Schwarzfahren 2.0: Mit Apps und Internet Kontrollen entgehen

17. Juli 2011, 11:56
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Mit Hilfe von Apps und sozialen Netzwerken können Handy-Besitzer beinahe kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren

Mehrere Applikationen für Smartphones ermöglichen Nutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln den Kauf eines Tickets. Offiziell muss man dieses zwar bereits vor Fahrtantritt kaufen, technisch ist es aber durchaus möglich nur bei Bedarf - also bei einer Kontrolle - einen Fahrschein zu erwerben. 

Auch soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook nutzen Smartphone-User zum Schwarzfahren. Wenn man nämlich bestimmte Seiten auf Facebook "liked" oder bestimmten Tweets folgt erfährt man, wo gerade kontrolliert wird.

A1 Handyfahrschein

Für Android gibt es unter anderem den A1 Handyfahrschein. Die Bedienung ist sehr einfach. Man wählt die Stadt aus, für die man das Ticket kaufen möchte, entscheidet sich für die Art des Tickets und betätigt den Kauf-Knopf. Kurz darauf ist das Ticket bereits am Handy und kann bei einer Kontrolle vorgezeigt werden. Im Moment funktioniert die App für Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt. Allerdings kostet der Einzelfahrschein für Wien 40 Cent mehr als im Vorverkauf und auch die Bestell-SMS wird mit 25 Cent verrechnet. Damit ist man in Summer bei einem Ticket-Preis von 2,45 Euro, diese Kosten werden über die Handyrechnung bzw. die Paybox verrechnet.

SMS BimTicket Wien

Eine andere Android-Applikation ist das SMS BimTicket Wien. Wie der Name schon verrät, kauft man hier das Ticket per SMS. Per Knopfdruck wird eine SMS an eine Ticketline Nummer geschickt, woraufhin man das Ticket auf das Handy erhält. Auch hier braucht man ein Paybox-Konto, das Ticket ist dabei ebenfalls teurer als im Vorverkauf und es können zusätzliche Kosten durch die Mehrwertnummer entstehen. Wie der Name bereits verrät funktioniert die App nur für Wien. Gleiches gilt für die App Handyticket Wien, die dem SMS BimTicket sehr ähnelt.

Fahrplan Österreich

Im Gegensatz dazu kann man mit Fahrplan Österreich Tickets für Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und ein ÖBB Ticket kaufen. Die Applikation wurde zwar eigentlich mit dem Fokus auf Fahrplanabfragen programmiert, ermöglicht Usern jetzt aber auch Handytickets zu kaufen. Man kann wieder zwischen Stundenkarte und Tageskarte wählen, der Kauf wird per SMS an eine Mehrwertnummer abgeschlossen. Im Gegensatz zu den anderen Programmen, sind hier mehr Klicks notwendig und es dauert dementsprechend etwas länger, bis man an das Ticket kommt. Die App gibt es wahlweise kostenlos in einer werbegestützten Version und in der Pro-Ausführung für 2,99 Euro.

Qando

Auch bei Qando, der offiziellen App des VOR, kann man Handytickets kaufen. Allerdings muss man bei der neuen Version der Fahrplan-App eine zusätzliche App für den Ticketkauf herunterladen, das war bisher nicht notwendig. Zumindest kann man aber die Handyticket-App aus der normalen Qando-App anwählen. Die Preise entsprechen jenen der anderen Anbietern. Ein Vorteil von Qando im Vergleich zu den anderen Mitbewerbern ist, dass man hier auch sehen kann, wo an diesem Tag Kontrollen stattfinden. Qando gibt es auch für das iPhone und ist gratis.

Handy Ticket

Kostenpflichtig ist hingegen wiederum die Applikation Handy Ticket. Für 0,79 Euro erlaubt die App Tickets in Wien, Graz, Linz, Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg zu kaufen. Die Preise sind dieselben, wie bei den Android-Apps, allerdings gibt es bei der iPhone-App einen Schnell Modus, der die Anbots-SMS vor dem Kauf des eigentlichen Fahrscheins unterbinden kann. Damit kommt es Schwarzfahrern, die den Fahrschein erst kurz vor der Kontrolle lösen, natürlich entgegen. Ebenso wie das Ticket-Duplikat, welches angefordert werden kann, wenn man seinen SMS-Fahrschein verloren hat.

QuickTicket

Extra für Schwarzfahrer ist die iPhone-App QuickTicket gemacht. Sie ermöglicht einen schnellen Ticketkauf und verspricht, dass das Ticket rechtzeitig vor der Kontrolle an das Handy gesendet wurde. Außerdem kann man auch schon vor Fahrtantritt sehen, ob die Linie, mit der man fahren möchte, heute besonders kontrolliert wird. Die App kostet 0,79 Euro und funktioniert nur für die Wiener Linien.

Im sozialen Netz unterwegs

Doch nicht nur Smartphone Apps erleichtern das Leben der modernen Ticketpreller, auch Twitter und Facebook und die Vernetzung mit anderen, die fahrscheinlos in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, entlastet die Geldbörse. So werden auf Facebook Seiten wie Schwarzkappler-Warnung Wien oder schwarzkappler.info immer aktuell gepostet, wo die Kontrolleure unterwegs sind, und teilweise auch wie man diese erkennen kann. Auf Twitter funktioniert es ähnlich, auch hier kann man unter anderem schwarzkappler.info folgen.

Wichtig ist für potentielle Schwarzfahrer und für Fahrgäste, die sich ein Ticket schon von Fahrtantritt leisten wollen, gleichermaßen, dass das Ticket erst mit der Bestätigung und nicht mit der Bestellung gilt, denn bis die Bestätigung kommt, kann schon mal eine halbe Minute vergehen.

Hohe Zahlungsmoral

Wie Mag. Answer Lang von den Wiener Linien erklärte, gibt es unter den Fahrgästen eine hohe Zahlungsmoral. So sind nur 2,85% ohne gültigen Fahrschein unterwegs. Außerdem posten die Wiener Linien selbst, wo vermehrt Kontrollen stattfinden. Lang vergleicht das mit der Ankündigung von Radarkontrollen, nur dienen ihre Posts dazu, dass Fahrgäste sich zweimal überlegen, ob sie ohne Fahrschein einsteigen oder nicht.

200 Euro in drei Monaten gespart

Dass es sich auszahlt mit Hilfe des Web2.0 unterwegs zu sein, bestätigt der notorische Schwarzfahrer Markus S. Über 200 Euro hat er alleine in den letzten drei Monaten gespart, indem er kurz vor der Kontrolle noch ein Ticket gekauft hat. Als Argument, warum er keine Fahrscheine kauft und als blinder Passagier unterwegs ist, antwortete er, dass er sowieso Steuern zahlt und nicht einsieht, warum öffentliche Verkehrsmittel zusätzlich etwas kosten sollen.

Wer vom Schwarzfahren genug hat, und ganz offiziell Fahrkartenbesitzer werden möchte, der ist bei der offiziellen Wienerlinien iPhone-App richtig. Hier kann man alle online verfügbaren Tickets der Wiener Linien kaufen und nicht nur die teureren Handytickets. Somit bringt das Web 2.0 nicht nur Schwarzfahrern Vorteile. (soc)

  • Mit den richtigen Apps kommt man günstig durch "Netz"
    foto: wiener linien

    Mit den richtigen Apps kommt man günstig durch "Netz"

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