Pilotprojekt

"Wiener Schule der Zukunft" für Sechs- bis 15-Jährige

13. Juli 2011, 12:35

Start für Schuljahr 2012/13 geplant - Lehrer und Schulleiter sollen selbst entwickeln - Brandsteidl wünscht sich "Sternderlschule in Wien"

Wien - Am gemeinsamen Standort der Volksschule Kleistgasse und der Kooperativen Mittelschule (KMS) Kölblgasse in Wien-Landstraße soll bis Herbst 2012 die erste "Wiener Schule der Zukunft" entstehen. Das Pilotprojekt soll eine gemeinsame Schule für Sechs- bis 15-jährige mit moderner Pädagogik sein, wobei das letzte Jahr der Berufsorientierung dient. Wie genau diese Schule inhaltlich aussehen wird, ist noch nicht fix. Das Konzept sollen die Lehrer und Direktoren am Standort bis Dezember selbst erarbeiten, betonte Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ), der das im rot-grünen Koalitionsabkommen fixierte Projekt am Mittwoch mit Grünen-Gemeinderat Christoph Chorherr und Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) präsentiert hat.

Die Sechs- bis 15-Jährigen sollen jedenfalls von einem gemeinsamen Lehrkörper "mit einem gemeinsamen Pädagogischen Fokus" unterrichtet und nachmittags betreut werden, so Brandsteidl. "Das ist eine neue Schulform, die wir in dieser Form in Wien und in Österreich noch nicht haben." Ziel soll sein, dass der Großteil der rund 170 Volksschüler, die aus 40 verschiedenen Nationen kommen, auch an der KMS am Standort bleiben, die bis dahin zu einer Wiener Mittelschule (WMS) aufgewertet werden soll.

Kreativitätspotenzial der Lehrer heben

Mit einem neu zu entwickelnden neunten Schuljahr nach Vorbild der in Wien bereits bestehenden Fachmittelschule sollen die Schüler bei der Berufswahl unterstützt werden, damit "nicht jedes Mädchen Friseurin und jeder Bursche Kfz-Mechaniker werden will" (Chorherr). Der Wechsel an höhere Schulen nach dem achten Schuljahr ist aber weiter möglich.

Ziel des Projekts ist es laut Brandsteidl die "Sternderlschule in Wien" zu werden - und zwar ohne zusätzliche Geldmittel und Lehrer, wie sie betont. "Wir gehen ganz bewusst davon aus, dass es keine Sonderform ist." Sowohl der Bau vom Anfang des 20. Jahrhunderts als auch etwa der Anteil an Risikoschülern beim Wiener Lesetest sei typisch für eine "normale" Wiener Schule. Es bleibe auch innerhalb der geltenden Gesetzesgrenzen, so Oxonitsch. Denn schon jetzt gebe es viel Raum für Autonomie, etwa die Möglichkeit 50-Minuten-Einheiten abzuschaffen. Man wolle nun "das Kreativitätspotenzial" der Lehrer heben.

Ob es an der "Schule der Zukunft" nur gemeinsame Projekte der Schüler geben wird oder ob Volksschullehrer Schüler der WMS und WMS-Lehrer Volksschüler unterrichten, sollen Lehrer und Direktoren gemeinsam mit einem externen Schulentwickler entscheiden. Vom Chor über alle Altersgruppen bis zu Mehrstufenklassen, die von Schülern unterschiedlichen Alters besucht werden, ist für Brandsteidl alles vorstellbar. Chorherr sieht die Schule auch als Möglichkeit, Kritikern der Gesamtschule zu beweisen, dass in diesem Modell sowohl Förderung schwacher als auch begabter Schüler möglich sein wird. "Ich hoffe, dass das ein Impuls für das gesamte Wiener Schulwesen sein kann." (APA)

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11 Postings
moki328
00
2.12.2011, 08:01
Das hört sich toll an, dieses Projekt!

Sehr spannend! Sehr schön! Ich bin sehr froh, dass endlich mal was wirklich Spannendes in die Wege geleitet wird, wofür noch nicht alles im Vorhinein ausgeplant wird. So können Prozesse entstehen, die viel gutes bewirken! Ich wünsche Direktoren, Lehrern, Schülern und Eltern viel Freude und Erfolg!

