Aufstieg, nein danke!

Clemens Gröbner
13. Juli 2011, 14:34

Die Regionalligisten kämpfen mit teuren Bilanzprüfungen und hohen Lizenzanforderungen. Den Profi­fußball können und wollen sich nur die Wenigsten leisten

»Warum sollte ich das machen? Allein der Stadionumbau würde mich mehr kosten, als ich durch Fernsehgelder lukrieren könnte.« Raimund Harreither weiß, wovon er spricht. Der ehemalige Mäzen errang in der Saison 2009/10 mit dem FC Waidhofen/Ybbs den Meistertitel der Regionalliga Ost, verzichtete aber auf einen Lizenzantrag für die Erste Liga. Harreithers Aussage spiegelt eine gängige Meinung unter Österreichs Regionalligisten wider. Warum aufsteigen? Warum eine Lizenz beantragen? Für eine Liga, die sich der Klub nicht leisten kann oder will?

Beispiele dafür gibt es auch weiter westlich. Der FC Kufstein machte in der abgelaufenen Saison kein Hehl daraus, liebend gern in die Relegation zur Ersten Liga zu kommen, um die 50.000 Euro einzustreifen, die dem Verlierer dieses Duells zustehen. Am Aufstieg waren die Tiroler nicht interessiert. Beim SV Allerheiligen, über weite Teile der Saison Spitzenreiter der Regionalliga Mitte, kam es wegen der Aufstiegsfrage sogar zu Streitigkeiten innerhalb des Vorstands. Die eine Hälfte wollte den Antrag für die Bundesliga-Lizenz, Obmann Christian Gröss entschied sich jedoch dagegen. Es entwickelte sich eine peinliche Farce, weil Gröss seine Klubkollegen darüber lange im Unklaren ließ, dass er erst gar kein Gesuch eingereicht hatte. Nicht unähnlich die Vorgänge beim SC Ritzing aus dem Burgenland, der erst kurz vor Ende der Abgabefrist bemerkte, dass ein Antrag das Budget sprengen würde.

Neben den Kosten für die Infrastruktur dämpft vor allem der administrative Aufwand die Aufstiegslust der Regionalligisten. »Das Handbuch für den Lizenzantrag der Bundesliga ist mittlerweile 104 A4-Seiten dick«, sagt Hannes Auinger, Vizepräsident des Wiener Sportklub, dessen Antrag wegen Formalfehlern zurückgewiesen wurde. Seit zwei Saisonen müssen sämtliche Regionalligaklubs zudem eine Jahresbilanz vorweisen, um eine Spielgenehmigung für die dritte Liga zu erhalten. »Das kostet locker 5.000 bis 10.000 Euro«, polterte der Obmann des Floridsdorfer AC, Peter Eigl, schon bei der Einführung. Für externe Wirtschaftsprüfer war zuvor kein Budget vorgesehen, die Klubs fordern deshalb einen Beitrag zur finanziellen Entlastung. Die Wirtschaftsprüfer sollen von den Verbänden gestellt werden. Interessantes Detail am Rande: Anders als bei der Bundesliga mit ihrem Senat 5 gibt es für die Regionalligen keine unabhängige Instanz, die die Bilanzunterlagen prüft.

Prüfungen und Bauchweh
Doch dies ist nur ein Teil des Problems des Unterhausbetriebs: Jährlich steigen die Auflagen, die Betriebskosten werden einer Indexanpassung unterzogen, während die Einnahmen stagnieren. »Für gewisse Vereine ist das ein Ausschlusskriterium, wenn sie über halbprofessionellen Fußball nachdenken«, sagt Auinger. Für die restlichen Aufstiegskandidaten, die übrig bleiben und um eine Bundesliga-Lizenz ansuchen, gelten dieselben Anforderungen wie für die 20 Mitglieder der Profiliga. Der Senat 5 überprüft das Stadion, die Infrastruktur, das Budget. Und erneut muss ein Wirtschaftsprüfer eine Prognose erstellen, ob der Verein auf Kurs ist. Kostenpunkt: 20.000 bis 30.000 Euro. Was für große Vereine einen relativ geringen Budgetposten darstellt, tut dem Regionalligisten ungleich mehr weh. »Das Geld, das du in eine Lizenz steckst, ist nicht nachhaltig investiert. Es ist weg, wenn du nicht aufsteigst«, berichtet ein Funktionär eines steirischen Drittligisten.

