Wegen Kostengründen und Obamas Ziel einer atomwaffenfreien Welt
Tokio - Auch Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges sind taktische Kurzstrecken-Atomsprengköpfe der USA in Europa stationiert. Schätzungen zufolge sollen sich rund 200 Atomwaffen in Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden befinden.
Laut einem Bericht der japanischen Zeitung Asahi Shimbun könnte sich dies nun möglicherweise ändern: Ein mit der nuklearen Abrüstung betrauter US-Beamter berichtete am Freitag von diesbezüglichen Gesprächen zwischen den USA und der Nato. Hinter den Abrüstungsüberlegungen sollen vor allem Kostengründe sowie US-Präsident Barack Obamas Ziel einer atomwaffenfreien Welt stehen. Die USA und die Nato wollen angeblich bis zum Nato-Gipfel im Mai 2012 eine Einigung finden.
Bereits im April 2010 unterzeichneten Obama und der russische Präsident Dmitri Medwedew den neuen Abrüstungsvertrag (Strategic Arms Reduction Treaty). Dieser sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen in Russland und den USA vor. Der Vertrag soll die nächsten zehn Jahre gültig sein und die Einhaltung einer Obergrenze für einsatzbereite Atomwaffen garantieren.
In Deutschland setzte sich im Vorjahr vor allem Außenminister Guido Westerwelle für den Abzug amerikanischer Atomwaffen ein. Der Fliegerhorst Büchel ist der letzte deutsche Standort, an dem bis zu 20 US-Atombomben des Typs B61 gelagert werden. (veh/DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2011)