Insekten-Kolonien als Vorbild

Machen wir es doch wie die Ameisen

Peter Illetschko aus Klagenfurt , 12. Juli 2011, 18:55

Selbstorganisierende Systeme sollen helfen, knappe Energievorräte effizient zu nutzen - Das Vorbild sind dabei Tiere, die in Kolonien auftreten und nur so ihre vielfältigen Verhaltensmuster zeigen

Zahllos sind die Geschichten, die über Tiere erzählt werden, die als Individuen erfolglos sind, im Kollektiv aber eine für ihre Art außergewöhnliche Intelligenz entwickeln. Ameisen sind das populärste Beispiel: Sie hinterlassen bei erfolgreicher Futtersuche Duftstoffe (Pheromone) und locken so ihre Artgenossen auf die richtige Fährte. Bienen schaffen es nach jüngsten Erkenntnissen sogar, gemeinsam die Temperatur im Bienenstock auf den Idealwerten zu halten. Pinguine bewegen sich im Schwarm langsam und rhythmisch, um sich gegenseitig zu wärmen. Ein ähnliches Bild geben Vögel ab, die sich in großen Gruppen zu schwarzen Wolken am Himmel formieren, ohne dass sich ein Tier verletzt.

Informatiker versuchen seit einigen Jahren, aus diesen Erkenntnissen Schlussfolgerungen zu ziehen - und selbstorganisierende Systeme zu entwickeln, die ein effizientes Management knapper Ressourcen ermöglichen.

In der Theorie sind sich die Forscher bewusst, wie es funktionieren muss: Das System besteht aus "Agenten", die für sich genommen relativ "dumm" sind, aber im Verbund mit anderen ihrer Art nach einer Logik agieren und das System "robust und anpassungsfähig an die Wünsche der Verbraucher" machen, wie Wilfried Elmenreich von Lakeside Labs in Klagenfurt erzählt. Er ist Organisator der Research Days zum Thema selbstorganisierende Systeme, die in diesen Tagen bereits zum vierten Mal veranstaltet werden und noch bis 15. Juli laufen. Heuer diskutieren Experten aus zehn Nationen über Anwendungsmöglichkeiten dieser Systeme.

Der Kreativität sind dabei scheinbar keine Grenzen gesetzt: Wie könnte zum Beispiel ein zukünftiges Mobilfunknetz 4G auf dieser Basis funktionieren? Wäre dann auch in der Praxis umsetzbar, was Techniker theoretisch bereits für möglich halten: dass ein User des Netzes einen zweiten, der derzeit schlechten Empfang hat, mithilfe eines dritten Users mit gutem Empfang erreichen kann? Und wie könnte man diesen möglichen "Helfer" überhaupt dazu bewegen, derart hilfsbereit zu sein? Was wird ihm also dafür angeboten?

In Klagenfurt wird derzeit auch über die Selbstorganisation in Energienetzen diskutiert: Wie müsste ein derartiges System aufgebaut sein, wie müssten die Endgeräte ausgestattet sein, um sinnvoll interagieren und kommunizieren zu können? Elmenreich: "Die Waschmaschine müsste dann wissen, wann der Strom so günstig wie möglich ist, und den Zeitpunkt des Waschgangs vorschlagen."

Ohne externen Operator

Gerade beim heurigen Research-Days-Thema Anwendungsmöglichkeiten scheint eine Eigenschaft der selbstorganisierenden Systeme im Zentrum des Interesses zu stehen. Sie werden nämlich von keinem externen "Operator" kontrolliert. "Unternehmen, die sich damit beschäftigen, stehen also vor einer Herausforderung", sagt Elmenreich, "weil sie die Kontrolle darüber, was im System passiert, nicht haben. Wie kann man dann also gewährleisten, dass es funktioniert und keine Ausfälle übersehen werden?"

Beispiele für den Einsatz solcher "demokratisch verwalteten Systeme" findet man derzeit nur im Internet. Wikipedia sei ein Musterbeispiel für eine "gelungene Umsetzung der Selbstorganisation". Hätte es hier Kontrollen von außen gegeben, "wäre der Erfolg wohl ausgeblieben". Auf dieser Basis entwickelten die Klagenfurter Forscher Roboterfußballmannschaften und testeten verschiedene Interaktionsmuster zwischen den "Agenten" nach den Prinzipien der Evolution. Das erfolgreichste Rezept war: den Gegner decken und die Mannschaft gleichmäßig nach vor und zurück verschieben. "Das ist, so viel ich weiß, auch in der Realität eine vielversprechende Taktik", sagt Elmenreich. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 13.07.2011)

=> Wissen: Forschung am Wörtersee

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19 Postings
inframan vs. skeleton ghosts
00
13.7.2011, 10:59

nein, bitte kommt nicht ihr alle auch noch in meine küche!

Hanns Ch.1
00
13.7.2011, 02:47
nee...

wenn ich mir vorstelle, dass dann unsere parteiführer begattungswillig für den gesamten nachwuchs sorgen müssen,.....spindelegger, faymann, strache,..?? aber vielleicht ist der vergleich dennoch zulässig---denn machgeil sind die allemal, allerdings ist ihnen kollektives denken völlig fremd.

