Saftl

12. Juli 2011, 16:09

Verkleinerte Soßen

Was ich doch immer wieder ungern lese, ist das Wort "Saftl". Unlängst wurde mir in einem niederösterreichischen Gasthaus auf der Speisekarte mitgeteilt, dass in diesem Etablissement ein Braten "mit seinem Saftl" angeboten werde: Ich finde, dass der in der Verkleinerungsform auftretende Saft etwas unangemessen Anlassiges ausströmt, ja eine unziemlich emotionale, vielleicht sogar geradezu perversionsverdächtige Beziehung des Wirtes zu seinen Speisen. Die Konsequenz: Wenn ich auf einer Speisekarte von einem "Martini-Gansl im Bier-Honig-Saftl" lese oder von einer "Gebratenen Leber in Thymian-Rotwein-Saftl", dann habe ich das schon gefressen. Aber wer weiß: Womöglich ist diese Saftl-Aversion ja auch nur eine persönliche Neurose von mir (Psychoanalytiker aufgepasst!), und es gibt jede Menge Leserinnen und Leser, denen bei der bloßen Erwähnung eines Saftls sofort das Saftl im Munde zusammenläuft. Für allfällige Erfahrungsberichte bin ich jedenfalls dankbar.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbetenan christoph.winder@derStandard.at

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24 Postings
Safterl

klingt schöner.

Aber um ein "Safterl" zu erzeugen, bedarf es eines mörderischen Vorgangs! Dem lebhaft brodelndem Saft wird , wie wir alle wissen, der Sauerstoff schön langsam entzogen, bis er sich dann widerstandslos, entseelt aber geschmeidig, seinem Schicksal ergibt...

Und von ganz Perfiden wird er dann noch mit kalter Butter malträtiert!
Na, Mahlzeit!

Saftl im Mund zusammen läuft.

Ich muss gestehen, für diese Kolumne bin ich zu ordinär, aber diese gilt für einen Großteil der Leser wie auch für den Autor.

Eine wohlverdiente Ruhepause, geschätzter Herr Winder!

Bis zum Wiederlesen werden wir Posterfalotten wohl im eigenen Saftl braten müssen!

an Saftl is nur dann etwas falsch wenn vor der kulinarischen Assoziation eine sexuell-unterschichtige ihren Platz einnimmt, dann wirds schwierig

Aber ansonsten ist es ein für mich wunderschönes und vor allem sehr ehrliches Wort.

Sosse hingegen, in allen Schreibweisen, hat bei mir immerzu die primäre Assoziation der teutonischen einheitstunke hell/dunkel auf maggibasis je nach farbe mit "zuckerkulör" oder ohne.

Apropos Bratensaft:

Stets wünsch` ich diesen Saft zu kriegen,
denn er gibt mir die Kraft zu siegen.

Es graust vor Naturbratlsaftln
nur kulinarisch Unbedarftln!
(Vegetarier ausgenommen!)

Ich weiß, das ist ein Un-Vers! Ich streik! Apropos

Streik
In einen Phonographen bei ´ner Fete
Sprach Schulz hinein ein selbstverfaßt Gedicht;
Die Walze aber, als er sie dann drehte,
Die rief: Den Quatsch, den wiederhol´ich nicht.
(Louis Herrmann)
:-(((

dies erinnert mich an "silent cooking" im tv ... sehr, sehr erholsam ;-)

Ja, sehr, sehr erholsam! Ich bin dabei immer eingeschlafen...

ja ... ich auch ... und hab müde, so müde geträumt, daß mir irgendwer gerade sowas gutes kocht ;-)

Gelernt im Gasthaus:

Herr Windern,

schaun Sie sich zu Ihrem eigenen Schutz ja nie "Frisch gekocht" an. Der Herr Wojta ist ein Meister des Diminuitivs.

sorry für den Tippfehler, Herr Winder

schweinsbraten an seinem saftl und dazu ein himbeersaftl

Also lieber noch Saftl

-bitte ohne Deppenapostroph-
als dieses blödsinnige "an" irgendwas, so wie "Ameisenleber an Schnittlauchröllchen".

Sie wissen aber schon, was man unter dem "Deppenapostroph" versteht?

Z.B. würde man "Misko's Posting" als eine mit einem Deppenapostroph versehene Aussage bezeichnen :-)

Wer das Saftl nicht ehrt, ist die Sauce nicht wert!

Ich bin ja nur froh, dass mir meistens nur das Wasser im Munde zusammen läuft und selten das Saftl.

Saft'ln tut's (bei mir, aber auch bei "die anderen") meistens woanders...

die Noblässe des Tellers in der haute cuisine

je weniger desto foin - nur ein einziges Tropferl von der Barolo-reduktion (sic!) und man fühlt sich blaublütig im Saftlade(r)l…

frage mich,

ob einem Nekrophilen beim Betrachten einer saftelnden Leich einer abgeht

Na,...

...is des Bratl leicht ka Leich?

Klar!

Woher denn sonst der Begriff "Leichenschmaus"!

Wenn er den Gestank dabei aushält...

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