Kommunale Drahtesel-Offensive

14. Juli 2011, 18:59
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Bures und Vassilakou präsentierten Leitfaden - Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht

Wien - Jede zweite Autofahrt in Wien ist nicht länger als fünf Kilometer. Für die Wiener Verkehrs- und Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) gibt es daher ein großes Potenzial, diese kurzen Autofahrten durch das Rad zu ersetzen.

Um ein Umdenken in Gang zu bringen, präsentierte sie am Donnerstag gemeinsam mit Verkehrsministerin Doris Bures (SP) einen Leitfaden zum Ausbau des Radverkehrs. In den 95 Vorschlägen ist für die Gemeinden der finanzielle und administrative Aufwand angeführt. "Effektive Radförderung muss nicht kostenintensiv sein", sagte Bures. So könnten mit einem Budget von 50.000 Euro etwa 6,5 Kilometer Fahrradstreifen markiert, 50 überdachte und beleuchtete Abstellplätze errichtet oder 300 Meter an Radwegen gebaut werden.

Neues Radler-Gesetz

Laut Vassilakou könnten diese in Wien allerdings ohnehin nicht ausreichend realisiert werden. Sie plädiert daher für eine "sinnvolle Entflechtung" der bestehenden Regelungen, etwa mit der Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht. Stattdessen sollen mehr Fahrradstreifen entstehen. Bures bestätigte Gespräche hierzu mit dem Koalitionspartner ÖVP. Eine gesetzliche Neuregelung soll in absehbarer Zeit verankert werden, stellte die Infrastrukturministerin in Aussicht.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte den Vorstoß, der das Radfahren "sicherer und attraktiver" mache. Ohnehin hätten die Österreicher einiges aufzuholen, denn in Dänemark und den Niederlanden wird pro Person rund fünfmal so viel in die Pedale getreten. Der VCÖ schlägt eine bundesweite Radverkehrsoffensive nach dem Vorbild Vorarlbergs vor, das zum sechsten Mal in Folge zum "radfahrfreundlichsten Bundesland" gekürt wurde. Rund 300.000 Tonnen an CO2-Emissionen des Verkehrs sollen damit eingedämmt werden können. VCÖ-Experte Martin Blum: "In Bregenz werden 19 Prozent der Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren. Das ist um ein Vielfaches mehr als das etwa in Wien der Fall ist." Besonders das Tempolimit 30, verkehrsberuhigte Zonen und die Öffnung von Einbahnen würden dazu beitragen, öfter das Auto gegen das Rad einzutauschen.

In Graz wurde der Radverkehr bereits vielfach in den normalen Verkehr integriert, die steirische Stadt wurde auch zur Radhauptstadt 2011 vor Salzburg und Bregenz gewählt. Im Jahr 2009 wurden in Österreich 1,9 Milliarden Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt. Um diese Zahl zu steigern, stellt das Ministerium einen mit 1,9 Millionen Euro dotierten Fonds zur Verfügung. (ifb, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2011)

  • Dass die Exekutive bei Geschwindigkeitsmessungen auf Parkmöglichkeiten abseits von Radwegen ausweicht – anders als hier am Wiener Gürtel –, wäre ein weiterer möglicher Verbesserungspunkt.
    foto: derstandard.at-einsendung

    Dass die Exekutive bei Geschwindigkeitsmessungen auf Parkmöglichkeiten abseits von Radwegen ausweicht – anders als hier am Wiener Gürtel –, wäre ein weiterer möglicher Verbesserungspunkt.

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