Jetzt bloß nicht in den Franken flüchten!

Kommentar der anderen | 13. Juli 2011, 17:24
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    foto: ap/gero breloer

    Vermögensstrategische Absetzbewegung: Rein rechnerisch stimmt das Kalkül. Denken die hektischen Kurswechsler aber auch an die politischen Folgen ihrer Strategie?

Warum es für Anleger unklug ist, in den sicheren Hafen der starken helvetischen Währung auszuweichen

Dringende Warnung eines Schweizer Bankers: Warum es für Anleger - gerade angesichts der aktuellen Turbulenzen in der Eurozone - unklug ist, in den sicheren Hafen der starken helvetischen Währung auszuweichen.

***

Das Allzeithoch des Frankens hat für die Schweiz nichts mit Schönwetter zu tun: Der starke Franken belastet unsere Exportwirtschaft und vor allem auch den Tourismus. Zum Glück liegt die Schweiz nicht am Meer, der anstehende Badeurlaub käme Gäste aus dem Ausland so teuer zu stehen wie noch nie.

Aber Phasen mit einem starken Franken hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Wir können also auf die Anpassungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft vertrauen, die sich derzeit allen Unkenrufen zum Trotz mit einem prognostizierten Wachstum von knapp zwei Prozent solide zeigt. Auch die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht mehr, und der anhaltende Zustrom gut ausgebildeter und gut verdienender Ausländer unterstreicht die Attraktivität des Lebensraumes Schweiz. Inflation ist unwahrscheinlich, und die Nullzinspolitik der Schweizer Nationalbank hat die Gefahr einer Deflation klein gehalten.

Aber wo quasi die Währungsgrenze des Verkraftbaren liegt - niemand weiß es. Neu ist an der heutigen Situation allenfalls, dass der Schweizer Franken umgeben ist vom währungsvereinten Europa. Für die Anleger aus dem Euroraum, die durch den starken Franken und den schwachen Euro, aber auch wegen der Diskussionen um die Griechenlandkrise vielleicht mehr denn je verunsichert sind, erscheint der Wechsel in den Schweizer Franken besonders attraktiv. Nur, genügt ein ungutes Bauchgefühl für eine schnelle Flucht in den sicheren Hafen der helvetischen Währung? Soll man den hyperaktiven, erhitzten Dynamiken nachgeben? Sicher nicht. Übertreibungsphasen an Kapital- und Devisenmärkten aufgrund nie da gewesener Krisen gab es in den vergangenen Jahrzehnten in regelmäßigen Rhythmen. Und gerade wenn sie neuerdings mit verkürzter Amplitude auftreten, sollte man sich vor Überreaktionen hüten. Sicher, der Euro steckt zurzeit in Schwierigkeiten. Aber die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung dieser Währung als Bindemittel für das geeinte Europa und für die Wettbewerbsfähigkeit in den Handelsbeziehungen zu anderen großen Wirtschaftsräumen ist nach wie vor enorm. Wie soll ein fragmentiertes Europa im Wettbewerb etwa mit Asien bestehen?

Zurzeit geht es um deutlich mehr als nur um die rechnerischen Kriterien einer erfolgreichen Vermögensanlage. Die Massenflucht in eine starke Währung könnte den Euro zusätzlich destabilisieren und die Turbulenzen im Euroraum noch fördern. Und damit ist auch der Schweiz nicht geholfen. Auch Anleger, die sich jetzt kurzfristig im starken Franken sicherer fühlen, brauchen längerfristig ein starkes Europa, einen stabilen Euro.

Die Schweiz ist mit Europa wirtschaftlich eng verknüpft, ob wir das wollen oder nicht. Geht es Europa schlecht, leidet auch die Schweiz, eigene Währung hin oder her. Niemand ist eine Insel. (Kommentar der anderen, Walter Ernst, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2011)

WALTER ERNST ist Direktor der Vadian Bank AG in St. Gallen.

