Kein erhöhtes Krebsrisiko in Atomregionen

Wissenschafter untersuchten die Daten von mehr als 1,3 Millionen Kindern in der Nähe der fünf Schweizer Kraftwerke

Bern - Schweizer Wissenschafter sehen im Umkreis vom Atomkraftwerken kein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder. Für eine Studie hatten Forscher der Universität Bern Daten von mehr als 1,3 Millionen Kindern von null bis 15 Jahren in der Nähe der fünf Schweizer Atomkraftwerke untersucht.

"Das Risiko einer kindlichen Krebserkrankung im Umkreis von Schweizer Kernanlagen unterscheidet sich kaum vom Risiko, welches auch weiter entfernt wohnende Kinder haben", sagt Forschungsleiter Matthias Egger. Die beobachteten Abweichungen der einzelnen Gebiete seien so klein, dass sie am ehesten durch Zufall erklärt werden könnten.

Andere Ergebnisse in deutscher Studie

Eine im Dezember 2007 veröffentlichte Studie aus Deutschland zeigte hingegen ein erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern, die im Umkreis von fünf Kilometern von Kernkraftwerken wohnen. Das Risiko war insbesondere für Leukämie bei Kleinkindern erhöht. Was aber letztlich die Erkrankung auslöst, war in der vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegebenen Studie offen geblieben. Das Bundesamt betonte, "dass die Studie keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb einer kerntechnischen Anlage und den erhöhten Leukämiefällen darstellt".

Wenige Fälle

Das Team des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Uni Bern verglich für die neue Studie das Risiko für Leukämie und andere Krebsarten bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken geboren wurden, mit jenem von Kindern, die weiter entfernt auf die Welt kamen. Bei Kindern im Alter von unter fünf Jahren wurden von 1985 bis 2009 in der Schweiz 573 Leukämie-Fälle diagnostiziert. Die meisten - 522 - traten bei Kindern auf, die mehr als 15 Kilometer von einem Atomkraftwerk auf die Welt kamen. Im Gebiet bis fünf Kilometer vom Werk entfernt wären aufgrund dessen 6,8 Leukämie-Fälle zu erwarten gewesen. Tatsächlich fanden die Forscher in dieser werksnahen Zone acht Fälle, also etwa 20 Prozent mehr als erwartet. Wegen der wenigen Fälle sage diese Zahl aber wenig aus, sagte Egger. (APA)

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