Microlearning

Der Kampf gegen das schnelle Vergessen

Interview | Marietta Türk, 26. Juli 2011, 10:07
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    Gelerntes ist filigranes Zeug

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    foto: research studios austria forschungsgesellschaft

    Peter A. Bruck forscht seit sechs Jahren im Bereich Microlearning und will dem Vergessen entgegen wirken

In kleinen Portionen und mit intelligenten "Bubbles" punktet Microlearning in Sachen Lernmotivation und Behaltensleistung

Arbeitende Menschen leiden typischerweise unter Zeitnot. Wie soll da noch Zeit bleiben zwischendurch zu lernen? Peter Bruck, Leiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft, erklärt wie Microlearning funktionieren kann.

derStandard.at: Was genau ist Microlearning?

Bruck: Eine Alternative zu E-Learning. Der pädagogisch-didaktische Ansatz geht davon aus, dass jeder lernen muss, aber keine Zeit hat. Der Witz dabei ist es, große Inhalte auf kleine Schritte herunterzubrechen, sodass man auch zwischendurch lernen kann - vergleichbar mit der Tätigkeit SMS zu schicken oder Mails vom Smartphone. 

derStandard.at: Das heißt Lernen in der U-Bahn am Weg zur Arbeit?

Bruck: Zum Beispiel. Man kann auch an einer Bushaltestelle oder im Wartezimmer beim Arzt lernen. Entscheidend beim Microlearning ist, dass es am besten am Wechsel von einer Aktivität in die nächste erfolgt, daher kann es auch in den Arbeitsalltag im Büro integriert werden. Wenn ein Notebook, Laptop oder Smartphone eine Zeit lang nicht benützt wurde und der Nutzer danach wieder zum Gerät greift, erwartet ihn schon die Lernaufforderung. 

derStandard.at: Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Bruck: Der Ausgangspunkt in der Entwicklung war der Bildschirmschoner. Nun erscheint eine Blase (Bubble) von unten rechts am Bildschirm. Das ist motivierend, aber nie störend. Am Smartphone funktioniert das ähnlich: die Lernkarte hat genau die Größe von Smartphone-Bildschirmen, per E-Push (ähnlich wie Push-Email beim Blackberry, Anm.) kommt der Lernvorschlag automatisch. Die Anwendung heißt KnowledgePulse.

derStandard.at: Bei welchen Lerninhalten ist Microlearning überhaupt sinnvoll?

Bruck: Bei allen, wo es um Fakten, Regeln, Basiswissen geht. Internetsicherheit, Büroordnung eines Ministeriums, Fakten für Controllerprüfung, Definitionen, Bilanzregeln, Vokabeln und sprachliche Grundphrasen bieten sich da an. 

derStandard.at: Von wem kommen die Lerninhalte?

Bruck: Die Firmen liefern jene Lerninhalte, die sie jeweils brauchen - wir bieten die Plattform an. Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Branchen zusammen: Consultingfirmen, einer Lebensmittelhandelskette, den ÖBB und mit einem Partner im Bereich der Ärzteausbildung.

derStandard.at: Wozu auch noch zwischendurch lernen, wenn Firmen ihre Mitarbeiter sowieso in Weiterbildungsseminare schicken?

Bruck: Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass Menschen drei Wochen nach einem Seminar 95 Prozent von den Inhalten vergessen haben. Da bleibt wenig vom Wissensaufbau im Unternehmen übrig. Das sind verlorene Investitionen. Per Microlearning kann man Seminarinhalte wiederholen, 85 bis 90 Prozent würden die Leute nach drei Monaten dann noch wissen. 

derStandard.at: Hat der Social Media Boom dazu beigetragen Microlearning salonfähig zu machen?

Bruck: Vor allem mit den Smartphones ist die Zeit dafür gekommen. Lernschritte in der U-Bahn oder in der Mittagspause sind so erst möglich geworden. Wir forschen jetzt seit sechs Jahren auf dem Gebiet.

derStandard.at: Ihre Forschungsgesellschaft ist an der Schnittstelle zu Unis und Wirtschaft. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Bruck: Wir sind an der Uni Innsbruck situiert, arbeiten aber auch mit der Donauuni in Krems, der Uni in Linz und der FH Hagenberg zusammen und organisieren flexible Forschungseinheiten in einem Netzwerk. An den wissenschaftlichen Einrichtungen wird zu Microlearning ideen-technisch geforscht und technische Prototypen entwickelt oder Studien zum Lernerfolg durchgeführt. Wir managen Innovationen von Unis in den Markt. (Marietta Türk, derStandard.at, 26.7.2011)

PETER A. BRUCK  ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Gesamtleiter der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft

Kommentar posten
21 Postings
Chocoholic
00
16.9.2011, 16:37
was hab ich grad gelesen?

oje. bubbles. was noch? schon wieder vergessen.

Carlos Clementin
00
10.8.2011, 17:19
Wenn man sich für etwas interessiert,

dann geht das Lernen "nebenbei".
Ein Pausenbrotkurs ala Superbubbles wird auch nichts erreichen, wenn einem der Inhalt "s. egal" ist.

chrilly donninger1
00
27.7.2011, 23:13
Lernen kann man nur etwas wenn man sich

in die Sache vertieft. Aber nicht so geschwind nebenbei.

Karl85
 
02
28.7.2011, 14:45

Jein. Ich habe - ohne den Ausdruck Microlearning zu kennen - recht passabel Italienisch gelernt, indem ich ein Jahr lang bei jeder Fahrt zur Arbeit eine Sprachkasette plappern ließ. Ich hab nicht einmal immer zugehört, mit der Zeit ists dann ohne büffeln zu müssen "gesessen".