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RoJa
 
00
20.7.2011, 16:04
Zitat Walter Ernst: „Sicher, der Euro steckt zurzeit in Schwierigkeiten. Aber die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung dieser Währung als Bindemittel für das geeinte Europa und für die Wettbewerbsfähigkeit in den Handelsbeziehungen zu

anderen großen Wirtschaftsräumen ist nach wie vor enorm.“

Teil I von IV

Wie meinen Herr Ernst? Der Euro wackelt – nein vielmehr ist schon Tod (!), es ist nur mehr eine Frage der Zeit bis es zum Crash kommt!

„Den Euro verteidigen, koste es was es wolle!“, forderte EU-Kommissionspräsident Barroso im Mai 2010. Mit fantastischen bzw. unvorstellbaren Milliardenbeträgen – vornehmlich aus Deutschland aber auch aus Österreich (siehe EU - Nettozahler) – soll ein Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung verhindert werden. Warum jedoch gerade Deutschland?

zu Teil II von IV

RoJa
 
00
20.7.2011, 16:02
Teil: II von IV / Zitat Walter Ernst: „Sicher, der Euro steckt zurzeit….. // Frankreichs ehemaliger Staatspräsident François Maurice Adrien Marie Mitterand sagte einmal:

„Die Deutschen dürfen laut Übereinkommen keine Atomwaffen haben, dafür besitzen
sie die D-Mark, welche der Stärke einer Atomstreitkraft hat“, und gerade durch die Stärke der D-Mark kam es zur Schaffung des Euros. Unter Zeiten von Helmut Kohl war die deutsche Wirtschaft auf einem Höhepunkt angelangt und die Währung D-Mark auf der ganzen Welt hoch geschätzt und begehrt. Diese wirtschaftliche Stärke und den daraus resultierenden weltweiten Höhenflug der D-Mark machte den Amerikanern, Franzosen, Engländern und Russen Angst, die Russen stimmten der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland nur zu, wenn die Schaffung einer europäischen Einheitswährung sichergestellt wird.

zu Teil III von IV

RoJa
 
00
20.7.2011, 16:00
Teil: III von IV / Zitat Walter Ernst: „Sicher, der Euro steckt zurzeit….. // Ebenso forderten dies auch die

Franzosen, Engländer und vor allem die Amerikaner, deren Dollar gegenüber der D-Mark immer mehr an Wert verlor.
Zurzeit wir Griechenland mit Milliardenbeträgen überhäuft – Italien steht bereits in der Warteschleife, und wer kommt danach? (Erklärung: Verschuldung in der EU jeweils in Prozent des BIP Ende 2010: [Zeichenerklärung: * = Haushaltsdefizit / ° = Schuldenstand]
Griechenland: * -10,5 / ° 142,8 // Italien: * -4,6 / ° 119,0 // Irland: * -32,4 / ° 96,2 // P.S.: von Portugal sowie Spanien liegen mir keine gesicherten Zahlen vor da sich selbige derzeit gerade in einer Umwandlungsphase befinden. Zum Vergleich: EU gesamt: * -6,4 / ° 80,0 // Österreich: * -4,6 / ° 72,0) [Quelle: Eurostat]

zu Teil IV von IV

RoJa
 
00
20.7.2011, 15:59
Teil: IV von IV / Zitat Walter Ernst: „Sicher, der Euro steckt zurzeit….. // Dass eine Währungsreform notwendig sein wird und auch kommen muss, dürfte klar sein,

man kann nur hoffen, dass es bei einer erträglichen Inflation bleibt und es nicht zu einer Deflation kommt, denn das würde den totalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch in Europa bedeuten. Eines ist klar, dass für dieses politische Fehlverhalten die Rechnung der Steuerzahler, die kleinen Leute und der Mittelstand, zahlen wird, darum sollte die hohe Politik einsichtig sein und sich eingestehen, dass die Schaffung einer europäischen Einheitswährung voll in die Hosen gegangen ist und möglichst bald einer tief greifenden Änderung bedarf, ansonsten ist es auch mit dem Fortbestand der immer so hochgepriesenen EU-Staatengemeinschaft bald vorbei, was vermutlich jedoch sicherlicht „nicht“ das Schlechteste wäre.

