Pilz stellt Regierung Ultimatum

12. Juli 2011, 17:31
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    foto: apa/pfarrhofer

    Peter Pilz will die Rolle des Züngleins an der Waage auskosten: Beim Euro-Rettungsschirm verlangt er alles oder nichts.

Die Grünen wollen der Regierung bei Euro-Rettungsschirm Bedingungen diktieren - SPÖ und ÖVP sollen das ruhig als Erpressung auffassen, sagt Pilz

Wien - "Wir sind in einer einmaligen Gunstlage, die wir schamlos ausnützen müssen": Peter Pilz freut sich über unverhoffte Macht in den eigenen Händen. Denn während üblicherweise die Opposition die Regierung mit Wünschen bombardiert, ist es diesmal umgekehrt: SPÖ und ÖVP wollen etwas von den Grünen, und zwar ein Ja zu heiklen Verfassungsgesetzen, die einer Zweidrittelmehrheit im Nationalrat bedürfen.

Gewichtigster Brocken ist der geplante europäische Stabilitätsmechanismus ESM, der ab 2013 Kredite kriselnder Euro-Staaten stützen soll. Die EU kann diesen Rettungsschirm aber nur aufspannen, wenn jedes einzelne Mitgliedsland zustimmt - und das hängt in Österreich wohl von den Grünen ab, zumal FPÖ und BZÖ a priori abwinken. Er hoffe auf sachliche Verhandlungen, hat Staatssekretär Andreas Schieder bereits via Ö1-Morgenjournal vorgefühlt.

"Da liegt ein Missverständnis vor", erwidert Pilz im Standard-Gespräch. "Wir haben weder mit Schieder noch mit Faymann oder Spindelegger etwas zu verhandeln." Entweder die Koalition erfülle die Bedingungen der Grünen, oder es gebe eben keine österreichische Ratifizierung des Rettungsschirmes, sagt der grüne Abgeordnete: "Das ist kein Verhandlungsangebot, das ist ein Ultimatum. Wenn die Regierung das als Erpressung auffasst, habe ich überhaupt nichts dagegen."

Kein Wühltisch für Mehrheit

Was Pilz kritisiert: In der geplanten Form würde der Rettungsschirm nicht nur die Begleichung von Staatsschulden absichern, sondern auch eine "hundertprozentige Garantie für die goldenen Nasen der Spekulanten" bringen, die hohe Risikoaufschläge ohne Risiko kassierten. Als Gegenrezept fordern die Grünen die Einführung von europäischen Staatsanleihen und ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten, bei dem private Gläubiger verpflichtend zur Kasse gebeten werden. "Wir wollen die Regierung zwingen, die Chance gegen das Spekulantentum zu nützen", sagt Pilz. "Von unseren Forderungen rücken wir keinen Millimeter ab."

Ob die Grünen nicht unverantwortlich handeln, wenn wegen einer Alles-oder-nichts-Haltung am Ende gar kein Rettungsschirm zustande kommt? Pilz: "Wenn wir beschuldigt werden, die Rettung der Spekulanten behindert zu haben, halten wir das aus."

Die gleiche Unnachgiebigkeit verspricht der Grüne in einem zweiten Streitfall, bei dem oppositionelle Stimmen gefragt sind: der noch ausstehenden Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie. Auch hier stellt Pilz ein "Ultimatum": Die Grünen würden so lange "blockieren", bis die Regierung ein "klares Antikorruptionspaket" schnüre und die Einberufung von Untersuchungsausschüssen als Minderheitenrecht verankere.