Viele Klubs an der Spitze des Unterhauses blicken deshalb in eine düstere Zukunft. »Es geht in Richtung einer reinen Profipartie in den Bundesligen. Dort will keiner einen Amateurverein«, meint FAC-Boss Eigl. Tatsächlich geht die Schere zwischen den Ligen im österreichischen Unterhaus immer weiter auf. Der Sprung von der zweiten Verbandsliga in die oberste eines Bundeslandes ist schon immens, jener von dort in eine Regionalliga noch größer. Und alles, was darüber hinausgeht, übersteigt die Kapazitäten der meisten Vereine. »Die Erste Liga ist schwer zu finanzieren. Die meisten schaffen es mit Bauchweh und viel Augenzudrücken«, sagt Sportklub-Funktionär Auinger.

Die Bundesliga argumentiert, dass durch das aktuelle Lizensierungsverfahren Insolvenzen, wie sie in der Vergangenheit in der zweithöchsten Liga regelmäßig vorgekommen sind, verhindert werden. Weil die Vereine dazu gezwungen würden, sich eingehender mit der eigenen Finanzsituation zu befassen. Und weil ein hauptberuflicher Geschäftsführer sowie ein Angestellter für die Öffentlichkeitsarbeit und eine Bürokraft verlangt werden. Wie man am Beispiel FC Dornbirn sieht, haben sich die Probleme teilweise aber nur verlagert. Die Vorarlberger mussten nach dem Abstieg aus der Ersten Liga im Sommer 2010 Insolvenz anmelden - unter anderem wegen seiner unsicheren Finanzgebarung vor dem Aufstieg. Wegen nicht nachgewiesener Sponsorgarantien war den Dornbirnern die Profilizenz in den ersten zwei Instanzen verweigert worden, ehe das Ständig Neutrale Schiedsgericht das Urteil wegen eines Verfahrensfehlers aufhob.

Dritte Liga kein Thema
Dass angesichts dieser Situation heuer über die Schaffung einer dritten Profiliga diskutiert wurde, ist schwer nachvollziehbar. Sportklub-Vizepräsident Auinger sieht den Profistatus in der Zweitklassigkeit schon jetzt nicht gegeben: »Auch in der Ersten Liga gibt es viele Halbprofis, weil sie ihre Jobs nicht verlieren wollen oder es sich mit der Ausbildung nicht in Einklang bringen lässt.«

Im Zuge der Formatdiskussion wurde vonseiten des ÖFB, der Landesverbände, der Regionalligavereine und der Bundesliga eine Kompetenzplattform geschaffen, die als beratendes Gremium Stellung bezog. Ihr Auftrag war es, Entwicklungsoptionen der dritten Leistungsstufe zu bewerten, vor allem in Hinblick auf die Optimierung des Übergangs zwischen Amateur- und Profifußball. Im Mai wurde die Einschätzung der Plattform der ÖFB-Sportkommission übermittelt. »Die dritte Profiliga ist kein Thema«, erklärt Robert Sedlacek, Sprecher der Vereine im Osten und Präsident des Wiener Fußballverbandes, »die Regionalligen gehören gestärkt, davon profitiert auch die Bundesliga. « Der Grundtenor der Ostliga-Vereine sei einheitlich, so Sedlacek: »Die Regionalliga ist die richtige Ausbildungsliga.«

In der Empfehlung an die Sportkommission sprachen sich die Vertreter der Plattform mehrheitlich für eine zweite Leistungsstufe mit 16 Vereinen aus, in die auch maximal vier Amateurteams von Bundesliga-Vereinen aufsteigen dürfen. In diesem Modell wäre auch der Direktaufstieg der Meister aus der dritten Leistungsstufe gewährleistet. Die Bundesliga schloss sich der Empfehlung nicht an und stützte sich dabei auf eine Wirtschaftlichkeitsanalyse der Ligenformate von 2009 und einen Beschluss ihrer Klubs, der eine Änderung des Formats der Ersten Liga momentan unmöglich mache. Eine Reduzierung der Lizenzanforderungen hat die Bundesliga in der Debatte kategorisch ausgeschlossen.