RoJa

morgen war gestern
01
18.7.2011, 13:49

und sollte der franken dann nach dem ende der krise wieder an reiz verlieren, geht er in die knie, ohne realwirtschaftliche gründe, einfach aus lust an der währungsspekulation. die schweizer werden's danken, wenn spekulanten nach dem euro auch ihren franken zerschießen.

bye bye austria
00
15.7.2011, 04:08
unabhängig davon was man für eine markmeinung

zu seinen ratschlägen hat:

der vorletzte absatz, verfasst von einem schweizer banker ist echt ein schmankerl.

Silvio Lackner
00
14.7.2011, 16:57
solln s halt Negativzinsen

für die Geldhamsterer einführen

Toxo Logic
 
30
14.7.2011, 15:39

Der Franken geht sicher noch auf 1:1 zum Euro, da ist noch viel Luft.

Black Widdow
00
14.7.2011, 15:28
Und wie wärs mit Norwegischen Kronen?

Lord Chaos
00
14.7.2011, 14:40

Jetzt Franken kaufen? Humbug! Die zeit dafür ist vorbei. Wer mutig ist und sich ein Risiko leisten kann nimmt sich bald einen Frankenkredit!

Grantscherben
13
14.7.2011, 14:28
Wer will sich hier die Finger verbrennen ..

Sobald z.B. in der ZIB berichtet wird das irgendein Metall, ein Papierl oder eine Währung etc. stark gestiegen ist sollte man bei Besitz desselben entweder ans Verkaufen denken bzw. die Finger davon lassen hier hinterherzurennen.

Austrialix
00
14.7.2011, 13:55
die schmerzgrenze für viele ist bereits überschritten...

...so möchte die unter dem frankenkurs leidende textilindustrie eine anbindung des frankenkurses an den euro. die komplette schweizer industrie muss gegenüber dollar und euro eine 25-30%-Aufwertung wettmachen, was nur mit einbussen bei der marge/preisen zu realisieren ist. noch sind die faktischen auswirkungen gering, da die schweizer firmen auf gefüllte "kriegskassen" zurückgreifen können. aber die dauer des kurshochs wird entscheiden, wie lange sich das firmen leisten können, ohne arbeitsplätze abzubauen. es wird zum teil schon von der 50h-woche gesprochen. der tourismus hat bereits kräftige einbussen zu verzeichnen. und wenns spürbar wird, ists auch mit dem allzeithoch vorbei. jetzt noch in den Sfr einzusteigen ist sicher risikoreich...

Frechdax24
11
14.7.2011, 13:07
Kontraindikator

Dieser Artikel scheint nur einen Zweck zu haben. Ein perfekter Kontraindikator. Es wird hier auch aber gar nichts neues gesagt oder sonst irgendwelche neuen Informationen gegeben die man nicht schon seit ca. 6 Monaten kennt. Bild-Indikator

Ich warte noch auf die Meldung dass man jetzt ja kein Gold kaufen sollte da es schon viel zu hoch ist...

Der junge Jim Kirk
00
14.7.2011, 15:20

Na wer jetzt noch gold kauft sollte es sich auch leisten können wennst mal wieder in den keller rasselt. Am höchstkurs kaufen ist eher selten eine gute idee.

RichardRoe
00
14.7.2011, 17:58

Was hätten Sie lieber? Dass Ihr Bankkonto und Ihre Sparbücher auf beinahe Null gestellt werden oder dass die Bewertung Ihrer Goldvorräte nach dem crash halt einmal niedrig ist? Das Konto erholt sich mit Garantie nie wieder, der Goldkurs wahrscheinlich bald.

RichardRoe
21
14.7.2011, 13:36

Ja, es ist ziemlich lächerlich. Als ob der Euro noch ne Chance hätte, sich in absehbarer Zeit zu erholen. Und Gold? Na klar. Immobilien? Das auch. Wenn nicht ein Wunder geschieht, dann werden Griechenland und Irland pleite gehen. Da werden die Rettungsschirmgelder zwar lukriert werden, den Euro weiter in den Dreck ziehen, aber helfen wird es nix. Und wenn dann Italien und / oder Spanien dazukommen, dann ist der Euro tot.

