Tragödie von der Satzwurst

14. Juli 2011, 19:57
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Vom Wähler charmierenden TV-Stil ist der ÖVP-Chef noch so weit entfernt wie das BZÖ von einer absoluten Mehrheit

"Was war das denn?", entschlüpfte es Gabi Waldner im "Report". Ihre Frage an jene Führungskraft, die es wissen müsste, zielte auf die Tatsache ab, dass ÖVP-Parlamentarier ihre Parteifreundin redeschwallartig der Möglichkeit beraubten, ihren Antrag auf Textänderung der maskulinen Bundeshymne mündlich einzubringen.

Vizekanzler Spindelegger hätte nicht gleich ankündigen müssen, dass die unkollegialen ÖVPler zur Strafe die um das Wort "Töchter" erweiterte Hymne öffentlich mehrmals absingen würden. Es hätte ausgereicht, das mittlerweile gelöste Töchter-Problem einfach kurz und effektvoll auf den Punkt zu bringen, indem er auf Wortumleitungen verzichtet.

Doch leider: "Ich glaube, was man wirklich aus dieser Diskussion herausnehmen muss, ist: Wenn es irgendwo eine Ahnung davon gibt, dass man vielleicht Frauen nicht für ihre Leistungen wertschätzt, die sie für Österreich erbringen, die sie in diesem Staat auch durchaus zugerechnet bekommen müssen, dann müssen wir dem ein Ende machen. Dann muss man auch einen Schritt setzen, dass diese Wertschätzung stattfindet. Das nehme ich aus der Diskussion mit ..." Der Rest der Antwort bleibe unerwähnt.

Auch so ist klar: Es sind dies TV-Satzwürste, bei denen man das Gefühl hat, pro Wort würden an die 100 Wähler davonlaufen. Sie zeigen: Der oberste Diplomat ist zwar nun schon an die 100 Tage Chef einer Partei mit Kanzleranspruch - vom Wähler charmierenden TV-Stil ist er aber noch so weit entfernt wie das BZÖ von einer absoluten Mehrheit. Die Zeit jedenfalls, sie drängt. Hier hilft nur noch die Finanzministerin, die das Komplexe immerhin erdig zusammenfasst, als strenge Coachin ihres Vorgesetzten. (Ljubiša Tošić/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2011)

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