Anklage wegen Landfriedensbruch

22. Mai 2003, 13:12
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Das Testspiel zwischen Rapid Wien und Arsenal London im Eisenstädter Lindenstadion am 27. Juli 2002 hat ein gerichtliches Nachspiel

Wien - Es hätte ein Fußball-Fest werden sollen, doch das Freundschaftsspiel zwischen Rapid Wien und dem aktuellen englischen Vize-Meister und Cupsieger Arsenal London, das am 27. Juli 2002 im Eisenstädter Lindenstadion 11.400 Zuschauer anlockte, endete mit einem Eklat. Das Match musste in der 69. Minute abgebrochen, die Spieler unter Polizeischutz in die Kabinen gebracht werden. Einige gewalttätige Rapid-Fans hatten randaliert, Sicherheitskräfte attackiert, friedliche Zuschauer derart bedrängt, dass diese aus Angst aufs Spielfeld flüchteten.

Bis zu zwei Jahren Haft

Für 13 so genannte Fußball-Fans wird es in diesem Zusammenhang demnächst ein Nachspiel geben - allerdings nicht im Stadion, sondern im Wiener Jugendgericht. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Burschen und Männer im Alter zwischen 17 und 36 Jahren, die zu den Fan-Gruppen "Ultras" bzw. "Alte Garde" zählen sollen, Anklage in Richtung Landfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt erhoben. Sollte es zu Schuldsprüchen kommen, haben sie mit bis zu zwei Jahren Haft zu rechnen.

Vermutlich geplante Tat

Folgt man der Anklageschrift, dürften zahlreiche Rapid-Anhänger von Haus aus gar nicht aus sportlichen Erwägungen ins Burgenland gefahren sein. "Man hatte offensichtlich vereinbart, Polizei und Gendarmeriebeamte zu provozieren", heißt es in dem Schriftstück. Neben den 13 Ausgeforschten hätten "mindestens 150 unbekannt Gebliebene wissentlich an der Zusammenrottung einer Menschenmenge teilgenommen, die darauf abzielte, eine Körperverletzung oder schwere Sachbeschädigung zu begehen".

Auf die Bullenschweine!"

Zunächst kam es in der zweiten Spielhälfte unter den Fans zu Tätlichkeiten, ehe mit den in der Anklage zitierten Worten "So eine Chance haben wir nie wieder! Auf die Bullenschweine!" gemeinsam auf die Sicherheitskräfte losgegangen wurde. Diese wurden mit Heurigenbänken, Mülltonnen, vollen und leeren Getränkedosen und Holzlatten beworfen und geschlagen. 30 Beamte wurden eingekreist und aus dem Stadion getrieben. Unbeteiligte Zuschauer entkamen der Horde, indem sie auf den grünen Rasen liefen.

Geschockte Arsenal-Spieler

Der Schiedsrichter pfiff das Match darauf vorzeitig ab, da er nicht mehr für die Sicherheit der Spieler garantieren konnte. Arsenal - dank der auch nicht immer liebevollen englischen Fußball-Fans vermutlich einiges gewöhnt - zeigte sich danach von den Vorgängen geschockt. Das Team, das sich damals auf Trainingscamp in Bad Waltersdorf befand, blies ein geplantes Freundschaftsspiel gegen TSV Hartberg kurzerhand ab, um nicht noch ein Mal in unliebsamen Kontakt mit rabiaten österreichischen Anhängern zu kommen.

"Die wollten nur randalieren"

Die vorliegende Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Karl Bernhauser erwägt, dagegen Einspruch einzulegen, wie er am Donnerstag andeutete. Den Beschuldigten wäre es nicht darauf angekommen, jemanden zu verletzten oder etwas kaputt zu machen: "Die wollten nur randalieren. Das ist alles."(APA)

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    Das Spiel in Eisenstadt musste vorzeitig abgepfiffen werden.

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