"Wenn ich den Helm abnehme, fällt der Kopf auseinander"

19. Juli 2011, 13:54
  • Ein Motorradunfall - und plötzlich ist man mittendrin. "Nicht den Helm abnehmen! Das darf nur der Arzt", warnen die Unfallzeugen.
    derstandard.at/tinsobin

    Ein Motorradunfall - und plötzlich ist man mittendrin. "Nicht den Helm abnehmen! Das darf nur der Arzt", warnen die Unfallzeugen.

  • "Mein Wissensstand ist, dass beim Abnehmen des Helms  noch nie jemandem der
 
Kopf auseinander gefallen ist. Das Risiko zu ersticken ist dagegen bewiesenermaßen gegeben. Und die Folge von Ersticken ist der Tod", verdeutlicht Frido Schrott und zeigt, wie man es richtig macht.
    derstandard.at/tinsobin

    "Mein Wissensstand ist, dass beim Abnehmen des Helms noch nie jemandem der Kopf auseinander gefallen ist. Das Risiko zu ersticken ist dagegen bewiesenermaßen gegeben. Und die Folge von Ersticken ist der Tod", verdeutlicht Frido Schrott und zeigt, wie man es richtig macht.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Ersthelfer einem Verunfallten beim Abnehmen des Helmes das Genick bricht - Mythen der Lebensrettung Teil 3

Seit Generationen heizt ein hartnäckiges Gerücht die Fantasie an: "Wenn man einem Motorradlenker nach einem Unfall den Helm runter nimmt, fällt der Kopf auseinander." Damit nicht genug, hört der Sanitäter und Lehrbeauftragte im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes Frido Schrott in seinen Kursen auch des Öfteren: "Die Schädeldecke bleibt im Helm kleben. Der Nacken bricht. Ich verursache eine Querschnittslähmung. Deshalb darf nur ein Arzt den Helm abnehmen."

"Viele Kursteilnehmer erzählen mir: 'Aber dem Schwager des Nachbarn meines Bruders ist genau das passiert‘', berichtet Schrott aus der Praxis und setzt fort: "Aber mein Wissensstand ist, dass noch nie jemand beim Abnehmen des Helms der Kopf auseinander gefallen ist. Tatsache ist, dass die Person mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ersticken kann, wenn sie ohne Bewusstsein ist und ich den Helm nicht abnehme. Klar kann der Kopf verletzt sein, aber umso verletzter der Betroffene ist, umso eher müssen wir ihm den Helm abnehmen. Nur so können wir seinen Kopf schonend zur Atemkontrolle überstrecken, bei Atem-Kreislaufstillstand reanimieren oder bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen. Wir werden ihm nicht den Nacken brechen. Wenn man sich beim Frisör die Haare waschen lässt, läuft man ja auch nicht Gefahr, den Nacken gebrochen zu bekommen."

Angst vor Querschnittlähmung

"Das große Risiko zu ersticken, muss man mit dem verschwindenden Risiko einer Querschnittlähmung aufrechnen", erklärt Frido Schrott die Tatsachen. "Wenn sich herausstellt, dass ein Motorradfahrer nach einem Unfall querschnittgelähmt ist, muss man sich als Ersthelfer - und zwar am Besten bevor man beginnt, sich Vorwürfe zu machen - fragen: Wie ist das passiert? Beim vorsichtigen Abnehmen des Helms? Oder beim aus der Kurve Fahren mit 120 km/h? Ich sage immer: Wenn ihr glaubt, dass ihr als Ersthelfer die Ursache für eine Querschnittlähmung seid, dann habt ihr ein ziemlich egozentrisches Weltbild.

Auch auf die Gefahr hin, dass man am Unfallort von Helfern, Freunden und Verwandten des Unfallopfers angeschrien wird, muss man den Helm abnehmen. Es gibt nur einen einzigen Grund, den Helm nicht abzunehmen: Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist und das nicht will", schließt der Wiener Rotkreuz-Sanitäter seinen dritten Teil der Mythen der Lebensrettung. (Eva Tinsobin, derStandard.at/19.07.2011)

>> Der Helm muss vom Kopf! Wie geht das?

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Seit wann muss man zur Atemkontrolle den Kopf des Bewusstlosen überstrecken??

"Nur so können wir seinen Kopf schonend zur Atemkontrolle überstrecken"

Beim meinem letzten Ersthelferkurs wurde vom Ausbilder gelehrt, dass das Überstrecken nicht mehr dem neusten Stand entspricht.

Es ist aber doch wohl möglich, dass der Bewusstlose auch ohne Überstrecken atmet. Dann ist das Überstrecken nicht zur Kontrolle sondern allenfalls als Vorsichtsmaßnahme nötig.

Aha?

Und was dann? Was soll die Zunge stattdessen daran hindern, die Atemwege zu verlegen?

Ich kann Ihnen gerne die aktuell gültigen internationalen Guidelines zukommen lassen, hier steht nichts davon, dass das Überstrecken nicht mehr state-of-the-art ist.

Vielleicht könnten Sie mir mitteilen wo und wann Sie diesen Kurs genossen haben.

Hallo,

ich habe mich nach Ihrem Einwand mit dem Ausbilder in Verbindung gesetzt, der Ihre Ansicht bestätigt.