Zu Peter Bruck kann ich mir nicht verkneifen: So sähe der Misik aus, wenn er einmal zum Frisör ginge.

Lumpy
00
27.7.2011, 13:50
neu?!

hmm, irgendwie nix neues - jedenfalls nix, was ich mit unserem moodle nicht auch erreichen könnte.

bevor jetzt jemand schreit "aber": ja, die verantwortlichkeit für die zeitplanung - sprich das aktive aufrufen der fragen, flashcards, etc. liegt noch im ermessen des lerners. damit er nicht aufs lernen vergisst.

das problem ist ein ganz anderes: die contenterstellung. tools, lösungen... gibts unüberschaubar viele - aber wer macht eine didaktisch sinnvolle inhaltsgestaltung?

und flashcards - abschliessend - sind nun echt wirklich nichts neues. die hab ich mir schon in der oberstufe ausgeschnitten und beschriftet - auch ne idee: retro, irgendwie :-)

astemp79
00
26.7.2011, 21:39
ideal für Beeinflussung

durch bestimmte Botschaften - Werbung, politische Botschaften ...

Man könnte das dann auch durch blitzschnelle Einblendungen erledigen, die das Auge nicht sieht, aber der Geist dennoch wahrnimmt: "trink Ottakringer, das erfrischt".

Das ist verboten. Aber Einblendungen nicht.

johann potakowskyj1
 
00
26.7.2011, 20:49
Propaganda z.B.

...

noexist
 
01
26.7.2011, 19:00

Nach sechs Jahren Forschung: Lernkarte erscheint unten rechts am Bildschirm; motivierend aber nie störend. Letzteres bezweifle ich als werbeerfahrener Internetsurfer.

Keyser
00
26.7.2011, 15:22
This is a bubble, here comes my needle

Bei diesen Preisen bleibe ich bei Anki. Das ist kostenlos, und ermöglicht genau dass, nur nennt es sich Timeboxing. Und auch da kann der Inhalt von überall her bezogen, und auf allen mobilen Geräten verwendet werden, zum effektiven lernen und wiederholen.

Bubble
€ 150,00 Regular fee
€ 90,00 Reduced fee (for individuals with an academical/educational background, subject to formal request or invitation*)
€ 39,00 students** or participants from Eastern Europe (subject to formal request or invitation*)

serotonin
01
26.7.2011, 14:56
Und wann kommen die Implantate?

Selbstdenken nicht mehr nötig, ein weiterer Schritt zur flächendeckenden Moronisierung. Instantwissen aus bunten Blasen! Vorgekaut und unbedenklich!
Und man staune, noch eine Innovation aus dem selben Haus: "Intelligente Empfehlermechnismen" (!!!) - blitzschnell massgeschneidert dank Rapid Prototyping (siehe Homepage). Die Kunden heissen A1, Ericsson, ORF, Siemens, ÖBB und reissen sich um die Blasen...

achwasweissdennich
00
26.7.2011, 14:02

Sollten wir uns nicht langsam mal von dem Gedanken verabschieden, noch mehr zu lernen, leisten und Gas zu geben?

Überhaupt erscheint mir die Idee einfach zu technisch. Wie ein Prozessor soll man das Hirn ständig hin und her switchen lassen, damit man die 'ungenutzten' Zeiten auch noch sinnvoll verwendet. Außerdem könnte ich wetten, dass so aufgenommenes Wissen bestimmt auch gleich wieder weg ist. Ohne Vertiefung bleibt bestimmt nicht so viel hängen, denke ich.

Nee-Chee
01
26.7.2011, 13:14
An der Bushaltestelle,

na klar.
FYI: das ist nicht mehr meine Arbeitszeit. An der Bushaltestelle verwend ich mein Smartphone vielleicht für Angry Birds, aber sicher nicht auch noch für meinen Arbeitgeber, der sich damit bezahlte Seminartage sparen will.

WJM
00
26.7.2011, 14:33

Sie müssen ja nicht für Ihren Arbeitgeber lernen, es genügt, wenn Sie für sich selbst lernen. Aber natürlich ist Abschalten auch eine Möglichkeit...

r2pi
01
26.7.2011, 11:38
Bullsh*t - wir werden immer mehr in einen Duty Cycle Richtung 100% getrieben.

Freizeit und Lebensqualität für alle, nicht nur die oberen 10-tausend !

Postingname 2.0
04
26.7.2011, 10:58

Cool! Endlich eine Idee für die nutzlosen Pausen! Ich hab schon befürchtet, ich könnt mich erholen %-)

00nix
00
26.7.2011, 10:49

wieso kein Link oder Info wie die App heißt bzw. ob es eine solche gibt?

r2pi
00
26.7.2011, 11:33
steht im Artikel "KnowledgePulse" - immer schön Pasuenmachen und in kleinen Häppchen lesen - MICRORECOGNIZING ;-)

00nix
00
26.7.2011, 12:09

ja, habs dann auch gefunden. Ist aber ein Witz, die App ist zwar kostenlos aber die einzelnen Lernangebote kosten bis zu 15€ und beinhalten meist "Managementwissen" und zig "Weinquizzes" ...

Bekka
 
00
26.7.2011, 11:42
es ist schlechter usability-stil

am ende keinen link anzubieten. ob's im text steht oder nicht.

r2pi
00
27.7.2011, 16:29
auch wieder richtig ;-)

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