Auch die SPÖ macht bei Habsburg-Nostalgie mit

14. Juli 2011, 17:58
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    foto: standard/fischer

    Der Leichnam von Otto Habsburg und der seiner Gemahlin Regina sind seit Donnerstag in Wien aufgebahrt. In der Kapuzinerkirche am Neuen Markt in Wien werden Totenwache und Gebete nach jüdischer, islamischer und christlicher Tradition abgehalten.

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    Davor laufen die Vorbereitungen für die Videoübertragung. Für das Begräbnis des ältesten Sohnes des letzten österreichischen Kaisers am Samstag wird die City großräumig abgesperrt.

Während die rote Politprominenz zum Begräbnis anrückt, fordern Monarchisten ein Ende des "republikanischen Interregnums"

Wien - Bundespräsident, Verteidigungsminister, Wiener Bürgermeister: Beim Begräbnis des Kaisersohnes am Samstag sind nicht nur Habsburger, befreundete Adelige und tausende Schaulustige dabei, sondern auch jede Menge rote Politprominenz.

Dabei hatten die Sozialdemokraten lange Zeit ein gespanntes Verhältnis zum ehemaligen Herrscherhaus. In den Sechzigern lieferten sie einander jahrelang erbitterte Kämpfe mit der ÖVP bezüglich der Habsburgergesetze, die Abschaffung des Habsburgerparagrafen im Bundespräsidenten-Wahlrecht erfolgte erst kurz vor Otto Habsburgs Tod. Dass die Republik dem ehemaligen Thronfolger nun ein imperiales Begräbnis samt Ring-Sperre und Salutschüssen am Heldenplatz bereitet, regt bei der Kanzlerpartei allerdings kaum mehr jemanden auf. "Ich habe ein einziges Mail dazu bekommen", sagt Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter, "bei der Änderung des Wahlrechts haben sich wesentlich mehr Parteikollegen kritisch geäußert." Am Samstag gehe es vor allem um Nostalgie.

Ähnlich pragmatisch sieht man das royale Großereignis, über dessen Kosten sich alle Beteiligten ausschweigen, im Rathaus: "Das ist eine sehr gute Werbung für Wien", sagt Martin Ritzmaier, Sprecher von Bürgermeister Michael Häupl. Mit Sisi und Co lassen sich auch rote Politiker gern in Verbindung bringen: "Bei diesem Begräbnis geht es eindeutig um kulturelle Reminiszenzen. Politik spielt dabei keine Rolle", sagt Politologe Peter Filzmaier. Nicht teilzunehmen wäre nur dann ein Symbol, wenn eine große Zahl Monarchisten zu erwarten wäre. "So fehlt es aber am Reibebaum."

Comeback der Habsburger

Dass eine Partei, die eine Wiedereinführung der Monarchie fordert, in Österreich auch nur in die Nähe der Macht kommen könnte, ist freilich auszuschließen. 2008 bekam die Schwarz-Gelbe Allianz (SGA) im Vorfeld der Nationalratswahlen nicht einmal die für eine Kandidatur notwendigen 2600 Unterstützungserklärungen zusammen. Unter dem Titel "Dinge, die Ihnen die republikanischen Medien vorenthalten" beschreibt die SGA auf ihrer Web-site ihre zentrale Forderung: eine Volksabstimmung zur "Staatsreform" - sprich: Abschaffung der Republik. Ein Monarch solle Volksabstimmungen anordnen und direkt Mandatare gemäß des Nichtwähleranteils bei Wahlen entsenden können. Wer nach dem "beinahe hundertjährigen republikanischen Interregnum" an der Spitze der Monarchie (zu der neben Österreich auch Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien und Slowenien zählen sollen) stehen soll, ist für die SGA sonnenklar: ein Habsburger. Wobei es auch eine Frau sein dürfte, da ist man bei den Monarchisten nicht so.

Karl Habsburg selbst trat mit der Christlich-Sozialen Allianz bei der Nationalratswahl 1999 an, erhielt aber gerade einmal 1,5 Prozent. Zuvor war er von 1996 bis 1999 ÖVP-Abgeordneter im Europaparlament. Ein politisches Comeback schloss Karl Habsburg am Rande der Trauerfeiern für seinen Vater nicht aus: "Das Kapitel ist für mich sicher nicht abgeschlossen." Das Ende seiner bisherigen politischen Karriere hatte ein Spendenskandal markiert, bei dem Spenden an World Vision von einem Vertrauten Habsburgs in dessen Wahlkampf-Topf umgeleitet wurden. Erst 2004 refundierte Habsburg der Hilfsorganisation fast 40.000 Euro.

