Schub für Gesundheitspolitik

22. Mai 2003, 19:53
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Grünewald fordert langfristig wirksame Investitionen

Wien - "Gesundheitspolitik braucht auch ,Anschubfinanzierung', die langfristig und nachhaltig wirkt und so Einsparpotenziale lukriert." Der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, fordert vor dem Hintergrund der Debatte um die geplanten Selbstbehalte eine Gesundheitspolitik, die mehr ist als "schnelle Geldbeschaffung ohne gesellschaftspolitische Effekte".

Zu den von der Regierung gewollten Selbstbehalten meint Grünewald, im Zivilberuf Krebsspezialist, pragmatisch: Die bestehenden Selbstbehalte seien zumindest für alle Versicherten österreichweit zu harmonisieren, parallel dazu müssten aber unbedingt auch die Beitragssätze und Leistungen der Kassen vereinheitlicht werden. Er ist aber strikt dagegen, neue Selbstbehalte als "zusätzliche Einnahmenquelle" anzuzapfen, da dadurch "das Solidarsystem infrage gestellt wird".

Wer Gesundheitskosten nachhaltig senken wolle, müsse Maßnahmen setzen, die das konkrete Lebensumfeld der Menschen verbessern. Denn, so Grünewald, "80 Prozent der Einflussfaktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen, liegen außerhalb des konventionellen medizinischen Handlungsfeldes". Einkommen, Bildung, Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie Umweltfaktoren und das soziale Umfeld seien Hauptindikatoren für Krankheiten. Dort müsse "Gesundheitspolitik als Querschnittsmaterie" ansetzen, um strukturelle Veränderungen - auch durch Investitionen - zu schaffen, die langfristig Einsparungen bringen.

So seien 60 Prozent der Krankenstände durch Probleme des Stütz- und Bewegungsapparats (etwa Rückenschmerzen) verursacht. Prävention könnte hier gegensteuern und würde sich finanziell bemerkbar machen, sagt Grünewald. Großen Bedarf für eine vorausschauende Gesundheitspolitik sieht er auch in der Versorgung psychisch Kranker. Die Betroffenen hätten durchschnittlich eine fünf- bis sechsjährige Odyssee von einem Arzt zum nächsten zu absolvieren, bis sie überhaupt eine Diagnose und Therapie bekämen. (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2003)

  • Kurt Grünewald: Wer Gesundheitskosten nachhaltig senken wolle, müsse Maßnahmen setzen, die das konkrete Lebensumfeld der Menschen verbessern.
    foto: standard/matthias cremer

    Kurt Grünewald: Wer Gesundheitskosten nachhaltig senken wolle, müsse Maßnahmen setzen, die das konkrete Lebensumfeld der Menschen verbessern.

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