Während die rote Politprominenz zum Begräbnis anrückt, fordern Monarchisten ein Ende des "republikanischen Interregnums"
Wien - Bundespräsident, Verteidigungsminister, Wiener Bürgermeister: Beim Begräbnis des Kaisersohnes am Samstag sind nicht nur Habsburger, befreundete Adelige und tausende Schaulustige dabei, sondern auch jede Menge rote Politprominenz.
Dabei hatten die Sozialdemokraten lange Zeit ein gespanntes Verhältnis zum ehemaligen Herrscherhaus. In den Sechzigern lieferten sie einander jahrelang erbitterte Kämpfe mit der ÖVP bezüglich der Habsburgergesetze, die Abschaffung des Habsburgerparagrafen im Bundespräsidenten-Wahlrecht erfolgte erst kurz vor Otto Habsburgs Tod. Dass die Republik dem ehemaligen Thronfolger nun ein imperiales Begräbnis samt Ring-Sperre und Salutschüssen am Heldenplatz bereitet, regt bei der Kanzlerpartei allerdings kaum mehr jemanden auf. "Ich habe ein einziges Mail dazu bekommen", sagt Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter, "bei der Änderung des Wahlrechts haben sich wesentlich mehr Parteikollegen kritisch geäußert." Am Samstag gehe es vor allem um Nostalgie.
Ähnlich pragmatisch sieht man das royale Großereignis, über dessen Kosten sich alle Beteiligten ausschweigen, im Rathaus: "Das ist eine sehr gute Werbung für Wien", sagt Martin Ritzmaier, Sprecher von Bürgermeister Michael Häupl. Mit Sisi und Co lassen sich auch rote Politiker gern in Verbindung bringen: "Bei diesem Begräbnis geht es eindeutig um kulturelle Reminiszenzen. Politik spielt dabei keine Rolle", sagt Politologe Peter Filzmaier. Nicht teilzunehmen wäre nur dann ein Symbol, wenn eine große Zahl Monarchisten zu erwarten wäre. "So fehlt es aber am Reibebaum."
Comeback der Habsburger
Dass eine Partei, die eine Wiedereinführung der Monarchie fordert, in Österreich auch nur in die Nähe der Macht kommen könnte, ist freilich auszuschließen. 2008 bekam die Schwarz-Gelbe Allianz (SGA) im Vorfeld der Nationalratswahlen nicht einmal die für eine Kandidatur notwendigen 2600 Unterstützungserklärungen zusammen. Unter dem Titel "Dinge, die Ihnen die republikanischen Medien vorenthalten" beschreibt die SGA auf ihrer Web-site ihre zentrale Forderung: eine Volksabstimmung zur "Staatsreform" - sprich: Abschaffung der Republik. Ein Monarch solle Volksabstimmungen anordnen und direkt Mandatare gemäß des Nichtwähleranteils bei Wahlen entsenden können. Wer nach dem "beinahe hundertjährigen republikanischen Interregnum" an der Spitze der Monarchie (zu der neben Österreich auch Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien und Slowenien zählen sollen) stehen soll, ist für die SGA sonnenklar: ein Habsburger. Wobei es auch eine Frau sein dürfte, da ist man bei den Monarchisten nicht so.
Karl Habsburg selbst trat mit der Christlich-Sozialen Allianz bei der Nationalratswahl 1999 an, erhielt aber gerade einmal 1,5 Prozent. Zuvor war er von 1996 bis 1999 ÖVP-Abgeordneter im Europaparlament. Ein politisches Comeback schloss Karl Habsburg am Rande der Trauerfeiern für seinen Vater nicht aus: "Das Kapitel ist für mich sicher nicht abgeschlossen." Das Ende seiner bisherigen politischen Karriere hatte ein Spendenskandal markiert, bei dem Spenden an World Vision von einem Vertrauten Habsburgs in dessen Wahlkampf-Topf umgeleitet wurden. Erst 2004 refundierte Habsburg der Hilfsorganisation fast 40.000 Euro.
Dass die frühere Herrscherfamilie mit dem Begräbnistrubel am Samstag wieder in die Nähe zur heimischen Politik rückt, regte am Donnerstag nur Sonja Grusch, Bundessprecherin der Sozialistischen LinksPartei (SLP), auf. Otto Habsburg sei ein "Freund faschistischer Diktatoren" und "Aktivist in einem ultrakonservativen bis rechts-außen Netzwerk gewesen", sein Begräbnis werde nun "mit Unterstützung der Vertreter der Republik Österreich zu einer Machtdemonstration konservativer und reaktionärer Kräfte". Die SLP ruft daher zur Gegendemo auf, der Ort wird heute, Freitag, festgelegt. (Martina Stemmer, Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2011)