Eigentümer gewährt Don Gil Atempause

15. Juli 2011, 18:49
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Die italienischen Eigentümer einigten sich auf eine Millionenspritze für die österreichische Textilkette. Die Banken sind noch skeptisch

Wien - Die Italiener lassen Don Gil kurz Luft holen. Seit Anfang 2010 zehrt der todkranke Modekonzern Mariella Burani an den Kräften ihrer österreichischen Tochter. Burani war mit 480 Mio. Euro Schulden in die Pleite gerutscht, die Justiz ermittelt gegen die Eigentümer wegen betrügerischen Bankrotts.

Ihre miesen Ratings färbten auf Don Gil ab, die um ihre Liquidität und Lieferanten bangt. Ende dieser Woche rangen sich die Italiener, von staatlichen Stellen bis zu Sonderkomissaren, zu einer Kapitalspritze für die Textilkette mit 30 Filialen in Österreich durch.

Noch seien die Banken besorgt, erzählt Thomas Hahn, sie wollten erst detaillierte Businesspläne sehen. Ziehen sie mit, fließe ein einstelliger Millionen-Euro-Betrag an Don Gil. Deadline ist Ende Juli.

Hahn ist Prokurist des Betriebs und seit 1999 mit dabei. Man ha- be in den vergangenen Jahren allen Ballast abgeworfen und unprofitable Läden geschlossen, sagt er. Der Umsatz sei 2010 flächenbereinigt um vier Prozent auf rund 63 Millionen Euro brutto gesunken - was freilich keine Katastrophe sei. Weitere Schließungen brauche es nicht, er könne die Zahl an 370 Mitarbeitern in Österreich halten.

Branchenkenner halten Don Gil durchaus mit ein wenig Antibiotika für heilbar. Mit der Mutter im Hintergrund werde es jedoch in einigen Monaten trotz der geplanten Geldspritze harte Rückfälle geben.

Hahn ist einem Verkauf nicht abgeneigt. "Die jüngsten Angebote entsprachen aber nicht unseren Vorstellungen." Lieber schmücke er mit Investitionen die Braut und bringe sie in zwei bis drei Jahren auf den Markt. Die maroden Töchter in der Schweiz und in Tschechien sind für die Italiener derzeit zweitrangig. Erst einmal seien alle Probleme in Österreich zu lösen.

Don Gil besteht seit 40 Jahren. Gegründet von Adolf Scheiblhofer und Peter Szlatinay, stieg erst Palmers, dann die Familie Burani ein.

Jamal Al-Wazzan, Spezialist für Handelsimmobilien und Schöps-Verwerter, ist weiter an der Übernahme interessiert, wie er sagt, zumal Don Gil "ein funktionierendes Unternehmen ist". 15 bis 20 Filialen würde er weiterführen. "Vorausgesetzt, ich bezahle nicht das Dreifache, was Don Gil wert ist." (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16/17.7.2011)

  • Don Gil betreibt in Österreich mit 370 Mitarbeitern 30 Modefilialen. Die Insolvenz der Mutter Mariella Burani kostete der Textilkette das Vertrauen der Lieferanten und Banken.
    foto: standard/fischer

    Don Gil betreibt in Österreich mit 370 Mitarbeitern 30 Modefilialen. Die Insolvenz der Mutter Mariella Burani kostete der Textilkette das Vertrauen der Lieferanten und Banken.

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