Letzteres haben die fünf Parlamentsparteien an sich bereits im Vorjahr grundsätzlich vereinbart. "Doch während wir unseren Teil des Vertrags eingehalten und seither vielen Verfassungsgesetzen zugestimmt haben, hat die SPÖ Wortbruch begangen", wettert Pilz. "Es gibt aber keinen Wühltisch für Verfassungsmehrheiten, wo man sich im Abverkauf die Zustimmung der Grünen holt." (Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2011)

Kommentar posten
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Walter Bimini
00
26.7.2011, 09:48
die grüninnen können doch nicht anders als die eudssr zu retten.

sie werden in jedem fall mit rotschwarz packeln um den euro wieder einmal ein paar monate lang zu retten. die nächsten krisensitzungen wird es bald wieder geben. denn das rettungspaket wird immer zu klein sein. die nächsten pleitestaaten spanien und italien sind nämlich ein wenig größer als griechenland, irland und portugal zusammen.

Der Blinde mit dem Seehund
11
20.7.2011, 14:46
Der Pilz ist doch

der größte Polemiker aller Zeiten.
Die Grünen zerreißt es doch mittlerweile sowieso.
In Wien, in OÖ an der Macht, ansonst in Opposition.
Allein das kleine Glückspielgesetz spaltet die Grünen.
Und Eva G. sollte lieber heute als morgen zurücktreten. Die Grünen waren die größte Wählerverarsche aller Zeiten.

sadf1asfasfasfasf
41
17.7.2011, 12:49

"...Das ist kein Verhandlungsangebot, das ist ein Ultimatum..."

das hätte auch von Strache kommen können...

donna corleona
03
17.7.2011, 19:23
Untersuchungsausschuss als Minderheitenrecht

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf kündigte am 9.4.2010 (!) im Ö1-Morgenjournal an, dass das Recht einen Untersuchungssausschuss einzuberufen, noch vor dem Sommer auch für Minderheiten im Parlament möglich sein könnte. Die Opposition fordert dies schon seit längerem …..

Es ist absolut verständlich, dass den GRÜNEN die Geduld reißt, und es ist legitim und höchste Zeit, dass Peter Pilz seiner Forderung nach einem entsprechenden Antikorruptionspaket mit klaren Ansagen Nachdruck verleiht!

sadf1asfasfasfasf
42
17.7.2011, 13:04

nur das Strache bisher noch nie sowas gesagt hat (was ich so weiß).

Trauig, wenn man in einer Demokratie mit Sachen wie Ultimatum kommt.

Katharina Z
12
13.7.2011, 20:36
Offene Türen?

Ich hab noch nicht mitgekriegt, dass die StaatschefInnen der Euro-Zone für Euro-Bonds, für Private Beteiligung oder für geordnete Insolvenz sind. Und die Zeit läuft langsam davon.
Dass ausgerechnet damit wieder eine "schamlose Gunst der Stunde" für Herrn Pilz ausbricht...? das versteht nur einer, der wie Pilz die Gesetze der Journalistik zur Erhöhung des eigenen Ego an die Stelle der politischen Gesetze gesetzt hat.

Kontra
21
13.7.2011, 16:01
Die grünen Rennen doch sowieso offene Türen ein

Mir ist keine Regierung bekannt, die die Banken nicht beteiligen wollte. Aber den Grünen ist hoffentlich die Grundproblematik auch bekannt, sonst wären sie den Rattenfängern auf der blauen Seite so ähnlich, dass ihnen vor sich selbst grausen müsste.
Die Grundproblematik ist das Wort 'Default'. Nach herrschenden Prüfungsregeln müsste in der gleichen Sekunde eine griechische Anleihe auf '0' stellen. In der nächsten Sekunde wären die griechischen Banken mit der gesamten Sparguthabenseite pleite. Einlagensicherung kommt nicht zum tragen, der Staat ist auch pleite. Pensionen, Gehälter, alles weg. Griechenland versinkt im Chaos. Von den Dominoeffekten haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen, dieser ist nicht prognostizierbar.

quick & dirty
01
13.7.2011, 16:18
Das ist die glatte Lüge des Großkapitals ...

Nicht davon ist wahr.
.
Geordnete Insolvenzen von Staaten der Vergangenheit belegen das Gegenteil
.
Die Banken gehen sicher nicht pleite, maximal Buchwerte.
.

