Untersuchung zeigt: Wälder sind praktisch für die gesamte terrestrische Kohlenstoff-Speicherung verantwortlich
Wien - Der Wald kann offenbar deutlich mehr Kohlendioxid speichern als bisher
angenommen. Weltweit schlucken die Wälder rund 2,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro
Jahr, das entspricht 8,8 Milliarden Tonnen CO2. Zwischen 1990 und 2007 war das in
Summe rund ein Drittel des Kohlenstoffs, der in dieser Zeit durch die Verwendung
fossiler Brennstoffe freigesetzt wurde, wie eine in der neuen Ausgabe des
Wissenschaftsmagazins Science veröffentlichte internationale Studie zeigt.
"Die Wälder sind damit praktisch für die gesamte terrestrische
Kohlenstoff-Speicherung verantwortlich", erklärte einer der Autoren, Anatoly
Shvidenko, vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in
Laxenburg bei Wien. Andere Landschaften und Landnutzungsformen wie
landwirtschaftliche Flächen, Grasland oder Tundra spielen auf globaler Ebene
keine Rolle als CO2-Speicher bzw. seien bestenfalls CO2-neutral, indem sie
ebenso viel Kohlenstoff aufnehmen wie sie abgeben.
Ungenaue Schätzungen
Die bedeutende Rolle der Wälder als globale "Staubsauger" des
klimaschädlichen Treibhausgases CO2 war schon lange klar, die neuen Daten würden
aber deren überragende Bedeutung als terrestrische CO2-Senke belegen, heißt es
seitens des IIASA. Die bisherigen Schätzungen stammten aus 1994 und waren
deutlich ungenauer als die aktuellen Berechnungen, die neueste Daten und
Methoden berücksichtigten, sagte Shvidenko.
Derzeit sind in weltweit knapp vier Milliarden Hektar Wald mehr als 860 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff gespeichert, der Großteil davon (383 Milliarden Tonnen bzw. 44 Prozent) im
Boden und in der lebenden Biomasse (363 Milliarden Tonnen bzw. 42 Prozent).
Die - vom Menschen noch unbeeinflussten - tropischen Regenwälder zeichnen für
die Aufnahme von mehr als einer Milliarde Tonnen Kohlenstoff pro Jahr
verantwortlich. Der boreale Nadelwald in den nördlichen Zonen, primär in Kanada
und Russland, schluckt 500 Millionen Tonnen pro Jahr, während die Wälder in den
gemäßigten Zonen jährlich rund 780 Millionen Tonnen Kohlenstoff speichern.
Positive Wiederaufforstung
Die Studie zeigte auch die gravierenden Effekte der Entwaldung: Durch
Abholzung würden jährlich 2,9 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt. Höher als
erwartet ist dagegen der positive Effekt von Wiederaufforstungen, speziell bei
den tropischen Regenwäldern. "All das illustriert deutlich wie notwendig es ist,
die Abholzung der Regenwälder zu reduzieren und damit die Anreicherung von CO2
in der Atmosphäre zu limitieren", wird der Hauptautor der Studie, Yude Pan, vom
US Forest Service in der IIASA-Aussendung zitiert.
Doch auch in den Wäldern des Nordens lauern Gefahren. Viele dieser Wälder
würden nicht nachhaltig bewirtschaftet und Schätzungen gehen davon aus, dass in
den hohen nördlichen Breiten alleine 500 bis 900 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im
Permafrostboden gespeichert sind, so Shvidenko. Das Auftauen dieser Böden bzw.
mehr Waldbrände durch die Klimaerwärmung könnte große Mengen an Kohlenstoff in
dieser Region freisetzen. (red/APA)