Frechdax24
11
14.7.2011, 13:46
Immobilien...

... zur Zeit schon noch, aber wenn die Zinsen erhöht werden und die Kredite zwangsläufig früher oder später fällig gestellt werden dann wäre ich froh wenn ich das Geld der Immobilie lieber in Gold gesteckt hätte. Aber die PIGS sind der sichere Tot des Euro, da haben Sie eindeutig recht!

RichardRoe
00
14.7.2011, 19:06

Ich meinte 'Immos statt Bargeld' nicht aber 'Immos auf Kredit'. Natürlich, wenn die Inflation rast, die Geldentwertung läuft, dann wären dicke Schulden nicht schlecht. Die dafür gekauften Sachwerte wären dann billig erworben. Niemand weiss aber ob es so kommt und wenn, wie sie andeuten, die Einkommens- und Inflationsspirale asymmetrisch verlaufen, dann kann es schon sein, dass Kredite zeitweise nicht mehr bedienbar werden.

1116er
13
14.7.2011, 13:04
"Wir können also auf die Anpassungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft vertrauen"

ja, das kann man tatsächlich!

denn wie meinte ein schweizer banker kürzlich in einer doku über geldwäsche, gefragt ob die nach 9/11 ergriffenen maßnahmen sein geschäft beeinträchtigten: "das volumen ist gleich geblieben, meine provisionen allerdings sind gestiegen!"

anmerkung: das volumen der globalen geldwäsche liegt bei zig BILLIONEN - im fantastillionenbereich also!
fantastische aussichten für ein land, das seinen wohlstand auf diebstahl aufbaut.

dre
05
14.7.2011, 15:48

Als schweizer hab ich gar nichts davon, dass irgendwelche investment banker (sind heute eh meistens ausländer) unsummen an provisionen erhalten - verteurt nur die mieten und die infrastruktur. Ich würd die am liebsten alle zum teufel jagen, die schaden dem ansehen der schweiz viel mehr als sie nützen. Zum glück geht die schweiz als bankplatz eh bald zugrunde - singapore, hongkong, city of london und die karibik sind die zukunft, vielleicht auch noch golfstaaten. Jedenfalls ist ihre aussage, dass das ganze land seinen wohlstand auf diebstahl aufbaut genau so falsch, wie die aussage, dass österreich sein wohlstand auf diebstahl aufbaut. Es gibt sicher auch in Ö abzocker, aber die meisten leute gehen einer normalen produktiven arbeit nach.

Chrifa
53
14.7.2011, 12:51
Der starke Franken

kann der schweizer Tourismusindustrie gar nicht schaden, denn in der Schweiz bekomme ich für mein gutes Geld auch ehrliche, wenn auch teure, Qualität!

Kein Vergleich mit dem Nepp in Italiens, Griechenlands, oder Spaniens Tourismushochburgen.

aculus populus
 
10
18.7.2011, 11:01
Machens mal

Urlaub in Melito di Porto Salvo...kaum touristen, super sauberes Meer, sehr billige und frisch rennovierte Unterkünfte, 150-200€/P/Woche, essen gehen ist auch sehr billig...sie kennen sich ja nix aus

Erika Rothen
48
14.7.2011, 13:08
Sie sollten, bevor Sie solche originellen Theorien aufstellen,

erstmal selbst die Schweiz touristisch bereisen.

Aber trotzdem besten Dank für den herzhaften Lacher, den Sie mir mit Ihrem post beschert haben.

nao...?
10
14.7.2011, 12:41

Irgendwie tun mir ja die kleinen Häuslbauer leid, mit ihren Frankenkrediten ...

Bauti11
02
14.7.2011, 13:04

...besser so wie ich, ein kleines, aber feines Frankenkonto in FL zu haben....

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