Energiediskussion

"Die Lichter werden nicht ausgehen"

Interview | Birgit Baumann, 14. Juli 2011, 10:27
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    Claudia Kemfert (42) leitet seit 2004 die Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

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    Biblis B in Südhessen ist bereits nicht mehr am Netz. Es zählt zu den ältesten deutschen Atomkraftwerken.

Atomausstieg wird Deutschland keinen Strommangel bescheren, sagt Energie-Expertin Claudia Kemfert

Standard: Deutschland will bis 2022 aus der Kernkraft aussteigen. Acht abgeschaltete Meiler sollen gar nicht mehr ans Netz gehen. Könnten in der Bundesrepublik bald die Lichter ausgehen?

Kemfert: Nein, die Lichter werden in Deutschland nicht ausgehen. Wir haben in der Vergangenheit mehr Strom produziert als verbraucht, durch diesen Überschuss konnten wir also kräftig exportieren. Acht Atomkraftwerke sind derzeit nicht am Netz, und wir haben noch ausreichend Strom. Allerdings lasten wir alte Kohle- und Gaskraftwerke mehr aus, und wir importieren mehr. Wenn in den nächsten zehn Jahren weitere Atom- und alte Kohlekraftwerke vom Netz gehen, müssen wir Kraftwerke zubauen - sonst gehen in der Tat die Lichter aus.

Standard: Das Atomkonzept der Regierung wird sogar von Grünen gelobt. Gibt es dabei auch Haken?

Kemfert: Durchaus. Ich sehe durch den Zubau von Kohlekraftwerken die Gefahr, dass wir erhöhte CO2-Emissionen bekommen. Gaskraftwerke wären geeigneter, aber sie sind wirtschaftlich nicht so attraktiv. Man sollte schon schauen, dass die Gaskraftwerke überwiegen. Wir haben zudem noch nicht genug Infrastruktur für den Stromtransport und nicht genug Speicherplatz.

Standard: Wer wird für die Energiewende bezahlen?

Kemfert: Es werden enorme Investitionen getätigt, das sind in erster Linie private Investoren, die in Kraftwerke, Netze und erneuerbaren Energien investieren werden. Auch viele kleine und mittelständische Betriebe sowie Stadtwerke haben schon angekündigt, dass sie Gaskraftwerke bauen werden. Man kann davon ausgehen, dass sich die gesamten Investitionen im dreistelligen Milliarden-Bereich bewegen werden und dass diese zum größten Teil von Privaten getätigt werden.

Standard: Inwieweit wird dies den Arbeitsmarkt beleben?

Kemfert: Schon jetzt arbeiten in Deutschland im Bereich der erneuerbaren Energien bis zu 380.000 Beschäftigte, in den kommenden zehn Jahren könnten es schon 600.000 sein. Zudem entstehen Arbeitsplätze in allen Bereichen, wie Energieeffizienz, nachhaltige Energieversorgung und Mobilität. Es geht ja nicht nur um die Branche direkt, man muss auch an die vielen Zulieferer denken, die dran hängen.

Standard: Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Kemfert: In allen Bereichen. Großes Potenzial hat in Deutschland die Windenergie, insbesondere Off-Shore- und On-Shore-Anlagen werden deutlich zunehmen.

Standard: Müssen sich die Deutschen auf deutlich höhere Strompreise einstellen?

Kemfert: Wenn man das gesamte Bild ansieht, kann man davon ausgehen, dass der Strompreis nur moderat steigen wird. Einerseits steigen Netzentgelte und CO2-Preise, zudem wird der Börsenpreis steigen, ausgelöst durch Angebotsverknappung und zukünftigen Kraftwerkszubau. Dadurch haben energieintensive Unternehmen höhere Kosten. Mit steigendem Börsenpreis sinkt aber auch die Umlage, die wir für erneuerbare Energien bezahlen. Und es gibt mehr Wettbewerb. Wir haben in Deutschland einen sehr oligopolistischen Markt, den vier Anbieter dominieren. Künftig werden mehr kleinere Anbieter wie Stadtwerke auf den Markt kommen. Zudem werden wir mehr importieren, auch das senkt den Preis.

Standard: Unausweichlich ist die Wärmedämmung älterer Gebäude. Wie soll das finanziert werden?

Kemfert: Die könnte man durch jene Einnahmen finanzieren, die durch den Verkauf von CO2-Emissionen hereinkommen. Diese Gelder fließen ja in den Energie- und Klimafonds.

Standard: Glauben Sie, dass dieser Atomausstieg unumkehrbar ist?

Kemfert: Das ist definitiv das Ende der Kernkraft in Deutschland. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 13.7.2011)

Claudia Kemfert (42) leitet seit 2004 die Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der privaten Hertie School of Governance Berlin.

