Das Leben nach der Vergewaltigung: geht weiter

Leserkommentar13. Juli 2011, 10:14
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Für Catherine Millet ist eine Vergewaltigung nicht das Schlimmste, was einer Frau passieren könne. Doch wie kann man weiterleben?

Dominik Strauß-Kahn alias DSK - nach KHG, HPM und VdB hat die österreichische Vorliebe für Politiker-Akronyme offenbar auch den Rest der Welt erreicht - ist auf freiem Fuß. Das Guinea-Girl hat eine zwielichtige Vergangenheit und Gegenwart und wollte "Geld aus dem Franzosen machen". Ob die sexuellen Handlungen im Einverständnis stattfanden, ist noch immer nicht juristisch entschieden.

Doch ob DSK das Zimmermädchen vergewaltigt hat, ist nicht Gegenstand dieses Kommentars. Auch ob sich der Fall mit Kachelmann und anderen vergleichen lässt, und ob neuerdings die Sexsucht unter den mächtigen Männern ausbricht, ist hier nebensächlich. Nur eines vorweg: mit Julian Assanges Fall ist DSK sicherlich nicht zu vergleichen. Hierbei wurde der Vergewaltigungsbegriff auf perverse Weise verkehrt und läuft Gefahr inflationär verwendet zu werden, was als Zynismus gegenüber Opfern echter Vergewaltigungen gewertet werden muss.

Abgrund Mann

In der Coverstory "Abgrund Mann" des Magazins profil schockiert Catherine Millet, die mit ihrem Erlebnisbericht über ihr Sexleben zur Skandalautorin wurde, die Leserschaft. Im Interview meint sie, man solle nicht so tun, als ob eine Vergewaltigung das Schlimmste sei, was einer Frau passieren könne. Schließlich werde man dabei nicht getötet! Man könne "danach aufstehen, sich waschen und das Leben wieder aufnehmen."

Was in ihrem Statement hartherzig, provokant und zynisch anmutet, hat vielleicht einen wahren Kern. Vergewaltigung ist, was die Gesellschaft daraus macht. Ist die auf immer zerstörte Seele, die lebenslanger Psychotherapie und vielleicht der Rache in Form von lebenslanger Inhaftierung des Täters bedarf, nicht die westliche aufgeklärte Version der in rückständigen (nicht nur in muslimischen!) Gesellschaften ausgesprochenen Empfehlung, die vergewaltigte Frau solle sich das Leben nehmen, da ihre Ehre ohnehin unwiderruflich verloren sei? (Leser-Kommentar, Sabine Laimbach, derStandard.at, 13.7.2011)

Autorin

Sabine Laimbach ist Sozialarbeiterin.

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