Slowenien: Nationalistenchef plant Konferenz zu Adria-Neuaufteilung

23. Mai 2003, 11:58
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Mit Experten und Vertretern der jugoslawischen Nachfolgestaaten in Belgrad - "Zurückbekommen, was Kroatien geschenkt wurde"

Belgrad - Der slowenische Nationalistenführer Zmago Jelincic will am 20. September in Belgrad eine internationale Konferenz über die Neuaufteilung des früheren jugoslawischen Anteils am Adriatischen Meer ausrichten. "Wir müssen zurückbekommen, was uns die kommunistischen Machthaber nach dem Zweiten Weltkrieg weg genommen und den Kroaten geschenkt haben", sagte Jelincic am gestrigen Mittwoch gegenüber der slowenischen Nachrichtenagentur STA. Jelincic hatte bereits im März in einem APA-Gespräch seine Pläne angedacht und unter anderem die gesamte kroatische Halbinsel Istrien als "slowenisch" bezeichnet.

An der Konferenz sollen Vertreter der jugoslawischen Nachfolgestaaten Serbien-Montenegro, Bosnien-Herzewogina, Slowenien sowie Russlands, Italiens, Bulgariens und internationaler Institutionen teilnehmen. Welche Personen konkret teilnehmen werden, wollte der Vorsitzende der oppositionellen Slowenischen Nationalpartei (SNS) nicht sagen. Er sprach lediglich von "führenden Rechtsexperten Europas", von denen er Zusagen erhalten habe.

Jelincic sagte, dass die Fragen der Nachfolge des Adriatischen Meeres sowie der Grenzen zwischen den früheren jugoslawischen Teilrepubliken noch nicht gelöst worden seien. Seiner Ansicht nach ist die Adria nach dem Sieg gegen den Faschismus im Zweiten Weltkrieg Jugoslawien zugefallen. "Wenn wir das Gold in den Schweizer Banken aufteilen, dann müssen wir als Gegenstand der Sukzession auch die Frage des Adriatischen Meeres öffnen. Das heißt, dass sich Kroatien einem großen Teil des Meeres entsagen wird müssen und auch Serben und Bosnier einen Zugang zum offenen Meer erhalten müssen". Konkret sprach er auch die Küstenstadt Zadar an, auf die Italien Ansprüche anmelden werde.

Während die Bewohner Sloweniens, Bosnien-Herzewoginas, Serbiens und Montenegros Widerstand gegen die deutschen und italienischen Besatzer geleistet hätten, hätten die Kroaten den faschistischen Unabhängigen Staaten Kroatien (NDH) geschaffen, die im Zweiten Krieg an der Seite der Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan gekämpft habe. Daher wolle man auf der Konferenz auch über die Frage von Kriegsentschädigungen verhandeln.

In der Zwischenkriegszeit gehörten Istrien, Zadar sowie die dalmatinischen Inseln zu Italien. Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg musste Italien diese Gebiete dem siegreichen Jugoslawien abtreten. Slowenien und Kroatien streiten seit mehr als zehn Jahren um die Grenzziehung in der Adria-Bucht von Piran. Knackpunkt ist vor allem die Forderung Sloweniens nach einem Zugang zum offenen Meer. Der kroatische Präsident Stipe Mesic hat kürzlich vorgeschlagen, im Adriatischen Meer zwei "ausschließliche Wirtschaftszonen" zu proklamieren, in denen Italien und Kroatien die Aufsicht hätten.(APA)

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