Kontra
10
13.7.2011, 17:00

nein, sie können nicht andere Staaten vergleichen. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass bei einem Default keine einzige griechische Bank den nächsten Tag überlebt. Und das wissen die auch. Warum glauben sie ist ausgerechnet Griechenland gegen einen Schuldenerlass? Weil es ihre Banken zerbröselt. Schauen sie sich doch an, wer die griechischen Staatsanleihen hält. Das sind alle griech. Banken ganz vorne dabei! Das war in anderen Staaten so nicht der Fall.

Walter Bimini
00
26.7.2011, 09:55
griechenland ist sowieso nicht zu retten und schon gar nicht auf diese weise.

dann ist bald das nächste griechenland packet fällig. ein beamtenstaat kann auf die dauer nicht funktionieren und diese frist ist bei griechenland schon lange abgelaufen.

schmeck.mein.smegma
13
13.7.2011, 14:50
rettung von spekulanten?

von 100% griechischen schulden werden wieviel % gehalten in

*pensionskassen
*spareinlagen
*versicherungen
*kleinanleger

als argentinien pleite ging, sind nicht die spekulanten verarmt, sondern die angesparten pensionsansprüche der argentinier die in staatsanleiehen angelegt werden mußten!!!!!!!!!

zumindest für deutschland gibt es ein gesetz, welches den pensionskassen vorschreibt welche anlageform sie zu welchem anteil verwenden müssen. siehe da nur anleihen von staaten und firmen erfüllen die vorraussetzung für den größten anteil, parallele zu argentinien. auch dort wurden die gepuschten pensionen in zwangsanleihen angelegt, weil der staat.

dieses gesetz wurde erst möglich seit der wutbürger nach mehr regulation durch politik schrie!

Yossarian
01
14.7.2011, 20:40

Pensionskassen dürfen keine Papiere mit schlechter Bonität halten.

Und auch Kleinanleger können Spekulanten sein, meist aber recht unbeholfene Spekulanten die von anderen Profi-Spekulanten ausgenommen werden.

schmeck.mein.smegma
01
19.7.2011, 16:45

http://www.spiegel.de/wirtschaf... 16,00.html

deutsche versicherer hielten noch vor einem jahr 5,8 milliarden an gr anleihen. mittlerweile nur noch 2,8, den rest hält jetzt der steuer zahler.

welche versicher das wohl waren? lebensversicherer, pensionsversicher, oder gebietskrankenkassen?
welcher versicherer muss unbedingt rücklagen bilden und welcher muss "nur" eine gute jahresbilanz aufweisen?

aber bitte ich bin kein experte, aber wenn sie schon kritisieren dann nachvollziehbar, quellen und so weiter!

schmeck.mein.smegma
00
19.7.2011, 16:39

das mit der bonität steht wo?
wie gut muss die bonität sein AAA+?
seit wann ist die bonität einiger euroländer im sinkflug?
wie lange laufen solche anleihen?
ab wann hätten wir ohne rettungsschirm die ersten ausfälle gehabt?
die deutschen banken sind fast draussen?
die deutschen sind auch in esp draussen?
wer ist jetzt dirnnen, anstatt den banken?
doch nicht der steuerzahler?
was mach meine bank mit meinen paar 1000 euro?
doch nicht etwa anlegen?
sicher nur in windkraft und photovoltaik?
anleihen kaufen nur böse menschen?

nrw in brd hat 300 millionen euro für pensionen ihrer beamten in griechischen anleihen!!!!!!!!!!!!!!!!!!
google:nrw pensionen griechenland

mir reicht die beantwortung meiner 1. frage mit brauchbarer quelle.

edurkheim
95
13.7.2011, 14:00
Ich stehe zwar Pilz inhaltlich diametral entgegen (Eurobonds wären der Untergang der EU) aber ich schätze ihn

weil er ein gerader Michel ist der Wahrheiten auch dann ausspricht und anerkennt, wenn sie der eigenen politichen Linie nicht ganz zuträglich sind (zB das Verhalten der Staatsanwaltschaft bei jüngsten Hausdurchsuchung bei Grasser).

