Hunger am Horn von Afrika

Somalia: "Wir brauchen mehr internationale Hilfe"

Philipp Hedemann aus Dadaab , 13. Juli 2011, 19:25
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    foto: ap

    Tausende flüchteten schon nach Kenia oder, wie im Bild, nach Mogadischu. Sie schlagen provisorische Lager auf und warten auf Hilfe

Die Dürre-Flüchtlinge am Horn von Afrika sind verzweifelt - Viele Kinder in den Flüchtlingslagern sind so schwach, dass Infusionen nicht mehr helfen

Schlaff wie die Haut einer Alten schlabbert das letzte bisschen Fleisch an Lululey Abdi Ladifs abgemagerten Beinchen, aus den Augen einer Greisin starrt das ausgemergelte Mädchen in die tränengefüllten Augen ihrer Mutter Rabiyo. "Lululey wird jeden Tag dünner. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll", klagt die Witwe. Nachdem ihre letzte Ziege gestorben war, lief sie acht Tage und acht Nächte mit ihrem auf den Rücken gebundenen Kind ohne Essen durch die somalische Wüste, bis sie im kenianischen Dadaab das größte Flüchtlingslager der Welt erreichte. Mehr als elf Millionen Menschen sind laut dem Welt-Ernährungsprogramm der Uno (WFP) am Horn von Afrika von der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren bedroht. Ein Viertel der somalischen Bevölkerung ist auf der Flucht. Die zweijährige Lululey wird zu denjenigen gehören, die die Hungersnot wahrscheinlich nicht überleben werden.

Als ein Arzt Lululey sieht, überweist er sie sofort ins provisorische Krankenhaus. "Ärzte ohne Grenzen"-Mann Antoine Froidevaux verschweigt Lululeys Mutter, was er seit Wochen jeden Tag erlebt. "Die Hälfte der Kinder, die nach der langen Flucht im Lager ankommen, sind unterernährt. Manche haben so lange nichts gegessen, dass auch Infusionen sie nicht mehr retten können. Lululey ist ein besonders schlimmer Fall", sagt der erfahrene Helfer.

Ernte vertrocknet

Nach zwei sehr niederschlagsarmen Regenzeiten vertrocknen am Horn von Afrika die Ernten auf dem Feld. Rinder, Schafe, Ziegen und Kamele verdursten. Neben dem vom jahrelangen Bürgerkrieg gebeutelten Somalia sind laut dem Koordinationsbüro für humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen vor allem Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Uganda von der Dürre bedroht. Rund ein Drittel der Hungernden sind Kinder, die Lebensmittelpreise in den betroffenen Ländern steigen dramatisch, in diesem Jahr ist nicht mit einer Verbesserung der Lage zu rechnen.

Auch im Südosten Äthiopiens hat es sieben Monate kaum geregnet. In dem Land, in dem vor 26 Jahren mehr als eine Million Menschen verhungerten, herrscht wieder Not. Der Nomade Mohammed Ali ist einer der Betroffenen. Mehr als sechs Stunden ist er mit seinen 35 Kühen und 70 Ziegen durch die staubtrockene Savanne marschiert, bis er kurz vor der somalischen Grenze endlich ein Wasserloch erreichte. Ein Clan wacht über den vielleicht bald versiegten Tümpel, wer hier sein Vieh tränken will, muss umgerechnet zwei Cent pro Tier zahlen.

Nachdem Mohammed und seine Männer sich von derselben braunen Brühe wie ihr Vieh sattgetrunken haben, machen sie sich wieder auf den Weg. Sechs Stunden Marsch durch die Steppe liegen vor den Nomaden. Hyänen und Schakale werden ihnen folgen.

"Brauchen Hilfe"

"Ich kann nicht den Notstand ausrufen. Das kann nur die Regierung in Addis Abeba. Aber wenn es nicht bald regnet, werden nicht nur Tiere sterben. Wir brauchen mehr internationale Hilfe", sagt ein Beamter in der von der Dürre betroffenen äthiopischen Somali-Region. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen.

Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi hatte im letzten Jahr angekündigt, dass sein Land in fünf Jahren nicht mehr auf internationale Lebensmittelhilfslieferungen angewiesen sein möchte. Unabhängige Experten glauben nicht, dass das Ziel erreicht werden kann.

WFP versorgt derzeit rund sechs Millionen Menschen am Horn von Afrika. Da ein Ende der Dürre nicht in Sicht ist, geht die Uno davon aus, dass die Zahl in den nächsten Monaten auf zehn Millionen steigen wird. Die Kosten werden sich nach Schätzungen auf rund 333 Millionen Euro belaufen. Knapp die Hälfte der Gelder fehlen, die Vereinten Nationen haben an die Geberländer appelliert, diese Lücke möglichst schnell zu schließen. Für die kleine Lululey wird diese Hilfe vielleicht zu spät kommen. (DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2011)

Kommentar posten
17 Postings
linker Schlechtmensch
15
14.7.2011, 15:54
Irgendwann

kommt der letzte Islamist in Somalia drauf, daß man die eigenen Waffen nicht essen kann.

Barbarin
20
15.7.2011, 14:21
Das wäre aber schlecht für EU/USA...

...weil unsere Wohlstand (Familiensilber), der von unseren Politikern gestohlen wird, ist darauf begründet.

Unsere Waffenindustrie braucht Absatzmärkte und unsere Industrien billige und fast gestohlene Rohstoffe, die aus Knebelverträgen resultieren, die entweder mit Korruption von EU&USA oder mit Waffengewalt durchgesetzt werden.

Bitte bilden Sie sich...fürs Wohl und den Frieden Ihrer Kinder/Nachkommen!

ES KLEBT BLUT AN UNSEREN HÄNDEN!!!

Auch wir in AT, verdienen gut an Waffenexporten - siehe Irak und Libyen!

F. Croma
00
18.7.2011, 19:30
Unsinn,

schön wärs wenn z.B. Somalia Rohstoffe hätte, hat es aber bis jetzt nicht. Vielleicht wird es etwas mit dem Erdöl, aber selbst dann wird das Volk nichts davon haben. Unser Wohlstand beruht doch nicht auf unseren Waffenexporten - sind sie verwirrt?

Fritz Wunderlich
11
15.7.2011, 16:43

ahnungslos, aber posten

gerade weil niemand dort investiert, verfällt alles, außer waffen, und die gängigen kalaschnikows etc. werden in afrika hergestellt, die brauchen dazu weder russland noch denw esten
die einzigen einnahmen der banden waren die schutzgelder, die sie von den hilfsorganisationen erpressten
das ist auch vorbei

informieren sie sich, bevor sie posten

G. Berkeley
01
18.7.2011, 09:52
Natürlich läuft es so, jedoch...

...können sie davon ausgehen, dass es im Interesse vieler Konzerne ist das es genau so läuft.
Destabilisierte Länder sind gut auszubeuten, und das funktioniert schon viele Jahrzehnte in Afrika so.

mfg

Fritz Wunderlich
10
18.7.2011, 11:07

das ist doch blanker unsinn
haben sie für ihre konstruktion irgendeinen beleg, außer ihre phantasie über das böse?

welche konzerne sollen bitte davon profitieren, dass somalia seit zwanzig jahren nicht mehr existiert????

konzerne und ihre macht muss man realistisch einschätzen, sonst kann man sie nie eindämmen

naja, es ist eh völlig sinnlos

Fritz Wunderlich
11
14.7.2011, 13:38

bei dieser katastrophe fehlen die als menschenrechtler getarnten antiimps
lieber verwenden sie wie pyotr verfälschte statistiken der wfppal über food insecurity als sich den wirklich hungernden zu widmen, und deren politische bedingungen

parapente
14
14.7.2011, 10:59
Und wenn wir all unser Geld

nach Afrika schicken - es wird zu wenig sein!

