Auch Irland wird um den Schuldenschnitt nicht herumkommen
Es mag ironisch klingen, aber Moody's gebührt ausnahmsweise Dank. Die Ratingagentur hat Irlands Kreditwürdigkeit auf Ramschstatus gesenkt. Damit haben die Bonitätshüter, als erste in Europa, deutlich gemacht, was Dubliner Ökonomen seit Monaten sagen: Irland steuert auf die Pleite zu.
Die Fakten sind bekannt: Die Regierung in Dublin stellte den Gläubigern irischer Banken 2008 eine Blankohaftung aus, um einen Sturm auf Banken und die Pleite von Kreditinstituten zu verhindern. Drei Jahre später sind nahezu alle Geldhäuser auf der Insel verstaatlicht. Das irische Finanzministerium ist zu einer Durchlaufstelle geworden: Der Staat nimmt die insgesamt 67,5 Milliarden Euro an Finanzhilfen von Eurozone und Internationalem Währungsfonds entgegen, rekapitalisiert damit seine Banken und zahlt Investoren aus. Die Staatsschulden dürften bis 2014 auf 220 Milliarden Euro steigen; das sind 120.000 Euro pro Erwerbstätigen. Die Gesamtschulden werden noch heuer auf mehr als 110 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen.
Damit ist auch klar: Die Wirtschaftsleistung kann noch so viel steigen, die Last wird zu schwer, der Zusammenbruch sehr wahrscheinlich. Nun signalisieren die Finanzminister der Eurozone eine Kehrtwende, ein "Haircut" im Falle Griechenlands wird nicht mehr ausgeschlossen. Für eine nachhaltige Lösung der Eurokrise ist mehr nötig. Auch Irland wird um den Schuldenschnitt nicht herumkommen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2011)