Delegation reist nach Berlin - Rechnung für Autobahnbau seit mehr als 20 Jahren offen
Bangkok/München - Der thailändische
Außenminister reist eigens nach Deutschland, um ein gepfändetes
Flugzeug von Kronprinz Vajiralongkorn freizubekommen. Kasit
Piromya kündigte am Donnerstag an, mit einer Delegation von
Diplomaten und Juristen nach Berlin zu fliegen, um "einen großen
Fehler" der Bundesregierung zu korrigieren. Ein Sprecher des
Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, der thailändische Minister
werde für Freitagabend zu Gesprächen im Ministerium erwartet. Da
sich Außenminister Guido Westerwelle auf einer Reise in
Lateinamerika befinde, werde die thailändische Delegation von
Staatssekretärin Cornelia Pieper empfangen.
Ein
Gerichtsvollzieher hatte am Dienstag in München einen
Justizbeschluss vollstreckt und eine Maschine der Royal Thai
Airforce auf Antrag des Insolvenzverwalters der einstigen
Walter-Bau gepfändet. Damit will der Wirtschaftsprüfer Werner
Schneider Schulden des thailändischen Staats über 30 Millionen
Euro eintreiben. Eine Rechnung für eine Autobahn sei seit mehr
als 20 Jahren offen.
Die thailändische Regierung hat erbost auf
den Schritt der
deutschen Justiz reagiert. Die Maschine gehöre Kronprinz
Vajiralongkorn und nicht dem Staat. "Wir möchten klarstellen,
dass diese Sache nichts mit dem Kronprinzen zu tun hat. Dieser
Irrtum beruht offensichtlich auf Fehlinformationen des deutschen
Justizsystems durch den Kläger." Während Schneider sich auf die
Urteile deutscher Gerichte und eines internationalen
Schiedsgerichts beruft, machen die Thailänder geltend, der
Rechtsweg sei in dem Streit noch nicht ausgeschöpft.
Außenminister Kasit kritisierte, die Deutschen hätten ein
Pfandsiegel auf die Boeing geklebt, ohne vorher eine Gelegenheit
zur Stellungnahme zu geben. Insolvenzverwalter Schneider blieb
unterdessen hart. Die Situation sei unverändert, sagte eine
Sprecherin. "Wir warten auf die Überweisung." (Reuters)