Dass die frühere Herrscherfamilie mit dem Begräbnistrubel am Samstag wieder in die Nähe zur heimischen Politik rückt, regte am Donnerstag nur Sonja Grusch, Bundessprecherin der Sozialistischen LinksPartei (SLP), auf. Otto Habsburg sei ein "Freund faschistischer Diktatoren" und "Aktivist in einem ultrakonservativen bis rechts-außen Netzwerk gewesen", sein Begräbnis werde nun "mit Unterstützung der Vertreter der Republik Österreich zu einer Machtdemonstration konservativer und reaktionärer Kräfte". Die SLP ruft daher zur Gegendemo auf, der Ort wird heute, Freitag, festgelegt. (Martina Stemmer, Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2011)

Kommentar posten
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Ghair-i Ischtiraki
00
17.7.2011, 14:44

So fordere auch ich das Ende dieses unseligen republikanischen Interregni.

Karl-Napp-mit-der-Batschkapp
01
17.7.2011, 11:02
Psst, liebe Mitposter,

ich hab' grad vom Rauscher eine Antwort-Mail gekriegt, daß es sich beim Begräbnis vom Otto um ein hochpolitisches Ereignis handelt und die Berichterstattung auf Seite 2 und 3 der Samstagausgabe des Standard deshalb voll und ganz gerechtfertigt sei. Und daß wir lieber die Finanzprobleme von Griechenland lösen sollen statt uns über die Speichelleckerei des Standard aufzuregen. Echt.

http://mittelschicht.info
12
17.7.2011, 10:46

Die SLP hat recht. Typisch für Österreich, dass fast alle das Gegenteil sagen. Ein Land der Untertanengeister eben.

Gerhard Schwarz6
 
26
17.7.2011, 02:19

Am 15.Juli 2011 machten sich die Repräsentanten der Republik der monarchistischen Verniedlichung schuldig.

teflon
 
02
17.7.2011, 16:35

Es war der 16.Juli 2011 - aber sonst völlig richtig.

slobodan covjek
12
16.7.2011, 19:18
damn...

Vor kurzem erst die Kinderbeihilfe gekürzt. Jetzt geben die roten und schwarzen Zwerge unser Geld für ein Begräbnisspektakel aus.
Wenn für die Kinder kein Geld mehr da ist, dann darf man für so etwas keinen einzigen Cent ausgeben.

Walter J. Ferstl
13
16.7.2011, 17:19
Kommentar Bruno Kreisky:

"Dass mir dann halt keiner kommt und die SPÖ des Jahres 2011 noch als fortschrittliche, linke Partei bezeichnet, ja?

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss mich hier in dieser engen Kiste doch noch ein paar Mal umdrehen, ... (grummel, grummel)..."

nosferatus3
18
16.7.2011, 16:54
dies läutet das ende der zweiten republik ein

mehr kann man die demokratie nicht mit den füssen treten.

Gerhard Schwarz6
 
36
16.7.2011, 16:47

Heinz Fischer ! Werner Faymann !
"Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land---"
Und Ihr steht feierlich daneben !
Ekelerregend ! Schändlich ! Zum Kotzen !

Leo Laokoon
01
16.7.2011, 19:47

na ja unsere gegenderte hymne wird unsingbar, weichen wir halt aus auf die alte kaiserhymne. schöner ist sie sowieso!

nosferatus3
05
16.7.2011, 16:39
ich glaube ich bin im falschen film

oder in einem albtraum. was sollen diese monarchistischen umtriebe eines fischer, feymann, vom spindelegger erwarte ich mir eh nichts anderes, und der schönborn soll sich mit seiner kirche nur mehr den spirituellen dingen widmen.
das geht nicht gegen den verstorbenen otto habsburg sondern gegen jene, die glauben aus einer populistischen heuchelei kapital schlagen zu können.

ira2
 
04
16.7.2011, 13:22

Die Verbrechen der Habsburger von der Gegenreformation über die blutgetränkte Niederschlagung der 1848er-Revolution bis zum Völkermord im 1. Weltkrieg harren noch der Aufarbeitung. Otto Habsburg war persönlich nicht dran beteiligt, aber ein Exponent und eine Galionsfigur der monarchistischen Wiederbetätigung.

Leo Laokoon
00
18.7.2011, 08:13
Aufarbeitung?

Darf ich fragen was Sie darunter verstehen?

Walter J. Ferstl
01
17.7.2011, 09:01
Material zum 1. Weltkrieg z.B.:

(Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes)

Hans Hautmann:
Die Verbrechen der österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg und ihre Nicht-Bewältigung nach 1918
Referat auf der 23. Jahrestagung der amerikanischen "German Studies Association" in Atlanta (7.-10. 10. 1999)

http://www.doew.at/thema/the... tmann.html

ira2
 
16
16.7.2011, 13:18
Guter Anlass

zur Verschiebung des österreichischen Nationalfeiertages auf den 12.November: Tag der Errichtung der Republik am 12. November 1918 und Beendigung der Herrschaft des Habsburg-Räuberclans.

the photographer
04
16.7.2011, 09:10
Lieber Peter Turrini!

