Offener Brief

"Gebietsfremde Arten nicht generell verharmlosen!"

12. Juli 2011, 16:25
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    foto: apa/epa/tracey nearmy

    Die Aga-Kröten-Plage (Bufo marinus) in Australien ist ein typisches Beispiel für die Einwanderung einer Tierart mit negativen Folgen für das betroffene Ökosystem. 141 Wissenschafter wollen nun in einem offenen Brief im Fachjournal Nature auf die Gefahren durch Bio-Invasoren aufmerksam machen.

141 Wissenschafter wenden sich in Nature dagegen, dass Bio-Invasoren pauschal als harmlos abgetan werden

141 Biologen haben sich in einem offenen Brief dagegen ausgesprochen, dass gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten generell als ungefährlich abgetan werden. Die Forscher reagierten damit auf einen Kommentar von 19 Experten um den US-Biologen Mark A. Davis, der kürzlich im Fachblatt Nature provokativ gefordert hatte, Tiere und Pflanzen nicht nach ihrer Herkunft zu bewerten.

Der Kommentar hatte weltweit unter Ökologen eine heftige Debatte ausgelöst, wie mit gebietsfremden und invasiven Arten umzugehen sei. Die Öffentlichkeit müsse wachsam sein und weiterhin die vielen erfolgreichen Management-Bemühungen unterstützen, meinen die Biologen.

Naturschutzbiologen und Ökologen seien nicht per se gegen nicht-heimische Arten, sondern nur dann, wenn diese Ökosysteme, Lebensräume oder Arten bedrohten und damit gegen die Konvention zur biologischen Vielfalt verstoßen würden. Auch von Kampagnen gegen alle neu eingeführte Arten könne keine Rede sein. Die begrenzten Ressourcen würden die Naturschutzmanager ohnehin zwingen, sich auf wenige besonders problematische Arten zu konzentrieren.

Nützliche Invasoren

Außerdem würden die Invasionsbiologen und -manager den Nutzen, den bereits eingeführte Arten erbringen, nicht ignorieren. "Niemand will zum Beispiel den Weizen ausrotten", so der Sprecher der Gruppe, Daniel Simberloff von der University of Tennessee. Trotzdem müssten selbst nützliche Arten manchmal gemanagt werden, wenn sie negative Folgen für Ökosysteme hätten wie beispielsweise invasive Baumarten, die den Wasserhaushalt in Südafrika aus dem Gleichgewicht bringen können - beispielsweise Eukalyptus, dessen Holz verwendet wird).

"Während es für bestimmte ökologische Fragestellungen richtig sein kann, gebietsfremde und heimische Arten nicht zu unterscheiden und viele gebietsfremde Pflanzenarten derzeit unproblematisch sind, spielen Davis und Kollegen die schweren Auswirkungen der problematischen, nicht-heimischen Arten herunter, die möglicherweise erst Jahrzehnte nach ihrer Einführung auftreten können", befürchten Ingolf Kühn und Marten Winter vom deutschen Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).

Unter Beobachtung

Ein Beispiel für diese zeitversetzten Invasionen ist der brasilianische Pfefferbaum (Schinus terebinthifolius), der sich in den Everglades von Florida stark ausgebreitet hat. In dem US-Bundestaat wird daher mit großem Aufwand versucht, diese Bereiche wieder davon zu befreien. Der Besitz oder die Pflanzung ist in Florida inzwischen strafbar. Arten, die nicht von selbst in Ökosysteme eingewandert, sondern vom Menschen eingebracht wurden, sollten daher sorgfältig beobachtet werden, schlussfolgern die Wissenschafter in Nature.

Im Großen und Ganzen befürworten die Wissenschafter allerdings die offen geführte Diskussion, da nur durch ständigen Diskurs wissenschaftliche Konzepte und Ideen hinterfragt, modifiziert und neu entwickelt werden und so der wissenschaftliche Fortschritt vorangebracht werden kann.

Über 11.000 Invasoren in Europa

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören viele Forscher, die im EU-Projekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) in den vergangenen Jahren zum ersten Mal für die Länder Europas alle bekannten gebietsfremden Arten erfasst hatten. Über 11.000 nicht heimische Arten wurden dabei insgesamt in Europa erfasst. Am Projekt waren Forschungseinrichtungen und Organisationen aus 15 Nationen beteiligt. (red)

Allmächtiger Satan
85
12.7.2011, 20:06

Man sollte hierzulande ein gutes Auge darauf werfen, dass der gemeine Wiener sein Biotop, das Wiener Becken, nicht verlässt. Ist er doch ein hartnäckiger Schädling, der nur schwer wieder in seinen Gemeindebau zurückdrängbar ist.

Regis 1
07
13.7.2011, 12:41
nur so eine frage

welchem regionalen urschleim sind sie entkrochen?

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