"Anschlag könnte darauf abzielen, Friedensprozess mit Pakistan zu stören"

Interview | Manuela Honsig-Erlenburg, 14. Juli 2011, 14:31
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    foto: swp

    Christian Wagner leitet die Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) mit Sitz in Berlin. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Außen- und Sicherheitspolitik Indiens und Pakistans. 

     

Politologe Christian Wagner über mögliche Motive hinter den Attentaten in Mumbai und die Lage der muslimischen Minderheit

Am Dienstag explodierten in Mumbai drei Sprengsätze in belebten Vierteln der Stadt unmittelbar hintereinander und riefen Erinnerungen an die islamistischen Anschläge Ende 2008 wach, bei denen über 170 Menschen starben. Eine Parallele dazu sieht Christian Wagner von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik  nicht. Eine Blockade der geplanten Wiederaufnahme des 2008 unterbrochenen Friedensprozesses zwischen Pakistan und Indien könnte aber sehr wohl hinter den Anschlägen stecken.

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derStandard.at: Die letzten großen Serienanschläge wurden in Mumbai im November 2008 begangen. Islamistische Militante mit Unterstützung aus Pakistan wurden damals als Täter identifiziert. Diesmal hat sich Islamabad beeilt, die Anschläge zu verurteilen. Hat der neue Anschlag Parallelen zu den Ereignissen 2008?

Wagner: Der Anschlag hat Parallelen mit Anschlägen, die in den letzten Jahren in Indien stattgefunden haben. Er hat aber keine Parallelen zu dem Anschlag im November 2008. Damals wurden ja unter anderem gezielt westliche Einrichtungen und Touristen angegriffen. Militante verschanzten mehrere Tage in der Stadt. 

derStandard.at: Sie gehen davon aus, dass eine Terrorgruppe innerhalb Indiens für die aktuellen Anschläge verantwortlich ist?

Wagner: Es gibt verschiedene Spekulationen, darunter die Vermutung, dass es indische Mudschaheddin gewesen sein könnten. Also militante islamistische Gruppierungen, die in Indien operieren, aber teilweise auch Unterstützung aus dem Ausland erhalten.

derStandard.at: Gegen wen oder was treten diese Gruppierungen auf?

Wagner: Die verschiedenen Gruppen haben eine unterschiedliche Agenda. Zum Teil wehren sie sich gegen die Benachteiligung der Muslime. Die Muslime haben in Indien einen vergleichsweise schlechten Status und haben am wirtschaftlichen Erfolg der letzten Jahre kaum teil gehabt. Auf der anderen Seite verfolgen die indischen Mudschaheddin eine islamistische Agenda, wollen die Islamisierung Indiens vorantreiben. Und natürlich können solche Anschläge auch immer darauf abzielen, den pakistanisch-indischen Friedensprozess zu blockieren. Aber so lange kein klares Bekenntnis zu den Attentaten vorliegt, bleibt es erst mal schwierig, die genaue Motivation zu begründen.

derStandard.at: Wie weit ist dieser Friedensprozess und wird er unter den neuen Anschlägen leiden?

Wagner: Jetzt gerade beginnt wieder ein Annäherungsprozess zu Pakistan. In zehn Tagen soll die nächste Gesprächsrunde stattfinden. Bei der letzten pakistanisch-indischen Annäherung in den Jahren 2004 bis 2008 gab jedes Jahr kleinere Anschläge. Nach dem Anschlag in Mumbai 2008 war es für Indien nicht mehr möglich, den Verhandlungsprozess fortzusetzen. Indien ist am Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Pakistan interessiert. Deshalb gibt es keine laute, offizielle Kritik gegen Pakistan.

derStandard.at: Sie haben schon gesagt: Die muslimische Minderheit in Indien ist wirtschaftlich und strukturell benachteiligt. Wie funktioniert das Zusammenleben prinzipiell?