Hab erbarmen mit uns Verblendeten, die nicht merken, dass auch dieses Staatswesen kurz vor der Grablegung steht und die lieber einer schönen Leich folgen wollen als die bittere Realität wahrzunehmen! Schreib ein Stück über die schöne Leich! (panem et circenses)
Lies den verblödeten "Herz-Habsburg-Sozialisten" die Leviten!
Zeig unserem teuersten Unterschriftengenerator wieder den rechten Weg!
Ich weiß, das ist viel verlangt!

Victor Klemperer
02
16.7.2011, 08:25
Habsburgmanie

Eine Familie - zugegeben ein altes Adelsgeschlecht - verliert ihren Urgroßvater, Opa, Vater usw. Der Tod des Alten wird zelebriert, die Republik, die Glaubensgemeinschaften, besonders die katholische Kirche, die Medien wie auch die Politiker aller Parteien geraten in die Gefühlsinkontinenz und würden Windeln benötigen, um den ärgsten Ausfluss an Gefühlen zu stoppen.
Kaum ein Kommentator erinnert an die unzähligen Verbrechen an der Menschheit, die dieses Adelsgeschlecht über Jahrhunderte zu verantworten hat. Natürlich hat Otto an diesen Gräuel keine persönliche Schuld auf sich geladen. Aber der vorgesehene Begräbnisritus soll uns an die Monarchie und an Gottes Gnadentum erinnern. Eine Penetranz sondergleichen und unsere Politiker machen mit.

salzmen1
00
15.7.2011, 22:24
SPÖ NOSTALGIE mit SCHEIN...........

Sitacui
04
15.7.2011, 21:33

In Österreich war die Republik von Beginn an nur die Krücke für einen Amputierten. Freiwillig hätten wir unsere Monarchie nie aufgegeben. Und die Hymne war auch schöner.

Swinging on a star
210
15.7.2011, 21:04
Kann bitte jemand die roten Kampfkommunikatoren zurückpfeiffen?

Die offensichtliche Unfähigkeit ist nur mehr erbärmlich...

Danke.

el gomero
32
15.7.2011, 20:22
Hat die "Sozialistische Linkspartei" demonstriert, als Schüssel in München bei der CSU-Habsburgfeier auftrat?

Oder ist der österreichische Ex-Kanzler nach Meinung dieser Polit-Sekte sakrosankt, weil er ja von der ÖVP kommt und eine Koalition mit der FPÖ gemacht hat?

Mir ist jedenfalls von einer solchen Demo nichts zu Ohren gekommen.

Liebe SLP - ich glaube ihr seid ein bisschen scheinheilig.

Walter J. Ferstl
00
17.7.2011, 20:32
"mit Unterstützung der Vertreter der Republik Österreich"

Diese Formulierung verstehe ich so, dass die SLP nicht "nur" gegen die aktive Unterstützung des reaktionären Spektakels durch SP-Politiker demonstriert hat, falls es das ist, was Sie bekümmert.

Es waren höchstrangige Vertreter beider Regierungsparteien in Stephansdom anwesend (ob auch noch Politiker anderer Parteien, weiß ich nicht).

All denen gilt der Protest der SLP, nehme ich an, die Kritik erfolgt zu recht.

Eine kritische Wortmeldung von einer der Oppositionsparteien im Nationalrat zu dem würdelosen Schauspiel der Spitzenpolitiker der Republik habe ich bisher noch nicht gehört. Sollte da noch etwas nachkommen, kommt's jedenfalls sehr spät.

el gomero
00
15.7.2011, 20:19
Hat die W"

01052004
44
15.7.2011, 20:15
"Am Samstag gehe es vor allem um Nostalgie."

no dann...

hauptsache teuer und pomp...in zeiten wie diesen...

und wehe, wehe, die roten granden beugen nicht haupt und knie vor der guten alten monarchie...als die frauen ihre kinder noch am ziegelofen am wienerberg gekriegt haben, in erdhöhlen gehaust und ein greiser tattergreis mit ebensolchen beratern die welt an ein bitteres ende geführt hat...

M Help
42
15.7.2011, 20:11
Habsburg und die ÖVP

Karl Habsburg saß von 1996 bis 1999 für die ÖVP im EU-Parlament, dann stolperte er über den "World Vision"-Spendenskandal.

Das ist natürlich kaum der Rede wert, im Vergleich dazu, dass der Kanzler und der Bundespräsident 2011 auf das Begräbnis von Otto Habsburg gehen. Das ist natürlich der wahre Skandal!

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