OECD-Detailstudie: In Ländern mit Sonderschulen und vielen Klassenwiederholungen gibt es höhere Leistungsunterschiede
Wien - Je höher der Anteil an Klassenwiederholungen in einem Land ist, desto stärker ist der Einfluss des sozioökonomischen Hintergrunds auf die Leistungsfähigkeit der Schüler und umso schlechter ist die Gesamtleistung der 15-Jährigen bei der OECD-Vergleichsstudie PISA. Auch wenn Schüler aufgrund schlechter Leistungen, Verhaltensproblemen oder spezieller Bedürfnisse in eigenen Schulen wie den Sonderschulen in Österreich unterrichtet werden, wirkt sich das negativ auf die PISA-Ergebnisse aus. Das zeigt "PISA im Fokus", eine Detailanalyse, die von der OECD veröffentlicht wurde.
Keine besseren Leistungen
"Die Quintessenz: Manche Methoden, bei denen Schüler nach Leistungspotenzial, Interessen oder Verhalten unterteilt werden, wie Klassenwiederholungen oder das Überführen von Schülern in andere Schulen, können dem Schulsystem teuer kommen und sind generell nicht mit besserer Leistung oder gleichberechtigten Lernmöglichkeiten verbunden", heißt es in der Studie.
Leistungsunterschiede durch Sonderschule
Rund 15 Prozent der Leistungsunterschiede bei PISA können demnach auf die Unterschiede bei der Häufigkeit von Klassenwiederholungen zurückgeführt werden. Außerdem hat in diesen Ländern der soziale Hintergrund, unabhängig vom Wohlstand des Landes, mehr Einfluss auf Leistungsunterschiede. Werden schwache oder schwierige Schüler in eigenen Schulformen unterrichtet, erklärt dies laut der Analyse sogar ein Drittel der Leistungsunterschiede zwischen den Ländern.
Ein Rezept für bessere Leistungen ist das Abschaffen solcher Maßnahmen hingegen nicht. Es sei zwar naheliegend, dass in solchen Ländern Schüler aus bildungsnahen Haushalten in Schulen mit guten Leistungen und solche aus bildungsfernen Familien in schlechteren Schulen landen. "Das heißt aber nicht unbedingt, dass Länder, die aufhören zu selektieren, automatisch bessere Leistungen zeigen. PISA misst nicht Ursache und Wirkung." Allerdings scheinen Lehrer in jenen Ländern, wo es keine solchen Spezialschulen für bestimmte Gruppen gibt, besser mit der Unterschiedlichkeit der Schüler umgehen zu können bzw. haben mehr Möglichkeiten im Lehrplan oder der Beurteilung darauf einzugehen.
Oberstufenreform gegen Sitzenbleiber
In Österreich ist der Anteil an Repetenten laut der Erhebung geringer als der OECD-Schnitt von 13 Prozent, in Ländern wie Frankenreich, Belgien oder Brasilien sind es sogar mehr als 25 Prozent. Dabei wurden die 15-Jährigen gefragt, ob sie in ihrer Schullaufbahn schon mindestens einmal eine Klasse wiederholen mussten. Im Gegensatz zu Österreich ist allerdings in den untersuchten OECD-Staaten das Sitzenbleiben in den niedrigeren Jahrgängen verbreiteter als in der Sekundarstufe II. Mit der Modularen Oberstufe hat die Regierung ein Modell angekündigt, mit dem die Zahl der Sitzenbleiber deutlich reduziert werden soll. (APA)