2x7=14

Blog13. Juli 2011, 13:19
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Die Zahl 7 war für Ben Ali eine Art Glückszahl - Jetzt ist sie aus dem Leben der Tunesier verschwunden

Im Reich des gestürzten tunesischen Staatschef Zine El Abidine Ben Ali drehte sich alles um die Zahl 7. Das Staatsfernsehen hieß TV7, die Inlandsfluggesellschaft wurde am 7.7.07 auf den Namen Sevenair getauft. Briefmarken mit der Zahl wurden aufgelegt, Geldscheine schmückte eine stilisierte 7, und den Personalausweis sieben Tauben. Plätze wurden mit sieben Bäumen bepflanzt. Doch damit nicht genug: In jeder Stadt gab es eine Rue du 7 Novembre oder einen Platz gleichen Namens, Hotels, Restaurants, Blumengeschäfte ... viele Privatunternehmer taten es dem Staate gleich. Die 7 war für Ben Ali eine Art Glückszahl und für die Tunesier der ständige Hinweis, wer das Sagen im Land hatte.

Denn es war der 7. November 1987 als Ben Ali seinen Ziehvater, den ersten Präsidenten des unabhängigen Tunesiens Habib Bourguiba, mit einem Staatsstreich entmachtete. Sieben Ärzte erstellten ein Attest, dass Bourguibas Unfähigkeit bescheinigte, weiter in der Lage zu sein, die Geschicke Tunesiens zu lenken. Fortan galt der 7. November als der Tag des Wechsels. Er wurde zum Feiertag und verdrängte den 20. März, den Tag der Unabhängigkeit.

Die Zahlenspiele des Großen Bruders gefielen den Tunesiern nicht. Als Windows 7 auf den Markt kam, machte der Witz die Runde, Bill Gates hätte sich jetzt Ben Ali veschrieben. Und die französische Tageszeitung Libération erzählt von einer besonders brisanten Begebenheit. Ein übereifriger Metzger nannten seinen Laden "Schlachterei des 7. November". Die Passanten amüsierten sich, die Polizei gab Befehl zur Namensänderung. Im Jahr 2007 entstand gar eine Facebook-Gruppe "gegen den lächerlichen Kult um die 7" . 2008 wurde die Seite vorübergehend gesperrt.

Jetzt nach der Revolution ist die 7 aus dem Leben der Tunesier verschwunden. TV7 wurde zum Tunesischen Nationalen Fernsehen, Sevenair zu Tunisair Express. Die Geschäftsleute besinnen sich auf Jasminen, ihren eigenen Vornamen oder der von Frau oder Tochter. Und die Straßen und Plätze des 7. November wurden entweder in Mohamed Bouazizi umbenannt - nach dem Mann, der mit seiner Selbstverbrennung die Proteste auslöste, die letztendlich Ben Ali zu Fall brachte - oder sie heißen Platz des 14. Januar, nach dem Tag der Revolution. "Doppelsieben" scherzen die Tunesier gerne.

  • Der ehemalige Platz des 7. November in Tunis.
    foto: reiner wandler

    Der ehemalige Platz des 7. November in Tunis.

  • Artikelbild
    foto: reiner wandler
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