Barbara G
00
11.10.2011, 21:17
eigenartiges System in Österreich

trotz der 9jährigen Schulpflicht (diese zu erhöhen wäre vielleicht gar nicht schlecht,...) gibt es derzeit keine einzige Schule, die 9 Jahre dauert - .... Stress nach 4 Jahren Volksschule (Übertritt in AHS nur mit lauter 1sern möglich), dann wieder Stress nach 4 Jahren (wohin jetzt?) und vielleicht dann nochmal Ratlosigkeit nach diesen 4 Jahren - wo soll ich jetzt das 9. Jahr machen??? Ich stelle mir schon seit Jahren die Frage, ob nicht weniger Auswahl mehr Wert hätte. Warum nicht 9 Jahre für alle SchülerInnen gemeinsam und dannach erst die Qual der Wahl?

Barbara P. Maier
00
23.7.2011, 14:32
WOW - WMS statt KMS!

... und alles wird gut ...

Super Saubär
02
20.7.2011, 12:16
Kostenneutralität

dürfte im Bildungsbereich die vordringlichste Prämisse für jede Maßnahme sein!

Nur, das wird's nicht spielen! Wenn Chorherr das an einer "typischen" Pflichtschule, d.h. einer Schule mit typischem Türkenanteil und typischen Lehrer/Schüler-Verhältnis (1:30 bis 1:35) durchziehen will, wird er mit Bomben und Granaten scheitern.

Die Lehrer an dieser Schule kann er dann auf einer psychosomatischen Abteilung zum Erfahrungsaustausch treffen, wenn sie sich ihr BurnOut-Syndrom behandeln lassen!

Wobei die Idee wohlgemerkt alles andere als schlecht ist!!! Nur muss man dazu Geld in die Hand nehmen! Kostenneutral geht da gar nix!

Denker9
00
20.7.2011, 10:52

Das sinnvollste an diesem Projekt ist, dass die Kinder das 9. Schuljahr an der selben Schule absolvieren können!

LL MM
00
18.7.2011, 11:46

"Es wird keine zusätzlichen Mittel geben...."

Naja, das wird kaum einer nachprüfen können. Wer diesen Stunden- und Finanzierungsdschungel kennt, weiß das.

AlBundyFan
 
03
14.7.2011, 15:41
"Chorherr sieht die Schule auch als Möglichkeit, Kritikern der Gesamtschule zu beweisen, dass in diesem Modell sowohl Förderung schwacher als auch begabter Schüler möglich sein wird"

ich glaube durchaus zu 100%, daß dies in einer gesamtschule möglich wäre...

nur in unserer nicht in der das oberste prinzip die kostenneutralität ist.
wie soll die förderung der starken und schwachen und die glz. unterricht für den großen standard mit genau dem gleichen lehrer/schülerverhältnis möglich sein?
solange man dies nicht kapiert und akzeptiert, daß eine solche schule mehr kostet als 1/Lehrer vor 30 Schülern kostet, wird es nix.

singing princess
00
14.7.2011, 08:43
die zukunft findet JETZT statt!

schon wieder ein best practice projekt - ist eh fein, aber langsam wird es schon zeit für mehr! hier eine neue schule, dort ein neues projet... mit dieser salamitaktik kommen wir halt leider nicht vom fleck! bis die dort was auf die reihe kriegen und das dann evaluiert wird, haben wir 2020.
leute, so geht's nicht, wir brauchen eine minsiterin, die sich mehr traut als eine "sternderlschule".
willkommen im teletubbierland.

Schurli Schorsch
 
14
13.7.2011, 18:35

warum tauft man nicht gleich auf AMS um? dort landen die absolventen dieser schulen in wien sowieso eher früher als später...

rita2
21
13.7.2011, 19:48

dort landen SIE, wahrscheinlich.
eben, es ist sehr wichtig zu beweisen, wie kreativ und effizient eine moderne schule sein kann.
es ist schwierig zu argumentieren, wenn man sich andauern auf schulen, wie z.b.
sudbury valley school berufen muss.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sudb... ley_School

die schule der zukunft, in wien wird natürlich nicht so weit gehen, aber immerhin ein (hoffentlich großer) schritt in die richtige richtung.
theater als schwerpunkt, in kombination mit sprachen ist besonders wertvoll und iwird von den meisten schulen bewußt gemieden.

rita2
10
13.7.2011, 19:35
nein,

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