Asyl-Anwesenheitspflicht: Familie getrennt

13. Juli 2011, 19:09
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Vater durfte nicht ins Zentrum - Innenministerium widerspricht: "Besuche möglich"

Traiskirchen - Die Anwesenheitspflicht für Asylsuchende in den Erstaufnahmezentren gilt seit 1. Juli. Am Mittwoch führte das bis zu siebentägige Verbot, die Betreuungsstellen zu verlassen, zu einer Familientrennung.

Er stehe seit sieben Uhr morgens vor der Eingangspforte zum Traiskirchener Lager, berichtete ein Asylwerber (Name der Redaktion bekannt) dem Standard am Telefon: "Hinein darf ich nicht, der Posten weist mich ab."

Dabei befänden sich seine Frau und erwachsenen Kinder auf dem Areal: "Sie haben gestern einen Asylantrag gestellt", erzählte der Mann. Er selber sei wegen Morddrohungen in politischem Zusammenhang vor einem Monat aus seiner Heimat geflohen und lebe in einer Flüchtlingspension.

Sein Wunsch: "Ich möchte Frau und Kinder besuchen, die ich seit meiner Flucht nicht gesehen habe." Doch das gehe nicht: "Ich konnte nur durchs Tor mit ihnen sprechen." Die Frage an die Posten, an wen er sich wenden könne, sei unbeantwortet geblieben.

"Verwandtenbesuche sind jederzeit möglich. Man muss nur sagen, dass man jemanden besuchen will", widerspricht Rudolf Gollia dieser Schilderung. In der Betreuungsstelle stehe dafür sogar ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Laut Auskunft der Leitung sei es "seit 1.Juli schon häufig benutzt worden".

Davon habe ihm trotz mehrfachen Fragens niemand etwas gesagt, reagierte Mittwochmittag der weiterhin wartende Asylwerber auf diese Information.

"Parteipolitische Zwecke"

Die Anwesenheitspflicht werde offenbar unklar exekutiert, meinte dazu Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun. Mit Journalisten hatte sie davor das Traiskirchener Asylzentrum besucht. Doch ein gleichzeitiges Auftauchen von Politikern und Presse ist dem Innenministerium nunmehr offenbar ein Dorn im Auge. "Es ist stillos, wenn Besuche parteipolitischen Zwecken dienen", sagte Gollia, auf Korun gemünzt. Mandatare und Presse sollten künftig getrennt durch Polizei-und Asylinstitutionen geführt werden. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2011)

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