Allerdings wurde Bereitschaft signalisiert, über eine Aufstockung zu diskutieren, wenn die Lizenzansuchen der Regionalligisten einen derartigen Bedarf erkennen lassen. Doch der ist momentan offensichtlich nicht gegeben. Von 48 Regionalligisten stellten heuer nur acht einen Lizenzantrag: Wattens und Anif im Westen, GAK, Blau-Weiß Linz und Pasching in der Mitte sowie Horn, Parndorf und der Wiener Sportklub im Osten. (Text: Clemens Gröbner)

 

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"... Von 48 Regionalligisten stellten heuer nur acht einen Lizenzantrag..."
korrekterweise muss man da aber die 9 bundesliga-amateurteams (wacker, rb, lask, sturm, altach, mattersburg, rapdi, austria, trenkwalder) abziehen - also 8 von 39 - und da schaut das verhältnis dann schon etwas anders aus.

von den 39 dann noch die Vereine abziehen die aus sportlicher Sicht die Lizenz ned beantragt haben ....

2 Regionalligen Ost/West mit jeweils einem direkten Aufsteiger.
Problem gelöst

Inwiefern würde das die beschriebene Lizenzproblematik lösen? Und: Wie verteilen Sie neun Landesligameister auf nur zwei Ligen? Wohl wieder mit einem Relegationssystem, nur eben eine Ebene tiefer.

Eine 4. Leistungsstufe die so aussehen würde:
Vbg/Tir Liga, Sbg / oö Liga, Ktn/ Stmk Liga, Wien/ Nö / Bgld Liga.
Ergibt 4-5 direkte Aufsteiger (ev. 2 für Wien /Nö/ B)
Eine 3. Leistungsstufe mit 2 Regionalligen und jeweils 18 Vereinen.
Die sportliche und finanzielle Herausforderung um Meister zu werden ist größer, der folgende Aufstieg in Liga 2 dafür einfacher.

Amateurfußball - gibts doch gar nicht

Na ja schon, aber nur in den untersten Ligen. Bereits in den Landesligen werden teilweise hohe Summen gezahlt, von den Regionalligen ganz zu schwiegen. Wer eine Trennung von Amateur- und Profifußball favorisiert, läuft einer Illusion nach. Tatsächlich versucht sich die Bundesliga (die 2. Liga ist Teil) gegen "unten" abzuschotten. Kein Direktaufstieg mehr. Die Reduktion auf 10 Vereine in der 2. Liga hat nur einen Grund: Fernsehgelder! Wenn ich das Argument vom Niveau höre, kann ich nur bitter lachen. Und dass die Schikanen für die Vereine Konkurse verhindern - ist Realitätsverweigerung schlechthin. Die "Großen" setzen einfach ihre Interessen durch - der Rest ist Blabla.

natürlich sind das auch professionell geführte Verein, trotz allem klafft eine riesige Lücke zwischen Regionalliga und 1. Liga, weniger sportlich als vielmehr finanziell. War kürzlich am FAC-Platz, FAC ist dzt. der 4. oder 5. stärkste Verein in Wien. Der Platz ist ja ganz nett, aber wie man dort 1.Liga-Spiel austragen will (von Bundesliga ganz zu schweigen) muss mir mal wer vorhupfen. Theoretisch ja, praktisch aufgrund der Auflagen (fernsehgerechtes Flutlicht, zweite Tirbüne, ...) kaum möglich.

Mehr ist dem nicht hinzu zu fügen. Die RL Kicker können schon durchaus allein mit dem "Aufwandsersatz" im Monat leben. Von dem her, von Amateurliga bei den RLs oder teils auch schon LLs zu reden ist lächerlich.

Ich kenne Vereine,

die bereits in der 2. Klasse (tiefer geht's net...) ausländische Spieler bezahlen...

warum nicht?

damals bekam ich in der 2. klasse auch als inländischer spieler eine "aufwandsentschädigung" von einer vignette und einem volltank (~90€).
betreibe dieses hobby immer noch gerne und lasse mir den "aufwand" auch entschädigen. der sprit ist nicht mehr so billig und 4x pro woche ca 50km fahren kostet immerhin schon einiges.

ich rede von

- Wohnung
- Auto
- Kohle. (Fixum und Prämien)

(Das gilt selbstverständlich auch für inländische Spieler)

Münchhausen !

letzte Dorfliga und Geld zahlen ??? seid ihr wahnsinnig liebe Nachbarn? das geht doch gar nicht, der schiri kostet doch schon mehr als man von den Zuschauern einnimmt! und Sponsoren in einem Dorf ?? Hab bei uns auch 20 Jahre immer 2./3. Liga von unten gespielt, Geld haben wir nie gesehen ! Das ist doch Hobby,wer soll den Blödsinn bezahlen ???

da bin ich

voll und ganz bei Ihnen: Es ist Wahnsinn. Und es ist real.