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14 Postings
NiNGeN
01
17.7.2011, 12:47
was sie nicht an atomstrom produzieren

müssen sie an atomstrom aus dem ausland importieren um die basislast abzudecken (was wie schon erwähnt teuer ist), und das ist jetzt so viel grüner und besser, weil ...? falls ein akw explodiert, dann die strahlung erst einen oder zwei tage später in D ankommt? wenn, dann alle raus, sonst ist das augenauswischerei, und die akw-betreiber machen einfach neue akws im ausland auf, wo sie dürfen und können und dabei noch extra für den import verdienen...

seetang
00
15.7.2011, 20:18

Nazi nuclear waste from Hitler's secret A-bomb programme found in mine

Read more: http://www.dailymail.co.uk/news/arti... z1SCQFolld

The_new_number_2
00
18.7.2011, 10:18
pepe123
00
15.7.2011, 07:15

und schön teuer wird der Strom werden ohne akw s und schön teuer wird der Strom werden ohne akw s

mandamanda
02
18.7.2011, 11:11
teuer wirds in den nächsten 100 jahrtausenden ....

.... wenn die atommüllendlagerstätten gebaut und gewartet werden müssen...
aber das geht uns ja nix mehr an => wir leben da ja eh nicht mehr (zumindest scheint das die haltung derer zu sein, die für atomanlagen sind).

The_new_number_2
21
15.7.2011, 09:52

Das wäre nur von Vorteil!

fauler Student
10
18.7.2011, 16:30

Weil?

nix fir unguad
21
14.7.2011, 18:30
Diese Weihnachten wird das Licht vielleicht noch nicht ausgehen - aber die kommenden vielleicht!

Nächstes Jahr sollten Kohlekraftwerke an das Netz gehen die gedacht waren die alten Dreckschleudern zu ersetzen. Aber aus dem wird nichts, denn die neuen KohleKW haben einen Stahl der die hohen Drücke des Dampfkessels nicht aushalten. Es kann Jahre dauern bis dieses Problem gelöst wird. Bis lang lässt man die Dreckschleudern volle Tube laufen.
Deshalb werden in D Jährlich gesehen 1 200Leute zusätzlich an der Luftverschmutzung erbärmlich VERRECKEN. Über 12 000Leute werden jährlich schwer an den Folgen der Luftverschmutzung erkranken.
Durch die Zufallsenergie aus EE fehlt die Investitionssicherheit und niemand will daher neue Gaskraftwerke Bauen.
Die Regierung will nun zusätzliche KohleKW aus dem Klimafond fördern.

atrox77
04
14.7.2011, 13:36

damit ich messerknechts und chelenes kommentare zusammenfassen darf, ist es ihnen also wichtiger eine aussicht vor ihrem haus zu haben, als die energiewende einzuleiten , versuchen den klimawandel einzuschränken und damit die lebensgrundlage von milliarden menschen zu sichern?

"der klimawandel ist die größte bedrohung die die menschheit jemals abzuwenden hatte" (zitat IPCC)

meine persönliche meinung ist außerdem, dass ich momentan nichts schöneres kenne, als an einer landschaft vorbeizufahren auf der ein windrad neben dem anderen steht, es erfüllt mich mit hoffnung und mit nichts anderem

Messknecht
 
30
14.7.2011, 15:26

Bei solchen Posts schwenkt mein Sarkasmus in puren Zynismus.

Ist schön in den Ferien! Nicht wahr? Wenn die Schulen zu haben und alle Englischlehrer mit dem Rad durch die Gegend fahren und sich vom Fortschritt überzeugen können.

G. B. Corner
00
14.7.2011, 11:11
Off- und On-Shore

"Großes Potenzial hat in Deutschland die Windenergie, insbesondere Off-Shore- und On-Shore-Anlagen werden deutlich zunehmen."
Welcher Typ von Windanlagen wird dadruch verdrängt?

Messknecht
 
11
14.7.2011, 10:57

Da werden die Anrainer sich freuen, wenn vor ihrer Haustür die 400 kV Leitung vorbei geht um den Strom von den Offshoreparks nach Bayern zu bringen.

Bin neugierig wann es die ersten Bürgerinitiativen geben wird gegen: Hochspannungsleitungen, PV-Anlagen, Gaskraftwerke, Windparks, Kohlekraftwerke, Wasserkraftwerke und sonstige Stromerzeugende/verteilente Einrichtungen.

Energiewende Ja aber doch net vor meiner Haustür!

Die unendlich Geschichte schreibt ein neues Kapitel

Messknecht
 
00
14.7.2011, 10:59

Korrektur: verteilende nicht ente!

chelene chirsch
32
14.7.2011, 11:19

ist doch sowieso eine unendliche geschichte: die ewige forderung nach sanierung/dämmung ist etwa hierzulande rechtlich schlicht nicht durchzubringen.
ein windrad im garten - klar, es muss aber unsichtbar sein.

die ganzen projekterl und klugen ideen scheitern eben an der realität. das ist wie die erklärung der dame, dass nun vermehrt importiert wird - na wie toll, es wird vermehrt atomstrom aus tschechischen kraftwerken gebraucht. und sowas loben die grünen ? witzig, witzig...

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