Jüngstes Dinosaurierfossil könnte aus letztem Jahr vor Tag 0 stammen

13. Juli 2011, 14:08
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Fund in Montana schließt zeitliche Lücke und stützt These vom Asteroideneinschlag

Paris - Seit dem 19. Jahrhundert rätselten Wissenschafter darüber, warum die Dinosaurier ausgestorben sind - in den vergangenen 30 Jahren hat sich allmählich die Hypothese durchgesetzt, dass ein Asteroideneinschlag und die von ihm ausgelöste rapide Klimaabkühlung dafür verantwortlich waren. Immer mehr geologische Indizien hatten dies gestützt: So fanden Wissenschafter in einer Sedimentschicht an der Grenze von Kreidezeit und Tertiär ("KT-Grenze") hohe Konzentrationen von Iridium - einem Metall, das es auf der Erde kaum gibt, wohl aber in Meteoriten. Ort des Einschlags vor 65 Millionen Jahren war aller Wahrscheinlichkeit nach der 180 Kilometer große Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Doch nicht alle Paläontologen schlossen sich dieser Meinung an: Eine Minderheit sieht die Ursache in massivem Vulkanismus am Ende der Kreidezeit, der die Umweltbedingungen so sehr verschlechtert haben soll, dass die Dinosaurier über einen längeren Zeitraum hinweg ausstarben - und (mit Ausnahme der Vögel) bereits von der Erde verschwunden waren, bevor der Asteroid einschlug. Als einen ihrer wichtigsten Belege führten sie die "Drei-Meter-Lücke" an - denn bislang waren in einer drei Meter dicken Sediment-Schicht, die aus der Zeit unmittelbar vor der KT-Grenze stammt, keine Dinosaurier-Fossilien gefunden worden.

Lücke auf beinahe Null geschrumpft

Doch das hat sich nun geändert: Forscher der Yale-Universität fanden ein 45 Zentimeter langes versteinertes Horn eines Ceratopsiden - wahrscheinlich von einem Triceratops - in den Bergen des US-Staates Montana. Und es entpuppte sich als das vermutlich jüngste jemals entdeckte Dinosaurierfossil. Das Horn wurde 13 Zentimeter unterhalb der geologischen Schicht entdeckt, die den Anfang der KT-Periode kennzeichnet. Die zeitliche Lücke ist damit geschlossen - laut Forschungsleiter Tyler Lyson könnte bloß ein Jahr zwischen dem Tod des Tiers und dem Einschlag gelegen haben.

Damit sei erwiesen, dass die Saurier vor dem Meteoriteneinschlag noch nicht ausgestorben waren, sagt Lyson. Nach seiner Überzeugung bestätigt der Fund somit die Theorie, dass der Temperatursturz nach dem Meteoriteneinschlag den Dinosauriern zum Verhängnis wurde. (red)

  • Die Süßwasserschildkröte der Gattung Boremys sitzt auf einem Schädel des Dinosauriers Triceratops nach dem Meteoriteneinschlag.
    illustration: brian roach

    Die Süßwasserschildkröte der Gattung Boremys sitzt auf einem Schädel des Dinosauriers Triceratops nach dem Meteoriteneinschlag.

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