Open Street Map kooperiert mit Bing Maps

15. Juli 2011, 13:05
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In Wien findet derzeit die European Sate of the Map statt, die Konferenz der Open Street Map User

Am Freitag lud Microsoft im Zuge der European State of the Map Conference 2011, zu einer Pressekonferenz in Wien. Thema waren Bing Maps und die Kooperation mit Open Street Map. Laut Gerhard Göschl, zuständig für strategisches Marketing und Sicherheitssprecher bei Microsoft, ist die Zusammenarbeit von Microsoft mit Open Street Map ein weiterer Schritt des Softwarekonzerns offener zu werden.

Wikipedia der Kartendienste

Open Street Map versteht sich als eine Art Wikipedia der Kartendienste, wie Gründer Steve Coast erklärt. Jeder kann mitmachen und die Daten verbessern und vervollständigen. Daher ist Open Street Map auch der genaueste Kartendienst im Netz, sagt Coast.

Global, Lokal, Up-To-Date

Dadurch das Open Street Map Mitglieder in der ganzen Welt hat, ist der Dienst sehr global, aber auch sehr lokal, da sich logischerweise all die Mitglieder in ihrer Umgebung gut auskennen und die Karte damit mit Details füttern können, die in anderen Diensten vielleicht fehlen. Coast rühmt sich auch damit, dass Open Street Map immer up-to-date ist. Da die User schnell reagieren, wenn sich in ihrer Umgebung etwas ändert.

Ungleich verteilt

Auf einer Weltkarte die Coast bei der Pressekonferenz gezeigt hat, konnte man allerdings sehen, dass die detaillierten Karten sehr ungleich verteilt sind. So sind die USA und Europa sehr genau kartographiert und auch Indien hat stark aufgeholt, aber weite Teile Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas sind noch recht lückenhaft.

Genau kartographiert sind hingegen Haiti bzw. Port-au-Prince. Das hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Nach dem Erdbeben 2010 gab es keine Karten der Hauptstadt bzw. waren die Straßen so weit zerstört, dass die Rettungskräfte sich nicht anhand der vorhandenen Karten orientieren konnten. Open Street Map konnte innerhalb von zwei Wochen eine genaue Karte des Unglücksorts liefern und war damit um vieles schneller, als es normalerweise dauert eine Karte für Rettungskräfte zu erstellen.

Zusammenarbeit

Zur Zusammenarbeit mit Bing Maps erklärte Coast, der selbst seit acht Monaten für Microsoft arbeitet, dass das Bildmaterial des Microsoft Kartendienstes es den Nutzern erlaubt schneller und genauere Karten online zu stellen. So soll vor allem die Adresssuche verfeinert werden. Außerdem wird es eine Applikation für Windows Phone 7 geben, die es den Usern ermöglicht auch über ihr Smartphone Wege einzuzeichnen.

Josef Kauer, von Bing Maps, erklärte wie Microsoft zu dem Bildmaterial in Bing Maps kommt. Dabei ist dem Softwarekonzern Datenschutz sehr wichtig, anders als bei Mitbewerbern, wie Kauer mit Augenzwinkern betonte. Dadurch ist Bing bei der Bereitstellung von Bildmaterial vielleicht langsamer als etwa Google, aber dafür sei Bing Maps genauer und es gebe eben keine Datenschutzprobleme.
Derzeit überfliegt Microsoft gerade Europa und will so die größte Sammlung an Kartenmaterial schaffen, die es bisher in Europa gab. Dabei werden Gegenstände mit einem Durchmesser bis 30cm scharf dargestellt. Menschen könne man damit zwar erkennen, aber nicht identifizieren, so Kauer. Die Fotos des Überflugs stellt Microsoft auch Open Street Map zur Verfügung.

Streetside

In Bing Maps gibt es auch ein Pendant zu Streetview, es nennt sich Streetside und wird ebenfalls mit Autos, auf denen eine Kamera montiert ist, erstellt. Aber auch Private oder Firmen können sich daran beteiligen. Entweder indem man mit Hilfe von flickr Bilder hoch lädt oder man sich eine Rucksackkamera die so genannte Ultra Cam Personal ausborgt und damit durch die Stadt geht. Dadurch kann man auf Bing Maps auch Bilder von Orten sehen, zu denen man mit dem Auto nicht vordringen kann. Microsoft wird allerdings nur größere Städte abfahren. In Deutschland nur jene mit mehr als 100.000 Einwohner und in Österreich ist diese Frage noch nicht geklärt.

Echtzeitanzeige

Ein weiteres Feature von Bing Maps ist die Echtzeitanzeige von Fahrzeiten von öffentlichen Verkehrsmitteln bei Klick auf eine Haltestelle. Im Moment ist das allerdings nur in wenigen Regionen der USA möglich, soll aber irgendwann einmal auch in Europa zur Verfügung stehen.

Als Alternative zu Google Maps bietet sich Open Street Map vor allem für jene an, die zu Fuß und in ländlichen Gebieten unterwegs sind. Da dort auch kleinere Wege genau eingezeichnet sind. Bing Maps hat vor allem mit der Vogelperspektive ein interessantes Feature, da die Bilder detaillierter sind, als jene die vom Satelliten aus geschossen werden. So kann man z.B. auf den Wiener Stepansdom viel näher zoomen als mit Google Maps und auch das scrollen über die Landkarte geht um einiges flüssiger.

An der Kooperation zwischen Bing Maps und Open Street Map wird interessant zu beobachten sein, in wie fern die beiden Dienste ihren Nutzen daraus ziehen können oder ob sich Microsoft in das eigene Fleisch schneidet, da die Datendichte bei Open Street Map um ein vielfaches höher ist als bei Bing Maps. (soc)

  • Presskonferenz von Open Street Map und Bing Maps in wien
    foto: christof sorge/derstandard.at

    Presskonferenz von Open Street Map und Bing Maps in wien

  • Steve Coast lauscht Josef Hauer, obwohl er kein Deutsch versteht
    foto: christof sorge/derstandard.at

    Steve Coast lauscht Josef Hauer, obwohl er kein Deutsch versteht

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