Wiener Linien hatten keinen Plan B

Interview13. Juli 2011, 10:56
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Die U6 war vom Westbahnhof bis zur Alser Straße komplett gesperrt - Wiener-Linien-Pressesprecher Michael Unger über schlechtes Mauerwerk und Broschüren gegen unzufriedene Kunden

derStandard.at: Was genau ist bei der Renovierung der U6-Station Josefstädter Straße passiert?

Unger: Nach Beginn der Baurbeiten ist man draufgekommen, dass der Renovierungsbedarf um ein Vielfaches größer ist als erwartet. Das Mauerwerk ist so schlecht, dass bei der Sanierung mehr Platz benötigt wird. Manche Arbeiten müssen vom Gleisbereich und von der Bahnsteigkante aus durchgeführt werden - daher ist kein Durchfahren der Züge mehr möglich.

derStandard.at: Warum ließ sich das nicht früher eruieren - hat der Bauträger versagt?

Unger: Man hat eben nicht in das Mauerwerk hineinschauen können, solange die Station noch voll in Betrieb war. Erst jetzt hat man erkannt, wie der Stand der Dinge tatsächlich aussieht - und daher konnten wir nicht anders reagieren.

derStandard.at: Lag der Plan B für den Ersatzverkehr mit der Straßenbahnlinie E (siehe Meldung, Anm.) bereits in der Lade oder wurde dieser spontan erstellt?

Unger: Nein, diesen Plan B hat es nicht gegeben, daher mussten wir eine möglichst schnelle und effiziente Lösung finden. Wir haben zwar im Sommer um ein Viertel weniger Fahrgäste, stehen aber weiterhin vor einer großen logistischen Herausforderung. Wir drucken gerade Broschüren und werden diese in den nächsten Tagen verteilen. Wir kündigen die Änderungen auch über alle möglichen Kanäle an: direkt an den Stationen, über Internet und die Medien.

derStandard.at: Die Kundenzufriedenheit wird unter dem Teilausfall einer so wichtigen Linie leiden - wie versucht man in dieser Hinsicht zu kalmieren?

Unger: Neben den Info-Kampagnen bitten wir die Leute eindringlich, großräumig auszuweichen: etwa über die U3, U4 oder die Vorortelinie S45. Der Ersatzverkehr ist nur eine provisorische Maßnahme und kann eine U-Bahnlinie nicht komplett ersetzen. Es wird auf der Strecke sicher zu Verzögerungen kommen und da bitten wir um Verständnis. (mob, derStandard.at, 12.7.2011)

  • Die Probleme bei der Sanierung der U6-Station Josefstädter Straße zwingen die Wiener Linien zu einem umständlichen Ersatzverkehr.
    foto: benedikt narodoslawsky

    Die Probleme bei der Sanierung der U6-Station Josefstädter Straße zwingen die Wiener Linien zu einem umständlichen Ersatzverkehr.

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