Im Rahmen der KinderuniKunst produzieren Kinder gemeinsam mit Studierenden Geistervideos
Wien - Blutspuren, Dunkelheit und ein Aufschrei - Schnitt: nächstes Szenenbild. Das erste Video im Rahmen des Workshops "Home-, Reality-, How to" bei der KinderuniKunst Kreativwoche ist fertig. Thema des Workshops war, dass Kinder durch eigene Tricks irreführende Wahrnehmungen bei den Zusehern hervorrufen. "Wir dachten uns, dass sich das Thema Geister sehr gut für diese Tricks eignet. Um die Kinder zu inspirieren, haben wir uns Videos aus dem Internet angesehen", so Betreuer Tobias Roschger, Kunststudent an der Angewandten.
Zum achten Mal wurden im Rahmen der KinderuniKunst die Pforten der Wiener Kunstunis und Museen geöffnet, um 2400 Kindern zwischen acht und 14 Jahren die Möglichkeit zu bieten, sich unter anderen in den Bereichen Architektur, Design, Tanz oder Film unter professioneller Anleitung auszutoben. Den Betreuern war es dabei ein Anliegen, keine fix vorgefertigten Anweisungen zu geben, sondern Anregungen zum weiteren eigenständigen Arbeiten zu bieten. In den hohen Altbauräumen der Universität für angewandte Kunst Wien lässt es sich gut schaffen. Die herumstehenden Bilder und Leinwände dienen den Kindern als Kulissen.
Da geht auch schon die Tür auf. Zwei Burschen kommen mit Stativ und Kamera herein und zeigen stolz ihre ersten Aufnahmen. Im Nebenzimmer proben die Nachwuchsschauspieler: Kamera ab! Zwei Mädchen führen einen Dialog, eines trägt Stöckelschuhe und Sonnenbrille. Es spielt eine Hollywoodschauspielerin. Der Kameramann bekommt genaue Anweisungen, wie er zu filmen hat.
Mediale Erfahrungen
In der Zwischenzeit werden die ersten Videos fertiggestellt. Selbstständig schneiden die Kinder am Computer die Filme zusammen. Die Vorspannmusik dröhnt aus den Lautsprechern. Am Boden liegen verstreut selbstgeschriebene Dialoge und einige Requisiten, alles wird noch gebraucht und ist ständig in Verwendung. Betreuerin und Studentin Magdalena Barthofer erzählt: "Das Konzept haben wir uns selbst überlegt. Wir wollten die Tricks aus den Videos auflösen und die Kinder nachmachen lassen. Außerdem wollten wir die Spannung an der Kameraplatzierung und die Schattensetzung zeigen." Ein Bub unterbricht das Gespräch: "Wie bekomme ich den Lippenstift wieder aus dem Gesicht?", fragt er sichtlich verzweifelt.
Technische Hilfe brauchen die Teilnehmer keine. "Ich bin sehr erstaunt über das Medienwissen der Kinder", sagt Barthofer. Die jungen Künstler haben viel Erfahrung: "Wir filmen zu Hause mit unserer eigenen Kamera und machen Videos. Das Schauspielern macht uns aber am meisten Spaß", sagt das Geschwisterpaar Melanie und Sophie (11).
Viele wollen auch später mit der Kamera arbeiten. Egal, ob Schauspieler, Kameramann oder Regisseur - die Traumberufe stehen schon fest. Die Kinder diskutieren lautstark: "Morgen machen wir dann den zweiten Teil und das Making-of-Video." Dazwischen ruft eine Gruppe junger Regisseure: "Wir sind doch schon längst fertig!" Kurze Zwischenbesprechung. Die ersten Gruppen wollen ihr Video präsentieren.
Man sieht einen Jungen im Aufzug. Die Türe schließt sich, und als sie sich wieder öffnet, liegt der Junge tot am Boden und ein anderer Bub, als Geist verkleidet, läuft heraus. Schnitt und Ende.
Die Betreuer stellen den Kindern Fragen zum Inhalt, zur Aussage, zur Kameraeinstellung und zur Ideenfindung. "Uns ist es wichtig, dass die Kinder lernen, über das zu sprechen, was sie gemacht haben", erklärt Barthofer.
Die KinderuniKunst selbst findet die Studentin gelungen: "Das Schöne dabei ist, dass Kinder aus allen sozialen Schichten dabei mit der Universität in Berührung kommen können." (Victoria Bicsi, SCHÜLERSTANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2011)