Und solche Poltiiker brauchen wir (wieder)

ilse schmidt
02
13.7.2011, 15:15

"Eurobonds wären der Untergang der EU"

...wär mir persönlich jetzt irgendwie wichtiger zu begründen, als ihr Ehrenbekundungen an Pilz. Ist aber auch etwas schwieriger zu argumentieren - gelts :-)

edurkheim
00
13.7.2011, 17:28

Eurobonds wären die Eröffnung des Rennens um die meisten Budget-Defizite, weil die hohen Zinsen zahlt sowieso der andere - darum. und das würde einen unvorstellbaren Keil zwischen die Länder europas treiben

Ohne gemeinsame Wirtschafts- und Steuerpolitik kann man nicht gemeinsam Schulden machen. Und letzteres ist derzeit einfach nicht machbar.

dölerich hirnfidler
53
13.7.2011, 13:44

und wo genau ist jetzt der unterschied zu den rechten schlitzis?

viridisdens
59
13.7.2011, 14:34
dass es der pilz nicht für die eigene tasche macht!

Pessimist-Realist
 
21
14.7.2011, 14:48
Und in der Nacht träumst du von heißen Eislutschern - gell?

Er würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenso wie jene abkassieren, derzeit schlägt er ja pol Kleingeld daraus.
Die Rechten haben ebenso wie die Linken einen ENORMEN Hang zur Selbstdartsellung/-beweiräucherung.

viridisdens
32
14.7.2011, 20:02
der unterschie: die rechten kassieren tatsächlich täglich ab!

Pessimist-Realist
 
02
15.7.2011, 13:48

Weil die Linken (in Ö) noch nie an der Macht waren.
;-)
Ich nehme jetzt mal die SPÖ raus aus der Def von "den Linken", könnte ja dein Weltbild ankratzen.
;-)
Siehe Sky-Link, oder den Bürgermeister Müller (kannst gerne googeln, was gemeint ist ;-) ).

Luise Rache
11
13.7.2011, 15:18
dafür wegen der selsbtdarstellung

choice
86
13.7.2011, 13:06
Liebste Parteiposter der Grünen, die nun wieder zu Freudengesänge ansetzen...

Ich wusste nicht, dass im Standard so viele Parteiposter unterwegs sind...

Wahlen 2008: Wahlbeteiligung 78,81 %
Raltive Stimmen der Grünen: 8,05 %
SPÖ+ÖVP: 42,63%

SPÖ+ÖVP+Nichtwähler+LIF+die Christen=66,55%

Ich denke man sollte besser die Nichtwähler an Bord holen, denn mit den Grünen kommt man gerade einmal über die 50%

Ich habe 2006 die Grünen gewählt, aber bei dem Material an Politikern wäre es besser, wenn sie besser einmal Radial Idioten von denkenden Menschen trennen würden!

So kann man zwar Oppositionspolitik machen, aber eine Regierungsarbeit mit einer Partei die von sich selbst sagt, jemanden zu erpressen? gehts noch?

Immerhin haben 91,95% nicht die Grünen gewählt, das hat sich auch seine Gründe...

CrazyBird
00
19.7.2011, 17:35
es ist doch ganz einfach....

...SPÖ und ÖVP wollen was, und KEINE andere Partei, auch nicht die Grünen, sind dazu verpflichtet, dem Banken- ääääh Euro- Rettungsschirm zuzustimmen.

Wenn sie es doch tun, haben sie das Recht, Bedingungen daran zu knüpfen. Das tun sie, und man kann es "Bedingungen" oder aber "Epressung" nennen - bleiben tut's das selbe!

Als Grün- Wähler würde es mich jedenfalls extrem ärgern, wenn's die Grünen billig - sprich: ohne Bedingungen geben würden...

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