Anweisungen zur Alarmierung von Behörden in Verdachtsfällen übergangen
Dublin (APA/sda) - Nach der Veröffentlichung eines
Untersuchungsberichts über die Vertuschung von Kindesmissbrauch durch
katholische Priester hat die irische Regierung den Botschafter des
Vatikans einbestellt. Erzbischof Giuseppe Leanza traf am Donnerstag
in Dublin mit Außenminister Eamon Gilmore zusammen. Er sollte
Stellung nehmen zu dem Vorwurf, der Vatikan habe irischen Bischöfen
in einem Schreiben 1997 davon abgeraten, pädophile Priester der
Polizei zu melden.
In dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht stand, dass der
Vatikan Anweisungen der irischen Kirche übergangen habe, in
Verdachtsfällen die Behörden zu alarmieren. Irlands Ministerpräsident
Enda Kenny erklärte, dass der Vatikan Kirchenrecht über das irische
Strafrecht stelle, sei "absolut schändlich".
Das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger
katholischer Macht fügen, erklärte Kenny. Der Regierungschef kündigte
ein Gesetz an, das das Zurückhalten von Beweisen über
Kindesmissbrauch strafbar macht. Das solle selbst für Informationen
gelten, die ein Priester während der Beichte erfährt. Justizminister
Alan Shatter erklärte, kein ausländischer Staat sollte irgendeiner
Organisation in Irland Vorgaben machen, wenn es um den Schutz von
Kindern gehe. Dies gelte vor allem für die katholische Kirche.