Dazu Sektion 2 der Leitlinien zur Reanimation 2010 des European Resuscitation Council, S. 526:

"Wenn der Patient nicht reagiert:
Rufen Sie um Hilfe.
Drehen Sie den Patienten auf den
Rücken und machen Sie dann die
Atemwege durch Überstrecken des
Halses und Anheben des Kinns frei.
Legen Sie Ihre Hand auf seine Stirn
und ziehen Sie seinen Kopf leicht
nach hinten.
Heben Sie mit Ihren Fingerspitzen
das Kinn des Patienten an, um die
Atemwege frei zu machen."

uns wurde beigebracht dass, wenn das gehirn beim Helm abnehmen entgegen kommt, es eh schon "wurscht" ist, weil dass niemand mehr nähen kann, wenn das Gehirn entgegen kommt ist eh schon alles zu spät...

Und so habe ich es gelernt

Wenn Atmung vorhanden (mit Handruecken testen) bleibt der Helm auf. Helmriemen oeffnen, Jacke aufzippen, Guertel oeffnen. Auf staerkere Blutungen achten, ein zweiter Helfer versorgt diese. Zwischen den eigenen Beinen den Helm samt Kopf stuetzen (Helfer kniet), Beine des Verletzten angewinkelt. Atmung staendig ueberpruefen, auf Arzt warten.

Unfallort absichern! Liegende Motorraeder und Helfer werden leicht uebersehen!

Schön, dass Sie das so gelernt haben, es entspricht nur keiner in Mitteleuropa geltenden Lehrmeinung.

Nehmens den Helm besser ab.

Ich wiederhole mich gerne, im Sinne der Patienten. Helm IMMER runter!!! So stimmt's

Ich wiederhole mich gerne, im Sinne der Patienten. Helm IMMER runter!!!

Fährt der HC eigentlich auch Motorrad?

Selbst wenn Frido Schrott

recht hat, frage ich mich was soll das Geschwafel mit "egozentrischen Weltbild" und der Vergleich mit dem Haarewaschen. Ich finde diesen Zynismus in Anbetracht der Tatsache dass die meisten Menschen für Unfallsituationen einfach nicht gebildet sind, geschweige dem Erfahrung haben, unangemessen und es ist verständlich dass Menschen in Grenzsituationen unsicher sind und völlig verängstigt. Es wäre produktiver die Öffentlichkeit zu motivieren, als sie durch Projektionen wie diese zu demotivieren.

zimperlich

Nach allem, was ich von Rettungskraeften weiss, ist mit Zimperlichkeit keinem geholfen. Und ein paar Zynismen helfen ueber die oft ansonsten unpackbare Situation hinweg.

Ich hab im Erste Hilfe-Kurs gelernt, dass es sein kann, dass bei einer Kopfverletzung der Verletzte mit hoher Wahrscheinlichkeit erbricht und man von daher den Helm auf jeden Fall abnehmen muss, da es sonst zur Erstickungsgefahr kommt. Auch so kann es zum Erbrechen kommen, von daher wirds mal Zeit sowas in Umlauf zu bringen, statt Gerüchte über festklebende Schädeldecken. /:

Wenn man sich beim Frisör die Haare waschen lässt, läuft man ja auch nicht Gefahr, den Nacken gebrochen zu bekommen."

der vergleich mit dem frisörwaschbecken ist wohl gut gemeint, aber er hinkt nicht nur, der hatscht auch!
denn wer bitte kommt mit einer möglicherweise gerade angebrochenen halswirbelsäule oder schädelfraktur zum haarewaschen?

was hier im artikel gesagt wird zwecks ausräumen von hinderlichen angstvorstellungen, ist eh gut und nützlich:
nur bitte künftig nicht mit so unpassenden vergleichen arbeiten. denn der unvermeidliche aber-reflex verhindert äußerst verläßlich die akzeptanz neuer informationen.

lol noch nie nach einem (motorrad)Unfall zum frisör gegangen?

für alle gscheiterln hier, die lieber abwarten bevor sie was falsch machen:

keine erste-hilfe ist falsch! selbst die falscheste erste hilfe kann leben retten.

oder schneller ins Jenseits befördern.

genau...wieso unnötig in die Länge ziehen? ;)

"Wenn man einem Motorradlenker nach einem Unfall den Helm runter nimmt, fällt der Kopf auseinander."

Hihi, das oder ähnliches hab ich nicht nur einmal bei Ersthelferkursen gehört... alerdings von Ausbildern ;-)

uns wurde beigebracht dass, wenn das gehirn beim Helm abnehmen entgegen kommt, es eh schon "wurscht" ist, weil dass niemand mehr nähen kann, wenn das Gehirn entgegen kommt ist eh schon alles zu spät...also lieber Helm runter und nicht riskieren dass das opfer erstickt

Hihi, das oder ähnliches hab ich nicht nur einmal bei Ersthelferkursen gehört... alerdings von Ausbildern

'
Also, ich war ja schon in einigen EH-Kursen drinnen (zugegeben, schon vor einigen Jahren), aber das habe ich echt noch von keinem gehört. Der Grund, warum immer erklärt wurde, der Helm sollte oben bleiben war, daß bei einer bestehenden Halswirbelverletzung die Gefahr einer Querschnittslähmung groß wäre.

Das war zumindest bis vor 15 Jahren gängige Lehrmeinung.

wenn ich mir den veralteten schwachsinn durchlese den manche hier posten kommt mir das grauen.

hey leute:
macht bitte wieder mal einen erste hilfe kurs - der vom führerschein vor 10 jahren (oder mehr) ist nicht mehr aktuell.
mal ganz abgesehen vom verblassten wissen.

zu jung

der gag mit der schaedeldecke stammt aus der zeit mit den stahlhelmen. dort gab es diesen überlieferten helmrandbruch wirklich.
heute sind die inneren verletzungen das problem. inkl wirbelsaule. dh - wenn nicht notwendig (Erbrochenes, Beatmung) - Helm bitte immer drauf lassen!!!!

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