ÖVAG fällt beim Banken-Stresstest durch

15. Juli 2011, 20:20
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Erste und Raiffeisen schnitten gut ab - "nicht genügend" für acht Europa-Banken

Wien - Beim europaweiten Belastungstest der Großbanken ist in Österreich die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) durchgefallen. Die weiteren getesteten Großbanken, die Erste Group, Raiffeisen Bank International (RBI) und die Bank Austria (via italienischer Mutter UniCredit) bestanden das "Belastungs-EKG", wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) den Stresstest bezeichnete. Die ÖVAG-Führung hat ihre geplanten Schritte bekräftigt, um ihre Kernkapitalquote zu erhöhen, auch das Finanzministerium steht mit weiteren Hilfsmaßnahmen bereit, sollte dies notwendig werden. Die ÖVAG selbst hat demgegenüber weiter vor, heuer mit der Tilgung der Staatshilfe zu beginnen. Generell sei Österreichs Bankensektor gut aufgestellt, weitere Eigenkapitalstärkung sei jedoch wünschenswert, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny zur APA.

Die ÖVAG hat die 5-Prozent-Schwelle beim Eigenkapital unter einem Schockszenario nicht geschafft, ist also durchgefallen. Ausgehend von 6,4 Prozent Kernkapital nach der strengen Definition der europäischen Bankenaufsicht EBA würde die mit Staatskapital massiv unterstützte ÖVAG unter harten Krisenszenarien Ende 2012 auf nur 4,5 Prozent Kernkapital kommen. 150 Mio. Euro fehlten ihr auf zumindest 5 Prozent. Allerdings sind bei der ÖVAG schon kapitalstärkende Maßnahmen eingeleitet. Darunter der gestern paktierte Verkauf der Volksbank International (VBI) an die russische Sberbank und der Verkauf des RZB-Anteils. Damit kommt die Bank dann auch "unter Stress" wieder über die kritische Schwelle und sogar in Richtung europäisches Mittelfeld.

Unerfreuliches Ergebnis für ÖVAG-Chef

"Natürlich ist ein solches Testergebnis unerfreulich", sagte Vorstandschef Gerald Wenzel am Freitagabend. "Und wir nehmen es natürlich ernst." Er sieht aber "professionelle Marktteilnehmer" um sich, denen man ganz gut erklären könne, wie man gegensteuern wird. Die Volksbanken wollen den Staat auskaufen und werden diese PS dann in Aktienkapital umwandeln, eine erste Tranche von 300 Mio. Euro noch heuer. Angedeutet wurde heute, dass auch andere Kapitalbestandteile, etwa Vorzugsaktien, irgendwann einmal zu Stammaktien werden könnten.

Die Erste Group würde bei einem simulierten Rückfall in die Rezession beim harten Kernkapital von 8,7 Prozent auf 8,1 Prozent zurückfallen und übertrifft damit die geforderte Marke von 5 Prozent deutlich. Die Bank sieht durch den Test ihre "solide Kaptalausstattung" bestätigt. Das Ergebnis des Stresstests zeige, dass die festgelegten Eigenkapitalstandards "nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen" werden. Manfred Wimmer, Finanzvorstand des Instituts, sprach davon, dass der Test "komfortabel bestanden" worden sei. Würde auch das von Privatinvestoren gezeichnete Partizipationskapital berücksichtigt (was nicht der Fall war), läge "Core Tier 1-Quote bei 8,5 Prozent".

Von 8,1 Prozent auf 7,8 Prozent gefallen wäre unter dem Belastungstest die Kapitalquote bei der Raiffeisen Bank International. Für Vorstandschef Herbert Stepic spiegelt sich im bestandenen Stresstest "die Stärke unseres Geschäftsmodells und unsere diversifizierte Aufstellung als führende Universalbank in 15 Märkten der Wachstumsregion Zentral- und Osteuropa sowie als eine der wichtigsten Corporate- und Investmentbanken Österreichs wider".

Der Mutterkonzern der Bank Austria, die italienische UniCredit, hat den Stresstest mit einer harten Kernkapitalquote von 6,7 Prozent bestanden, nachdem es Ende 2010 im Basisszenario 7,8 Prozent gewesen waren. UniCredit-Chef Federico Ghizzoni gab sich in einer ersten Reaktion wegen des erzielten "ausgedehnten Puffers" gegen die im Test vorgegebene Untergrenze von 5 Prozent zufrieden. Die Bank Austria wird als Teil des Konzerns nicht gesondert ausgewiesen, die für das erste Quartal selbst veröffentlichten Kapitalquoten lassen aber vermuten, dass der Wert der Bank Austria über jenem des Gesamtkonzerns liegt. Während die UniCredit 9 Prozent Core Tier 1-Kapital vermeldete, errechnete die Bank Austria für sich einen Wert von 10,4 Prozent.

Erwartungen der Aufsicht erfüllt

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, sieht in den Ergebnissen des Banken-Stresstests die Erwartungen der Aufsicht erfüllt. Bei den österreichischen Großbanken liege die Kapitalausstattung "im oberen Mittelfeld", sagte er zur APA. "Nichtsdestotrotz ist es angesichts der erheblichen Risken im weltwirtschaftlichen Bereich anzustreben, dass eine weitere Stärkung der Eigenkapitalbasis erreicht wird". Insgesamt bestätigen für Nowotny die Ergebnisse, dass der österreichische Bankensektor generell krisenfest aufgestellt ist. Mit diesem nun vorgelegten EBA-Stresstest und den zusätzlich bereitgestellten detaillierten Infos über Einzelbanken sei "ein größtmögliches Maß an Transparenz" erreicht worden. "Es ist zu hoffen, dass dies zu einer Stabilisierung der europäischen Finanzmärkte beiträgt".

In den Augen der Finanzmarktaufsicht (FMA) verkraften Erste Group und Raiffeisen Bank International beim Kapital einen simulierten Rückfall in eine Rezession gut. Bei der ÖVAG hat der Stresstest nur bestehende Schwachstellen bestätigt, erklärte die Aufsicht am Freitagabend. Die ÖVAG habe aber mit der Aufsicht bereits kapitalstärkende Maßnahmen - Reduktion der Risiken, Beteiligungsverkauf, Ersatz des PS-Kapitals - vereinbart, um diese Schwachstellen zu beseitigen. Die beiden FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil erwarten, dass die Ziele nach einem exakten Zeitplan bis Ende 2011 durchgesetzt sind.

Als letzte Bastion hat sich bereits die Republik dazu bekannt, für die Banken in die Bresche zu springen: Sollte die ÖVAG nicht in der Lage sein, einen glaubwürdigen Kapitalisierungsplan fristgerecht zu implementieren, sei die Republik Österreich bereit, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um die finanzielle Stabilität sicherzustellen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Finanzministeriums. (APA)

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    ÖVAG-Generaldirektor Gerald Wenzel könnte auf diese Art von Aufmerksamkeit wahrscheinlich gerne verzichten.

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