Somalia

Afrikahilfe zwischen Demokratie und Nahrung

14. Juli 2011, 18:45
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    foto:dapd/blackwell

    Vor der Dürre geflohene Somalier marschieren über die Hauptstraße von der somalischen Grenze Richtung Dadaab in Kenia. Etwa 1500 Flüchtlinge kommen dort täglich im völlig überfüllten Lager an.

Die Hungerkrise am Horn von Afrika spitzt sich zu – Die Uno sammelt Geld, die Frage seiner Nutzung ist umstritten

Dadaab/Wien - Die Lage im Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab spitzt sich wegen der Dürre in Somalia, Teilen Äthiopiens und Kenias zu. Derzeit befinden sich nach Angaben von Hilfsorganisationen in dem auf 90.000 Personen ausgelegten Lager 370.000 Menschen. Care berichtet von einer Zunahme sexueller Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen.

Täglich treffen rund 1500 neue Flüchtlinge in Dadaab ein, unter ihnen haben Ärzte ohne Grenzen und das Rote Kreuz eine alarmierend hohe Rate schwerer Mangelernährung festgestellt; vor allem Kinder sind betroffen. Nach UN-Angaben benötigen mehr als elf Millionen Menschen Hilfe.

"Namhafte Summe" von Österreich

Österreich hat Soforthilfe gegen die schlimmste Dürre am Horn von Afrika seit 60 Jahren zugesichert - eine "namhafte Summe", wie es am Donnerstag aus dem Außenministerium hieß. Damit kommt man auch dem Aufruf von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nach, der diese Woche die Staatengemeinschaft zu Spenden gedrängt hatte. Umgerechnet 1,1 Milliarden Euro benötige man für Hilfe und Projekte am Horn von Afrika, erhalten habe man bisher nur etwa die Hälfte.

Allerdings: Eine genauere Analyse der Daten zeigt, dass in den vergangenen Jahren durchaus einiges an Geld in die Region geflossen ist. Die Frage ist nur, was damit gemacht wurde.

1,8 Milliarden Euro für Somalia

Beim Entwicklungshilfe-Komitee der OECD sammelt man die Daten über die Spendenflüsse der Industriestaaten. Allein Somalia erhielt demnach in den Jahren 2005 bis 2009 (aus dem die aktuellsten Daten abrufbar sind) insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Schuldennachlässe sind darin inkludiert, private Spenden nicht.

Die Vereinten Nationen verteilten im Vorjahr 287 Millionen Euro Spendengelder in Somalia, stellt Vannina Maestracci aus dem UN-Hauptquartier in New York fest. Der größte Anteil, 183 Millionen Euro, ging in den Bereich "Food Assistance", dem Verteilen von Nahrung. Das Problem dabei: In den Bereich Landwirtschaftsentwicklung wurden lediglich 13 Millionen Dollar investiert.

900.000 Euro für Journalisten

Ähnlich die Situation in der Europäischen Union. 212 Millionen Euro werden zwischen 2008 und 2013 in Somalia investiert, rechnet Catherine Ray von der EU Kommission vor. Laut dem Leistungsbericht von 2010 flossen in den Bereich "Wirtschaftliche Entwicklung und Nahrungsmittelsicherheit" 48 Millionen Euro. Allerdings: Für politische Entwicklung und Sicherheitsagenden wurden 52 Millionen ausgegeben. Darunter beispielsweise knapp 900.000 Euro für zwei Projekte für Journalistenausbildung, fünf Millionen bekam das "Somali Constitution Making Support Project."

Für Franz Küberl, Direktor der Caritas Österreich, ein Ungleichgewicht. "Natürlich ist demokratiepolitische Entwicklung wichtig, dass soll man nicht gegeneinander ausspielen. Aber die dort vorherrschende kleinteilige Landwirtschaft wird viel zu wenig gefördert." Man plane zu gerne am grünen Tisch und nicht mit den Betroffenen, kritisiert er.

Es gäbe Projekte, auch seiner Organisation, die nachhaltig für die Ernährungssicherheit sorgen. Ohne diese wäre die Situation noch viel schlimmer. Aber die Strategie der Uno sei "vorsichtig ausgedrückt noch ausbaufähig". (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2011)

R.M. S.
01
15.7.2011, 12:24

"Darunter beispielsweise knapp 900.000 Euro für zwei Projekte für Journalistenausbildung, fünf Millionen bekam das "Somali Constitution Making Support Project." "

Diese knapp 5,9Mio hätten währen doch besser in Brunnenbau und Nachhaltige Landwirtschft investiert als in eine Publizistik oder Jus ausbildung.
So wichtig die Juristerei ist, mann kann es weder Essen nocht kann man es Trinken - das sind die Probleme die die menschen haben, und nicht der niveau der Zeitungsberichte.

refe1
01
15.7.2011, 11:54

fr merkel war in afrika und übergab dem präsidenten einen scheck für die flüchtlinge. sie wäre besser beraten, hätte sie anstatt scheck, lieferungen von lebensmittel mitgebracht für die hungerten, wohin fliesst der der scheck, nur an die oberen

QUMI
03
15.7.2011, 11:30

Ist man denn nach all den Jahren nicht klüger geworden?

- Spenden helfen nur den Hilfsorganisationen und deren Mitarbeiter = Profitorientierte Unternehmen; deren Kostendeckung an 1. Stelle steht und unmengen an Geld für Admin hinausgeworfen werden (jeder der was anderes behauptet sollte sich genau erkundigen
- Die Leute in Afrika (ich kenne einige die dort beschäftigt sind und die Umstände kennen), haben durch die langjährige "Hilfe" NIE gelernt zu Arbeiten, oder sich selbst zu versorgen - es wurde Ihnen ja immer alles geschenkt.

Hilfe JA, aber die Form ist ein kompletter Schwachsinn!!!!!

pAraBol
04
15.7.2011, 07:29

Seit 45 Jahren wird in Oesterreich fuer Afrika gespendet und es hat sich nichts verbessert.

Nach dem naechsten Regen gehen die Ueberlebenden nach Hause, haben nichts dazugelernt und warten auf neue Katastrophen.

Pierre d´Aubusson
01
14.7.2011, 22:58

Ach ja, warum ich überhaupt zu dem Artikel gekommen bin: Das Büldl, auf Bildschirmgröße gebracht, is a Hammer. Gratulation dem Grafen Photo!

parapente
05
14.7.2011, 19:22
Hunger und Überbevölkerung

in Afrika.

Ist das was Neues??

meluckybstrd
11
15.7.2011, 09:03

Die sind in dieser Gegend schon vor tausenden von Jahren verdurstet. Manchmal bleibt dort der Regen aus. Das ist dort fatal, weil keine Reserven und Speicher vorhanden sind.

< silence >
11
18.7.2011, 18:56
Korrektur

Weil keine Speicher und Reserven ANGELEGT werden und Geburtenkontrolle ein Fremdwort ist.

Pierre d´Aubusson
14
14.7.2011, 22:53

Psst! Wollns unanagenehm auffallen?

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