Janocko verdient in der Gebietsliga

8000 Netto im Monat. Bei der Summe geht sich das sicher nicht schwarz aus sprich 14 Gehälter mit was weiß ich für einen Bruttobetrag.

Sollte generell eingeführt werden, Amateurmannschaften spielen bis zum Regionalligameister und dann aus. kein Abstieg aus der 1. Liga. dann gibts auch keine Dorfkaiser, die glauben sie müssen ihre Vereine raufpuschen und spätestens ab der 1. Liga können sie sich das eh nicht mehr leisten (wenn ich das so an Bleiberg, Untersiebenbrunn u.ä. denke).
Insgesamt zwischen 20-24 Vereine für BL und 1. Liga, jedes Bundesland mit 1-3 Vereinen (Wien ev. 4) vertreten.
Falls ein Verein aus welchen Gründen auch immer aus diesem Kreis rausfällt, wird die freigewordenen Lizenz nach geographischen und finanziellen Kriterien neu vergeben.

@re-play -Das geht ja nicht mal als Ironie durch

Was spricht dagegen?

Und sonst gehts dir gut?

die Fussball-Planwirtschaft

Ja nach Konkurs/Finanzengpass wird zB wird die Lizenz nach Klagenfurt vergeben, aja das hatten wir schon mal...

Wenn die finanziellen Voraussetzungen gegeben wären, wäre es ja durchaus sinnvoll im Einzugsgebiet Klagenfurt/Villach zumindest einen 1-Liga-Verein zu haben.

Den hatten wir ja schon mal, der bekam ein Schmuckkastl und trotzdem ging niemand hin. Glaubst im 2. Konzeptplan würde das funktionieren?

hast du eine bessere Idee?

Das ist doch allemal schlauer, so wie es jetzt ist.

Jetzt hast du dort Regionalligisten die nicht aufsteigen wollen und Amateurmannschaften von Bundesligisten, die nicht aufsteigen dürfen. Wozu wird dann überhaupt noch eine Liga gespielt? Da reicht auch ein Juxturnier - hat den selben Effekt.

hm

eine gewisse natürlichkeit muss bestehen bleiben, sonst verliert es an reiz. traurig ist es ja, dass teams mit großem stadion und demnetsprechend vielen leuten absteigen und dorfclubs in der bundesliga spielen. irgendwas stimmt da nicht

Vom Amtsschimmel und dem gelernten Österreicher der jemanden braucht, der ihm sagt, wie was zu machen ist

Ernst Happel kam als alter kranker Mann, mit zahlreichen Erfolgen als Trainer aus Holland und Deutschland nach Österreich zurück und es wurde ihm mitgeteilt, dass er keine Lizenz als Trainer bekomme, weil seine Profilizenz in Österreich nicht anerkannt wird.
Okay, Caligula hat bekanntlich auch sein Pferd zum Minister gemacht. (Nach Überlieferungen soll das Pferd diesen Job gar nicht so schlecht gemacht haben! ;0P)

Wie beim Eishockey machen...

...denke langfristig gestehen muß man wieder einmal die Idee einer gemeinsamen Liga mit angrenzenden Ländern in Betracht ziehen. Gerade in dieser globalisierten Welt. Wenn man sich ansieht das auch in der Schweiz, Ungarn usw. ähnliche Probleme hinsichtlich Leistungsdichte und Finanz herrschen, müssen hier mMn die Kräfte gebündelt werden. Auch für Sponsoren wären Engagements mit Werbewirksamkeit über die Grenzen hinaus interessanter. Die Stadien wären auch voller, es wäre einfach internationaler. Basel, GZ, Ferencvaros, Sparta Prag, etc. Alles "große" Namen. Für die EC Teilnahme wäre dann halt der jeweils beste Verein des Landes qualifiziert. Auf und Abstieg wären auch regional zu regeln, mit einer 2.Liga als Sprungbrett...forts.folgt...

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