Mat E.
02
13.7.2011, 09:48

Die Königinnen haben nicht viel mehr zu sagen als die Arbeiterinnen. Das sind Gebärmaschinen die auch mal im Notfall herumgezerrt werden.
Sowas wie Politiker gibt es in effizienten Schwärmen sicher nicht. Die Bezeichnung "Königin" für die fortpflanzungsfähigen Weibchen ist natürlich irreführend.

Es gibt bei den Hautflüglern sogar einen Konflikt zwischen Königin und Arbeitern bezüglich des Geschlechterverhältnisses der fortpflanzungsfähigen Nachkommen, der auch auf die eine oder andere Weise gelöst wird.

http://www.unil.ch/webdav/si... ennest.pdf
http://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/volltexte... igkeit.pdf
http://archiv.ethlife.ethz.ch/articles/... norum.html

Franz A.
00
13.7.2011, 08:02
Bruhaha

*LOL* und die Fekter ist dann die Koenigin, die die "Willigen" empfangen muss.

stoiker
01
12.7.2011, 23:11

bin absolut überzeugt dass meine waschmaschine intelligenter ist als die nachbarin.

und ich glaube nicht dass menschen intelligenter oder effizienter werden,wenn sie vernetzt und kontrolliert werden.nein,ich glaube eher dass sie unfrei werden.

Pe Sa
00
13.7.2011, 11:04

ein ameisenstaat wird ja nicht kontrolliert von irgendwem. Die Arbeiterinnen bestimmen zB wo die Königin hingeht, die kann sich da nicht wehren, und wenn sie nicht will, wird sie halt hingezogen ^^
also das ist keine hierarchie, sondern eben ein kollektiv

mitrovic dejan
50
12.7.2011, 22:52
Liebe Steuersubventionierte Kärntner Wissenschafter !

Solche
"demokratisch verwalteten Systeme"
und
"Selbstorganisierende Systeme"
gibtes in Österreich schon lange
und werden genant
.
http://derstandard.at/128297958... reigegeben
.
Ein Blick über Teller (Grenzen) Rand richtung Steiermarkt
bringt Empirische Wunder Feuerwerk.

der eus
00
13.7.2011, 14:10
iujegal...

..da hat jemand etwas nicht ganz verstanden...

demolith
00
13.7.2011, 11:48

Hier gehts speziell um technische Anwendungen - demokratische Systeme gibt es vielerorts.
Über den Tellerrand zu schauen ist trotzdem wichtig, deshalb kommen zu der Veranstaltung ja Forscher aus 10 verschiedenen Ländern.

r_2_d_2
01
12.7.2011, 22:45

wenn ich mir anschaue wie sich die "gemeinschaft" auf der tangente unterstützt, ... prost-mahlzeit!

bläh! bläh!
04
12.7.2011, 22:14

...lasst es uns lieber wie die bonobos machen.

NirvanArchie
00
13.7.2011, 14:19
prinzipiell ja

was sagen Sie aber zum Verhaltensmuster des anal rape als Sanktion, d.h. wenn ein Individuum nicht kooperiert/ sich "richtig" verhält, sei es Männchen oder Weibchen, wird "durch die Hintertür" bestraft... da würd sich wohl so manche(r) ein, zwei Gedanken machen, bevor "a Schaas" gedraht wird ^^

Occam's Laser
01
12.7.2011, 20:56
"Und wie könnte man diesen möglichen "Helfer" überhaupt dazu bewegen, derart hilfsbereit zu sein? Was wird ihm also dafür angeboten?"

Der springende Punkt. Was wird ihm dafür angeboten? dass er dasselbe bekommt, wenn er das problem hat.

Menschen sind im wesentlichen zu gierig und neigen zu sehr zu korruption aller art, alsdass vernünftige riesengroße verbünde tatsächlich auch so funktionieren könnten. Das ist schade,

bashor
00
12.7.2011, 20:30
ich von der ameisenpartei sage,

dass ameisen generell ein ideal eines körpers repräsentieren, wie er funktionieren sollte: keiner ist korrupt und die ameisenfreundInnen untereinander lassen, solangs geht, die finger von gewalt und drogen.

Fürchtegott Dreist
09
12.7.2011, 20:28
umgekehrt !

der unterschied zu ameisen und bienen ist, dass menschen als individuen oft sehr vernünftig und zu erstaunlichen leistungen fähig sind, im kollektiv aber in der regel strunzdumm und nicht zum aushalten.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
04
12.7.2011, 19:34

"Das System besteht aus "Agenten", die für sich genommen relativ "dumm" sind, aber im Verbund mit anderen ihrer Art nach einer Logik agieren..."

Eine schöne Beschreibung auch der Politik - nur warum funktioniert die so, dass die Agenten im Verbund die Dummheit potenzieren?

derBoFH
00
13.7.2011, 17:36
ganz einfach

weil die einzige nachhaltigheit für die die politiker richtig sind, ist der erhalt der macht.

knievel
02
12.7.2011, 23:18

ganz einfach:
der klügere gibt nach.
und dann wird gemacht was der dümmere will...

stoiker
00
13.7.2011, 01:48

wie oft ich den spruch in meiner familie gehört hab..
die antwort kam von der grossmutter meines besten freundes.ich bin heute noch dankbar.

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