Gegen Unterteilung des Stoffs in Module - Unterrichtsministerium: "Kritik geht teilweise ins Leere"
Wien - Die AHS-Lehrervertreter haben in ihrer Stellungnahme den Entwurf zur geplanten Modularen Oberstufe in der Luft zerrissen: Es könne sich dabei wohl lediglich um den "Entwurf eines Entwurfs" handeln, denn: "Gleichgültig, wie man inhaltlich dazu stehen mag, der Text ist in zentralen Bereichen nicht durchdacht, würde manche Schüler in Sackgassen ohne jeglichen Ausweg führen und an den Schulen einen organisatorischen Supergau verursachen."
Die Gewerkschaft, die von der Fraktion Christilicher Gewerkschafter (FCG) dominiert wird, warnt einerseits davor, dass die Förderung besonders Begabter zu kurz kommt, indem diese nur noch Semester überspringen oder Prüfungen vorziehen können. Andererseits befürchten sie auch, dass durch die Modulare Oberstufe zwar die Zahl der Repetenten sinken, im Gegensatz aber jene der Drop-Outs steigen wir: "Diese Gefahr sehen wir im vorliegenden Entwurf, der junge Menschen negativ beurteilte Module über Jahre hinweg ansammeln lässt und sie vor der Matura vor eine unlösbare oder als unlösbar empfundene Aufgabe stellt."
Stoff als "Häppchen"
Überhaupt wird die Unterteilung des Stoffs in Module als "Häppchenbildung" abgelehnt. Zusätzlich würde der Besuch eines Moduls in einer anderen Klasse dazu führen, dass der Schüler einen Gegenstand in seiner eigenen Klasse versäumt. Dieser Behauptung steht allerdings entgegen, dass der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied vorgeschlagene Entwurf vorsieht, dass der Stoff, neben dem regulären Unterricht nachgelernt werden muss. Die Lehrergewerkschaft findet trotzdem, dass gerade bei schwachen Schülern dann die Gefahr drohe, dass ihre Leistungen noch schlechter werden.
Überforderung der Schulen
Die Lehrervertreter warnen zudem vor einer Überforderung der Schulen: Die Gliederung des Lehrstoffs in Kompetenzbereiche könne nicht durch die einzelnen Schulkonferenzen geleistet werden.
"unzumutbarer Affront"
An eine kostenneutrale Umsetzung glauben die Gewerkschafter ebenfalls nicht und kritisieren in diesem Zusammenhang, dass es für die Modulare Oberstufe keine zusätzliche Mittel für die Schulen geben soll. "Das wissentliche Vorenthalten der notwendigen Ressourcen ist eine unzumutbarer Affront gegenüber allen Schulpartnern und eine Täuschung der Öffentlichkeit", so die Lehrervertreter.
Personalkosten nicht abgedeckt
Der zusätzliche Personaleinsatz - von einem Nicht Genügend bedrohte Schüler sollen Lerncoaches und Förderkurse bekommen - könne entgegen der Pläne des Unterrichtsministeriums nicht durch jene Mittel gegenfinanziert werden, die durch das Wegfallen von Klassenwiederholungen frei werden sollen. Die Personalkosten seien nämlich nicht von einzelnen Schülern, sondern von Klassen und Gruppen abhängig, und deren Anzahl werde sich durch weniger Repetenten kaum ändern.
Ministerium will sich Kritik "in Ruhe anschauen"
Aus dem Unterrichtsministerium heißt es zu den Vorwürfen, dass man sich die Kritikpunkte "in Ruhe anschauen will". Am Ende der Begutachtungsfrist (23. August) will man sich gemeinsam mit dem Verhandlungspartnern und dem ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die Kritik gesammelt anschauen und Verbesserungsvorschläge einarbeiten und Missverständnisse aufklären. "Die Kritik geht aber teilweise ins Leere", sagt der Sprecher von Unterrichtsministerin Schmied. So könne man die Kostenneutralität des Entwurfes jetzt noch gar nicht beurteilen, da erst im Herbst verhandelt wird, was die Stunden der Lehrer kosten werden. (APA/red)
Der Entwurf:
Die Regierung will mit der Modularen Oberstufe die Zahl der Klassenwiederholungen deutlich reduzieren, die Begutachtungsfrist für den Gesetzesentwurf läuft bis 23. August. Bei dem Modell soll ab der 10. Schulstufe an AHS und Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) der Stoff in mindestens zwei Module pro Semester unterteilt werden. Wird ein Modul negativ abgeschlossen, kann es im nächsten bzw. übernächsten Semester ausgebessert werden. Erst ab zwei bzw. in Ausnahmefällen drei negativen Modulen muss die gesamte Klasse wiederholt werden, dabei sollen allerdings die positiven Noten erhalten bleiben. Schüler, denen eine negative Note droht, sollen außerdem von einem Lerncoach bei Zeitmanagement und Lernstrategien sowie in Förderkursen unterstützt werden. Besonders Begabte sollen im Gegenzug die Möglichkeit bekommen, einzelne Semester bzw. Teilprüfungen der Matura vorzuziehen. Derzeit laufen an 27 Standorten Schulversuche zur Modularen Oberstufe, die generelle Umstellung der insgesamt 800 Standorte soll 2012 starten und 2016 abgeschlossen sein.
Nachlese:
Interview mit Schmied zur Oberstufenreform
Im Detail: Module statt Sitzenbleiben