Wagner: Prinzipiell gut. In Indien ist ein Anteil von etwa 14 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimisch. Das sind mehr als 140 Millionen Menschen. Wenn sich darunter nur wenige radikalisieren, entsteht allerdings ein großes Radikalisierungspotenzial. Zugleich ist mit Anschlägen immer die Angst verbunden, dass es zu größeren oder kleineren Ausschreitungen gegenüber Moslems kommt. Gerade in Metropolen wie Mumbai. Größere Ausschreitungen gab es das letzte Mal in Gudjarat 2002 (ein Anschlag auf einen Zug provozierte schwere Ausschreitung gegen die muslimische Bevölkerung, bei denen über 1000 Menschen getötet wurden, Anm.). 

derStandard.at: Die Anschläge "können nicht als Angriffe auf Indiens Wirtschaftshauptstadt oder auf unsere Märkte angesehen werden", sagte Innenminister Chidambaram und spiegelt damit die Angst davor wider, dass Indiens Sicherheitssituation der Wirtschaft schaden könnte.

Wagner: Natürlich wirken sich solche Anschläge auf das internationale Image aus. Sie zeigen, dass es in Indien keine dauerhafte Sicherheit geben kann. Im Jahr gibt es hier circa ein bis zwei Anschläge, die Urheberschaft bleibt oft ungeklärt. Das macht die Probleme deutlich, die das Land bei der Terrorbekämpfung hat. Man hat zwar nach Mumbai 2008 die Antiterroreinheiten restrukturiert. De facto kann man dieses Milliardenland aber nicht kontrollieren. Dazu trägt sicher auch die chronisch korrupte Polizei bei, die kein hohes Ansehen in der Bevölkerung hat. (mhe, 14.7.2011, derStandard.at)

Streit zwischen Indien und Pakistan: Seit der Trennung vom ehemaligen britischen Kolonialreich, die zur Gründung von Indien und Pakistan führte, haben die beiden Staaten gegeneinander insgesamt vier Kriege geführt. Drei dieser Kriege wurden um die Region Kaschmir (wo die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist) geführt. Im dritten Indisch-Pakistanischen Krieg unterstützte Indien Bangladesch (damals Ostpakistan) im Kampf um die Unabhängigkeit von Pakistan (Bangladeschkrieg). In der vierten militärischen Auseinandersetzung (1999) ging es wieder um Kaschmir. Der Krieg endete mit einem Erfolg für Indien, löste jedoch die seit 1947 bestehende Kaschmirfrage nicht.

 

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22 Postings
Kpt.Blaubart
41
15.7.2011, 10:11
Hübsch zu lesen

Nach dem Pakistan die Schnauze voll hat von dem US Terror, passiert was?

Genau es geht eine Bombe in Indien in die Luft.

Schon hat man wieder für Spannung gesorgt und der Ami fliegt seinen Terror weiterhin auf die Zivilisten.

Jetzt wartet nur, bis der Englische oder Amerikanische Geheimdienst die ersten Beweise vorlegen, dass dies von einer Terrororg. in Pakistan ausging.

MondXicht
01
15.7.2011, 12:48

Und dieser tragische Anschlag hat mit den Dronen-Aktionen im westlichen AfPAK Grenzgebiet was genau zu tun?

Oder reicht schon ein unbalancierter Reissack in China, dass die Mitzi Tant am Gugelhupf erstickt, ihrer werten Ansicht nach?

Viel Platz zwischen der FPÖ und den Grünen!
12
15.7.2011, 10:08
Wie immer sind sie soooo arm.

Verständlich, dass man dann Menschen tötet.
<Zynismus aus>

anders and
 
10
15.7.2011, 11:19

Natürlich wissen Sie wer die Täter waren -

verraten Sie uns doch woher!

Viel Platz zwischen der FPÖ und den Grünen!
01
15.7.2011, 11:42
Natürlich kann man warten...

...bis die Täter hier verschwiegen werden.
Aber man kann der Wahrheit auch gleich ins auge sehen

MondXicht
10
15.7.2011, 12:51

Ich vermute sie sprechen folgende "Wahrheit" an: es waren Muslime.

Davon gibt's allerdings ziemlich viele, auch in Indien.

Können sie mir jetzt vielleicht verklickern welche von den 2 Milliarden genau hier verantwortlich sind?

anders and
 
00
15.7.2011, 11:49

Sie kennen die Wahrheit einfach durch göttliche Eingebung, nicht wahr?

Und wenn die Fakten etwas anderes ergeben, so sind das natürlich immer Fälschungen.

Ich habe verstanden.

Viel Platz zwischen der FPÖ und den Grünen!
03
15.7.2011, 12:23
Sie haben natürlich recht.

