontent

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf unterstützte die Vorstöße der Runde in Richtung Medienförderung und stieß zudem einen Gedanken zu einer weiteren Monetarisierungsmöglichkeit an. "Wenn wir Medienvielfalt wollen, werden wir über Förderungen nachdenken müssen. Wir haben im Zuge von Rahmenbedingungen für den Markt auch schon eine Art AKM für Zeitungscontent angedacht", sagte Kopf, "man müsste überprüfen, ob wir das so gegen die Internetriesen durchbringen könnten."

"EU-Richtlinie wird von unten nach oben töten"

Auch die EU-Richtlinie zum Thema Cookies ließ die Gemüter hochkochen. Matthias Ehrlich, der neben seiner Vermarkterprofession auch im Vorstand des deutschen Bundesverbandes für digitale Wirtschaft sitzt, brachte das Problem aus Sicht der Werbewirtschaft auf den Punkt. "Jede Wirtschaft stößt, wenn sie erwachsen wird, an Rahmenbedingungen. Mit der Cookie-Richtlinie schießt uns die EU ein Tool weg, das die gesamte Werbelandschaft braucht", sagte Ehrlich. Die Politik werde daran bewertet werden, "wie sie die Formulierung umsetzt. Wenn das Gesetz kommt, tötet es von unten nach oben. Es werden 50 bis 60 Prozent der lokalen Anbieter verschwinden, denn die Menschen sind es gewohnt, das Internet barrierefrei zu nutzen. Es gilt immer zu bedenken: Die Online-Wirtschaft wird über Werbung finanziert", erklärte Ehrlich.

Bretschko: "Wir messen immer besser"

Wolfgang Bretschko positionierte sich als Gegenpol und hielt fest, dass er nicht auf die Entscheidungen der Politik warten wolle, sondern es den Gestaltungswillen der Wirtschaft brauche, um neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Mit Hilfe des frisch gelaunchten Vermarkterportals "Premiumnet" wolle er seine Onlineumsätze in den nächsten Jahren verdreifachen. Zusätzlich brach er eine Lanze für Österreichs positive Entwicklungstendenzen. "Wir gehen in Richtung einer gemeinsamen Währung, Visits und Unique Clients, wir messen immer besser und auch die Webanalyse wird immer genauer."

Lob für Webanalyse

Auch Matthias Ehrlich bestätigte die hervorragende Qualität der Österreichischen Webanalyse ÖWA und verteidigte zudem die oft bekrittelte Praxis, verschiedene Messwerte zur Analyse heranzuziehen. Österreich sei zusammen mit Deutschland Land mit den besten Messdaten in Europa. "Hier wurde mit einem Riesenaufwand für die kleine Industrie gestartet. Man muss die Komplexität erlauben, die wirklich da ist. Man braucht drei bis vier Werte um ein multidimensionales Bild sehen zu können."

Abschließend sandte die Kommunikationswissenschaftlerin Julia Wippersberg (Uni Wien) einen Appell an ihre Kollegen aus der Wissenschaft: "Wir brauchen systematisierte und strukturierte Messgeräte, damit das Userverhalten sowohl quantitativ als auch endlich qualitativ besser erfasst werden kann." (Tatjana Rauth/derStandard.at/16.7.2011)

Kommentar posten
11 Postings
silverfinger
00
18.7.2011, 09:50
AKM für Zeitungscontent???

was soll den das sein?

grandw
00
17.7.2011, 10:25

Mit HTML5 fallen die Cookies sowieso.
Gilt die Richtlinie nur für Cookies?

kärntna
00
17.7.2011, 12:35

warum?

grandw
00
17.7.2011, 14:18

Weil es dann neue Speicherformen gibt:

http://www.w3schools.com/html5/htm... torage.asp

kärntna
00
17.7.2011, 15:13

ah... jetzt kapier ich auch Ihre Frage!

die Cookies sind nicht das Problem, sondern der Inhalt! Ganz gleich ob die als Flash-Cookie, Session-Cookie, Browser-Cookie oder per HTML5-Webstorage gespeichert werden.

grandw
00
17.7.2011, 19:22

Danke, ich traue es Politikern durchaus zu an der Realität vorbeizuregieren :-)

Freigeist
13
16.7.2011, 18:17
sowenig wie ich will, dass mich der staat überwacht

will ich, dass mich die werbewirtschaft überwacht.

das sind die parasiten des internet.

darum verwende ich kein flash, lasse keine cookies von dritten zu und aktualisiere gelegentlich meine hosts-datei, um mir diese parasiten einigermaßen vom rechner fern zu halten.

ich würde lieber für content zahlen als diesen ganzen werbespam und datenweitergabe über mich ergehen zu lassen.

es sollte in jedem browser ein fixer bestandteil sein festlegen zu können, von welchen domains / IPs man cookies und werbung akzeptiert und von welchen nicht.

so könnte jeder auch mit geringen kenntnissen festlegen, wer die daten erhält und wer nicht.
welche werbung er akzeptiert und welche nicht.

Fumanschu
00
15.7.2011, 20:50

was ist die cookie-richtlinie..?

276m
04
15.7.2011, 21:58

Diese würde Ihnen transparent machen, dass z.B. auf dieser Seite gerade diese 3 hier mittracken:

24/7 Real Media

Data Collected:
Anonymous (ad serving domains, browser type, language settings, page views), Pseudonymous (IP address)

Data Sharing:
Anonymous data is shared with third parties.

Data Retention:
13 months

Google Analytics

Data Collected:
Anonymous (ad serving domains, browser type, demographics, language settings, page views, time/date), Pseudonymous (IP address)

Data Sharing:
Anonymous data is shared with third parties.

Data Retention:
Undisclosed

OWA

Privacy and Data Collection Information

Privacy Policy: k.A.
Data Collected: k.A.
Data Sharing: k.A.
Data Retention: k.A.

dawolf
24
15.7.2011, 21:29

ein völlig idiotischer plan von websites ein opt-in fuer cookies zu verlangen, obwohl jeder vernünftige browser ausreichend cookie-einstellungen mitbringt. das internet koennte dann so aussehen:

http://www.davidnaylor.co.uk/eu-cookie... r-you.html

skoldpadda
00
20.7.2011, 11:29
der link

... is wöd!

cookies sind nicht böse, die tun niemanden was. außerdem schmecken sie gut ;)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.