Gewerkschaft: durchführendes Institut nicht unabhängig - Salzburger Studie mit mehr als doppelt so vielen Burnout-Gefährdeten
Die Polizeigewerkschaft übt Kritik an der vom Innenministerium veröffentlichten Burnout-Studie unter Polizisten. Zehn Prozent der Polizisten sollen demnach Burnout gefährdet sein (derStandard.at berichtete). Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Hermann Greylinger, kritisiert die mangelnde Transparenz, Detailergebnisse der Studie seien nicht bekannt. Es gebe keinen Zugang zum Fragenkatalog und auch nicht zu den Auswahlkriterien der befragt Polizisten.
Zweifel an Daten
Massiv bezweifelt werden auch die Zahlen: dass lediglich zehn Prozent der Polizisten ein Burnout-Risiko aufweisen, glaubt man bei der Gewerkschaftsvertretung in Salzburg nicht. Eine Studie unter Salzburger Polizisten im Vorjahr hat ergeben, dass sogar fast ein Viertel aller Bediensteten (23 Prozent) von Burnout bedroht seien. Gewerkschafter Walter Scharinger glaubt, dass die Ergebnisse des Innenministeriums geschönt sind. "Es gibt kein gutes Bild ab, wenn man die Burnout-Zahlen veröffentlicht und man sieht, dass ein Jahr lang nichts passiert ist", erklärt er im Gespräch mit derStandard.at/Karriere einen möglichen Grund.
Undurchsichtige Auswahlkriterien
Die unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Burnout-Studien führt er darauf zurück, dass die Teilnehmer an der Studie des Innenminsteriums "gecasted" seien, die Salzburger Studie hingegen sei anonymisiert durchgeführt worden. Scharinger bezweifelt auch die Kompetenz des durchführenden Instituts der aktuellen Studie, des Psychologischen Diensts des Innenministeriums. Die Salzburger Studie war von einem unabhängigen Institut durchgeführt worden. Laut Innenministerium sei die aktuelle Studie aber durchaus von den Universitäten in Graz und Innsbruck geprüft worden.
Hierarchische Strukturen
Kritik übt Scharinger auch an den inhaltlichen Ergebnissen: "Die Vorschriftenflut kann wohl nicht der Hauptgrund für Stress unter Polizeibeamten sein." Die Studie des Innenminsteriums legt nahe, dass die Bürokratie ein großer Faktor für Burnout sei. Der Gewerkschafter ortet andere Ursachen: "Die hierarchischen Strukturen sind für viele Polizisten ein großer Stressfaktor." Sie wüssten nie, was sie bei einem Einsatz erwarte, müssten innerhalb von Sekunden entscheiden und hielten ihren Kopf hin. "Sie müssen immer damit rechnen, dass sie vom Vorgesetzten eine auf den Deckel bekommen und haben gleichzeitig diesen Entscheidungsdruck." (Marietta Türk, derStandard.at, 15.7.2011)