Wenn jemand den ganzen Tag mit einem Flammenwerfer herumläuft und damit droht, Häuser anzuzünden, und dann plötzlich ein Haus brennt, beweist das keineswegs, dass es der Typ mit dem Flammenwerfer war.

Wie Max Frisch uns gezeigt hat, kann ein Biedermann sehr lange glauben, dass es keinen Brandstifter gibt, wenn man nur gaaaanz fest dran glaubt. Würde er heute noch leben, er hätte den Herrn mit Sicherheit Korrektermann genannt.

MondXicht
00
16.7.2011, 14:15

Und wenn man zehntausend Flammenwerfer nach Graz schickt und nach 5 Tagen draufkommt dass ein Haus in Graz vor 5 Tagen zu brennen angefangen haben muss, wem würden sie es dann zuordnen?

anders and
 
10
15.7.2011, 16:15

Und Sie meinen es gäbe nur eine Sorte von Typen, die mit dem Flammenwerfer herumläuft?

Bei Ihrem Scheuklappenblick wundert es mich nicht, dass Sie den türkischen Terroristen, der diese Woche in Deutschland verhaftet wurde, völlig verdrängt haben.

Mr. DotNet
10
15.7.2011, 09:36

Interessant! Gerade jetzt wo es zwischen den USA und Pakistan kriselt...

error .
10
15.7.2011, 17:56
das dachte ich mir auch zuerst.

walter prohaska
14
14.7.2011, 15:53

wer ist der herr wagner eigentlich, wenn er von 1 bis 2 anschlaegen pro jahr in indien spricht, dann muss man ihn schon mal fragen ob er indien nicht mit einem anderen land verwechselt. leider gibt es fast taeglich in irgendeinem teil dieses grossen und schoenen landes einen anschlag.

im Klartext
00
14.7.2011, 17:27

und worauf beruht Ihr Gewissheit?

walter prohaska
05
14.7.2011, 21:34

lesens einmal times of india, the hindu etc., indische zeitungen halt, bin in delhi auch einmal fast gesprengt worden.

Mostbluzza
31
14.7.2011, 15:43
durchaus möglich, dass es kreise gibt

die den widerborst pakistan auf indien (vice versa) hetzten möchte ... wobei pakistan auf keinen fall den krieg will, in der situation.

also schürt man gelüste des schlafenden tiger indien erneut.

Der dicke Jokkl
00
15.7.2011, 11:36

Ja, wir alle wissen ja wie erstrebenswert ein Nuklearkrieg ist.

nichtbriefmarkensammler
45
14.7.2011, 14:48
Religionen

Religion fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

STOP jetzt

Religion gilt dem gemeinen Mann als wahr, dem Weisen als falsch und dem Herrscher als nützlich.

Fürst zum Kardinal: Du machst sie dumm, ich mach sie arm!
Die Schuldenkrise ist schon da!!!

Girgl Galgenstein
42
14.7.2011, 21:02
Na, dann erzählen Sie mal

was mit all jenen anstellen wollen, die von der Religion nicht lassen können. Ins Lager stecken? Von öffentlichen Ämtern aussperren? Verfolgen? Gab es alles schon einmal: Menschen, die ihrer Religion wegen verfolgt wurden und jene die sie töteten waren alles überzeugte Atheisten.

Der Kluge
22
14.7.2011, 22:22

Atheistische Verfolgung? Wann soll die gewesen sein?
Es waren immer Religionen oder andere totalitäre, politische Ideologien, die Religionen verfolgt haben.

Außerdem ist es ein klassisches Strohmann-Argument, wenn man verbale Religionskritik mit dem künstlichen Bild vom "die Gläubigen ins Lager in stecken" beantwortet.

Auf jeden Fall sollte man ehrlich über Migrationspolitik diskutieren. Wieso sollen wir uns diese Islam-probleme importieren? Man sieht doch, wie es in der islamischen Welt zugeht! Und ja die Linken müssen sich vorwerfen lassen, diesen sozialen Sprengsatz unterschätzt zu haben.

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00
15.7.2011, 17:57
Es waren immer Religionen oder andere totalitäre, politische Ideologien, die Religionen verfolgt haben.

danke dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Lichtfreak
11
15.7.2011, 08:26
Beide

ihr habt beide recht ...

Die Religionen und die Atheisten haben sich je nach Zeit nichts geschenkt! Beide haben und wurden verfolgt...

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