Enel-Boss Fulvio Conti

"Kein Rückschlag für AKW-Expansion im Ausland"

Interview | Thesy Kness-Bastaroli, 14. Juli 2011, 17:51

Angesichts des Ausstiegs Italiens aus der Atomenergie hat Enel die Strategie geändert

Standard: Welche Konsequenzen hatte der Ausstieg Italiens aus dem Atomenergiesektor auf die Strategie Ihres Konzerns Enel?

Conti: Wir haben sofort nach dem Ausgang der Volksabstimmung Mitte Juni sämtliche Atomenergiepläne im Inland gestoppt. Nun versuchen wir den Produktionsmix zu ändern, um die mit 60 Prozent zu große Abhängigkeit von Erdgas zu verringern. Wir sind dabei, unsere Position bei Kohlekraftwerken wie auch bei erneuerbaren Energien zu festigen.

Standard: Werden Sie die Atomenergie auch im Ausland zurückfahren?

Conti: Offensichtlich nicht. Unsere Expansionspläne im Ausland haben keinen Rückschlag erlitten. In Spanien verfügt Enel über rund 5.500 Megawatt, in der Slowakei werden die Kapazitäten der Zentrale von Mochovce auf 1.100 Megawatt verdoppelt, und in Frankreich kooperieren wir mit EDF in Flamanville. Auch sind wir bei den Sicherheits-Stresstests engagiert.

Standard: Stößt der Bau von Kohlekraftwerken nicht auf den Protest der Umweltschützer?

Conti: Die aus Kohle gewonnene Energie hat im EU-Raum einen Anteil von 30 Prozent an der gesamten Stromproduktion. In Italien macht dieser Anteil nur 13 Prozent aus. Wir können nur an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen und die Preise verringern, wenn wir den Produktionsmix verbessern. Wir sind dabei, veraltete, mit Erdöl betriebene Kraftwerke in hocheffiziente Kohlekraftwerke umzubauen. Unser größtes Projekt ist derzeit in Porto Tolle (Rovigo), wo der Umbau in ein "sauberes Kohlekraftwerk" ähnlich wie in Civitavecchia (bei Rom) erfolgen soll.

Standard: Sie wollen auch die Abhängigkeit von den wichtigsten Erdgaslieferanten, etwa von Russland, verringern?

Conti: Wir planen ein Flüssiggaswerk in Sizilien, um die Abhängigkeit vom russischen Erdgas zu reduzieren. Mit einer Kapazität von acht Milliarden Kubikmeter im Jahr würde das Flüssiggaswerk zehn Prozent des italienischen Gasbedarfs decken. Ich hoffe, dass die letzten bürokratischen Hindernisse für den Bau der Anlage in Porto Empedocle (Agrigent) in den nächsten Tagen gelöst werden.

Standard: Hat sich der Zickzackkurs der Regierung bei den Fördermaßnahmen für die erneuerbaren Energien auf Ihre Strategie ausgewirkt?

Conti: Unsere Tochtergesellschaft Enel Green Power plant bis 2015 Investitionen von rund zwei Milliarden Euro für erneuerbare Energien in Italien. Der Zick-Zack-Kurs hat uns nicht beunruhigt. Wie vorauszusehen war, sind die angekündigten Kürzungen der Fördermaßnahmen von 30 Prozent für Fotovoltaik-Projekte im Regierungsdekret nicht enthalten. Wir konzentrieren uns keineswegs auf "Förderprojekte", sondern auf die Effizienz der einzelnen Projekte. Ich bin für einen gezielten, auf die einzelnen Technologien zugeschnittenen Abbau der Fördermaßnahmen.

Standard: Italien hat in den letzten Jahren stark bei erneuerbaren Energien aufgeholt. Ist die Sparte bereits gesättigt?

Conti: Ich bin überzeugt, dass am italienischen Mittelmeer noch ein großer Spielraum für weitere Erneuerbare-Energie-Werke ist. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.7.2011)

Fulvio Conti  (64) ist seit 2008 Chef des Enel-Konzerns. Er war ein Verfechter der Atomenergie, hat nun aber eine neue

Heavyweather
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14.7.2011, 23:01

Kohle einfach als nächstes per Volksbefragung verbieten...

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