Forscher untersuchen die Wirksamkeit eines Internet-basierenden Selbsthilfeprogramms im Vergleich zur Verhaltenstherapie
Bochum - Angeleitete Selbsthilfe mit Internetunterstützung oder Einzelsitzungen mit Therapeuten: Welche Form der Therapie gegen Essstörungen besser wirkt, untersuchen Forscher der Ruhr-Universität Bochum in einer groß angelegten Studie, die im November 2010 angelaufen ist. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Binge-Eating-Störung, die sich durch unkontrollierbare Essattacken auszeichnet. Für den weiteren Verlauf der Studie sucht die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie StudienteilnehmerInnen.
Kontrollverlust beim Essen
Der Begriff "to binge" kommt aus dem Amerikanischen und heißt übersetzt „sich mit etwas vollstopfen". Hauptmerkmal der Binge-Eating-Störung sind regelmäßige Essanfälle, bei denen die Betroffenen typischerweise große Nahrungsmengen verzehren und dabei das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren. Häufig leiden die Betroffenen auch an Übergewicht oder Adipositas. Die Binge-Eating-Störung gehört zu den am verbreitetsten Essstörungen - geschätzte zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Dieses unkontrollierte Essverhalten tritt bei Frauen und Männern etwa gleich häufig auf, so die Ruhr-Universität in einer Aussendung.
Welche Therapie besser hilft
Die bisherige Standardtherapie ist die kognitive Verhaltenstherapie, die jedoch nicht flächendeckend angeboten wird und oft erst nach einer Wartezeit beginnt. In der deutschlandweit angelegten Studie "Interbed" erforschen Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum die Wirksamkeit eines Internet-basierenden, von Therapeuten unterstützten, Selbsthilfeprogramms im Vergleich zur Verhaltenstherapie. Die Inhalte beider Therapieformen sind ähnlich. Patienten der konventionellen Behandlungsmethode erhalten eine viermonatige Psychotherapie mit insgesamt 20 Einzelsitzungen. Die Internettherapie beinhaltet zwei Gespräche mit einem Therapeuten. Während der Internet-Behandlung stehen die Patienten per E-Mail mit den Therapeuten in Kontakt. (red)
Studienteilnahme
Interessierte mit einem BMI zwischen 27 und 40 können sich unter Tel. 0234/5077-3173
informieren. Die Teilnahme an der Studie ist kostenlos.
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Web: Interbed-Studie