Barbarin
41
14.7.2011, 14:02
http://www.bpb.de/themen/2I... rache.html

...sanftes Erwachen!

..wir (EU/USA/China/Russland) müssen nur mit den Raubzügen und Vergewaltigen aufhören (Rohstoffbeschaffung) und nur einen Teil des Gestohlene zurückgeben (Reparationszahlungen) und Monokulturen beenden (also das Kaufverhalten hier im Westen ändern und Absatzmarktbeschaffungs-wahnsinn beenden - zb. Monsanto /Bayer Crop)

Barbarin
40
14.7.2011, 14:02
http://www.bpb.de/themen/2I... rache.html

...sanftes Erwachen!

..wir (EU/USA/China/Russland) müssen nur mit den Raubzügen und Vergewaltigen aufhören (Rohstoffbeschaffung) und nur einen Teil des Gestohlene zurückgeben (Reparationszahlungen) und Monokulturen beenden (also das Kaufverhalten hier im Westen ändern und Absatzmarktbeschaffungs-wahnsinn beenden - zb. Monsanto /Bayer Crop)

Mops
33
14.7.2011, 10:57
Anstatt Bomben auf Lybien

könnte man Hilfspakete und Wasser, etc... in die Dürre Gebiete abwerfen. Spielt sich nur leider nicht. In dem Artikel wird von 333 000 000 die benötigt werden gesprochen, der Pentagon hat für dem Lybien Feldzug bis jetzt von 550 000 000 verschossen. Man sieht halt wo die Wertigkeit liegt sicher nicht bei Menschenleben sonder bei der Rüstungsindustrie.

Fritz Wunderlich
05
14.7.2011, 14:58

ahnungsloser, alle möglichen hilfsorganisationen wurden von den islamisten vertrieben, sogar der wfp zog sich zurück

aber wenn sie da gute verbindungen hin haben, bitte

si tacuisses
 
00
18.7.2011, 16:38
Richtig

Vielleicht sollte sich die sog. "Arab. Welt" verstärkt in Somalia einbringen. Statt die Islamisierung zu forcieren wären nachhaltige Entwicklung ein sinnvolles Thema inkl. Bewässerung...

Piraterie am Horn von Afrika: http://tiny.cc/8t4d0
Sichwort Al-Shabaab-Milizen...
Kennt man aus dem Sudan (ehemals Kgr. Nubien)
Kein guter Platz, auch für Helfer nicht.

Dirty Sanchez
 
05
14.7.2011, 14:09
Statt Bomben

im Ausland für teure Devisen zu kaufen um sie auf die eigene Bevölkerung oder auf die Nachbarländer zu werfen, könnten diverse afrikanische Regierungen auch in Bildungs- und Infrastrukturprojekte investieren. Aber da fließt zuwenig Schwarzgeld auf die Schweizer Konten, weswegen das so bald nicht geschehen wird.

G. Berkeley
00
18.7.2011, 09:58
Regierungen die von westlichen Konzernen in die Ämter...

...gehievt genau dafür wurden?

Viel zu viele verdienen zu gut an diesen Verhältnissen.

mfg

hentai
03
14.7.2011, 09:36
Das Grausame an der Sache

ist, dass egal, wie viel Entwicklungshilfe die UNO/EU etc. auch nach Afrika schickt, es ständig in den falschen Händen der schwerreichen Diktatoren, Ministerpräsidenten etc. landet, während die arme Bevölkerung von Hungersnöten/Seuchen unaufhörlich geplagt wird.

50€ Spende von mir!

im Klartext
15
14.7.2011, 09:29
Mehr als elf Millionen Menschen sind laut dem Welt-Ernährungsprogramm der Uno (WFP) am Horn von Afrika von der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren bedroht

Zeit, das UN Welternährungsprogramm einmal auf sein Versagen zu untersuchen!

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