"Nicht organisierbare Augenblicke erzeugen"

14. Juli 2011, 17:54
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Carl Djerassi ist am Freitag Eröffnungsredner der Festwochen Gmunden - Der Schwerpunkt ist Josef Winkler gewidmet

Gmunden/Wien - Sommerfrische und Kultur sind in Österreich eine gedeihliche Kombination. Menschen suchen, selbst im Urlaub, "nach Auseinandersetzung und neuen Impulsen", so Jutta Skokan. Seit 1999 leitet die Kulturmanagerin die Salzkammergut-Festwochen Gmunden. Und was gibt es Schöneres als die Traunseeregion, wenn es nicht regnet.

Vor 25 Jahren wurde die bereits im 19. Jahrhundert durch den Bau des Stadttheaters Gmunden grundgelegte Festival-Idee von den beiden Opernsängern Johannes Jokel und Alfred Werner erneut aufgegriffen. Aber erst mit Jutta Skokan als Intendantin und einem gut ausgewählten Kuratorenstab (darunter Martin Haselböck und Franz Schuh) haben es die Salzkammergut-Festwochen zu überregionaler Bedeutung gebracht. Jeweils drei Sommermonate lang, von Juli bis September, breitet sich das Festival auf über zwanzig Spielstätten zwischen Gmunden, Ebensee, Traunkirchen und Bad Ischl aus. Die dabei durchquerte Landschaft ist ebenso Programm.

Auch wenn klingende Namen als Zugpferde dienen - Christoph Ransmayr, Sunnyi Melles, Dorothee Hartinger, Erwin Steinhauer oder der diesjährige Eröffnungsredner Carl Djerassi -, so sind die Salzkammergut-Festwochen kein reines Abspielprogramm. "Das wäre zu fad", so Skokan im Standard-Gespräch. "Es ist mir wichtig, dass hier gemeinsam mit den Künstlern Neues entsteht. Wir geben dafür Impulse." Beispielsweise ist Josef Winkler ein viertägiger Schwerpunkt gewidmet, im Zuge dessen neben fleißigem Vorlesen des Autors (mehrmals täglich) erstmals dessen Notizbücher aus dem Vorlass ausgestellt sind.

Darf man im Sommerfrische-Kontekt "Kulturgenuss" wörtlich nehmen? Dazu Skokan: "Wir versuchen, den nicht verfügbaren, nicht organisierbaren Augenblick herzustellen, dieser ist aufwandsunabhängig, weil eben nicht berechenbar; das verstehe ich unter ,Genuss'."

Die Festwochen wollen auch "belehren". Es geht, so Skokan, "nicht nur darum, Kunst zu konsumieren, sondern sich zu vertiefen." Auch die im Zusammenhang mit Kunst selten ausgesprochene Wissensvermittlung hat in Gmunden einen nicht verhehlten Stellenwert, das Programm ist gut kontextualisiert. Beim Philosophicum (19. 8.) wird heuer im Klostersaal Traunkirchen, angeregt von Robert Pfaller, Lutz Ellrich oder Anton Zeilinger, über Göttliche und Kardinalstugenden nachgedacht.  (Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2011)

Eröffnung mit Carl Djerassi sowie einem Konzert mit Dennis Russell Davies, Theater Gmunden, 19.30

  • Jutta Skokan leitet seit 1999 die Festwochen Gmunden.
    foto: gigler

    Jutta Skokan leitet seit 1999 die Festwochen Gmunden.

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