Oberstufenreform

Vernichtende Kritik von AHS-Lehrergewerkschaft

12. Juli 2011, 13:26

Gegen Unterteilung des Stoffs in Module - Unterrichtsministerium: "Kritik geht teilweise ins Leere"

Wien - Die AHS-Lehrervertreter haben in ihrer Stellungnahme den Entwurf zur geplanten Modularen Oberstufe in der Luft zerrissen: Es könne sich dabei wohl lediglich um den "Entwurf eines Entwurfs" handeln, denn: "Gleichgültig, wie man inhaltlich dazu stehen mag, der Text ist in zentralen Bereichen nicht durchdacht, würde manche Schüler in Sackgassen ohne jeglichen Ausweg führen und an den Schulen einen organisatorischen Supergau verursachen."

Die Gewerkschaft, die von der Fraktion Christilicher Gewerkschafter (FCG) dominiert wird, warnt einerseits davor, dass die Förderung besonders Begabter zu kurz kommt, indem diese nur noch Semester überspringen oder Prüfungen vorziehen können. Andererseits befürchten sie auch, dass durch die Modulare Oberstufe zwar die Zahl der Repetenten sinken, im Gegensatz aber jene der Drop-Outs steigen wir: "Diese Gefahr sehen wir im vorliegenden Entwurf, der junge Menschen negativ beurteilte Module über Jahre hinweg ansammeln lässt und sie vor der Matura vor eine unlösbare oder als unlösbar empfundene Aufgabe stellt."

Stoff als "Häppchen"

Überhaupt wird die Unterteilung des Stoffs in Module als "Häppchenbildung" abgelehnt. Zusätzlich würde der Besuch eines Moduls in einer anderen Klasse dazu führen, dass der Schüler einen Gegenstand in seiner eigenen Klasse versäumt. Dieser Behauptung steht allerdings entgegen, dass der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied vorgeschlagene Entwurf vorsieht, dass der Stoff, neben dem regulären Unterricht nachgelernt werden muss. Die Lehrergewerkschaft findet trotzdem, dass gerade bei schwachen Schülern dann die Gefahr drohe, dass ihre Leistungen noch schlechter werden. 

Überforderung der Schulen

Die Lehrervertreter warnen zudem vor einer Überforderung der Schulen: Die Gliederung des Lehrstoffs in Kompetenzbereiche könne nicht durch die einzelnen Schulkonferenzen geleistet werden.

"unzumutbarer Affront"

An eine kostenneutrale Umsetzung glauben die Gewerkschafter ebenfalls nicht und kritisieren in diesem Zusammenhang, dass es für die Modulare Oberstufe keine zusätzliche Mittel für die Schulen geben soll. "Das wissentliche Vorenthalten der notwendigen Ressourcen ist eine unzumutbarer Affront gegenüber allen Schulpartnern und eine Täuschung der Öffentlichkeit", so die Lehrervertreter.

Personalkosten nicht abgedeckt

Der zusätzliche Personaleinsatz - von einem Nicht Genügend bedrohte Schüler sollen Lerncoaches und Förderkurse bekommen - könne entgegen der Pläne des Unterrichtsministeriums nicht durch jene Mittel gegenfinanziert werden, die durch das Wegfallen von Klassenwiederholungen frei werden sollen. Die Personalkosten seien nämlich nicht von einzelnen Schülern, sondern von Klassen und Gruppen abhängig, und deren Anzahl werde sich durch weniger Repetenten kaum ändern.

Ministerium will sich Kritik "in Ruhe anschauen"

Aus dem Unterrichtsministerium heißt es zu den Vorwürfen, dass man sich die Kritikpunkte "in Ruhe anschauen will". Am Ende der Begutachtungsfrist (23. August) will man sich gemeinsam mit dem Verhandlungspartnern und dem ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die Kritik gesammelt anschauen und Verbesserungsvorschläge einarbeiten und Missverständnisse aufklären. "Die Kritik geht aber teilweise ins Leere", sagt der Sprecher von Unterrichtsministerin Schmied. So könne man die Kostenneutralität des Entwurfes jetzt noch gar nicht beurteilen, da erst im Herbst verhandelt wird, was die Stunden der Lehrer kosten werden. (APA/red)

Der Entwurf:

Die Regierung will mit der Modularen Oberstufe die Zahl der Klassenwiederholungen deutlich reduzieren, die Begutachtungsfrist für den Gesetzesentwurf läuft bis 23. August. Bei dem Modell soll ab der 10. Schulstufe an AHS und Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) der Stoff in mindestens zwei Module pro Semester unterteilt werden. Wird ein Modul negativ abgeschlossen, kann es im nächsten bzw. übernächsten Semester ausgebessert werden. Erst ab zwei bzw. in Ausnahmefällen drei negativen Modulen muss die gesamte Klasse wiederholt werden, dabei sollen allerdings die positiven Noten erhalten bleiben. Schüler, denen eine negative Note droht, sollen außerdem von einem Lerncoach bei Zeitmanagement und Lernstrategien sowie in Förderkursen unterstützt werden. Besonders Begabte sollen im Gegenzug die Möglichkeit bekommen, einzelne Semester bzw. Teilprüfungen der Matura vorzuziehen. Derzeit laufen an 27 Standorten Schulversuche zur Modularen Oberstufe, die generelle Umstellung der insgesamt 800 Standorte soll 2012 starten und 2016 abgeschlossen sein.

Nachlese:

Interview mit Schmied zur Oberstufenreform

Im Detail: Module statt Sitzenbleiben

Kommentar posten
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mountaineer
00
28.7.2011, 12:04
Elefantin im Porzellanladen

Das Problem ist, dass Schmied die Einwände der Praktiker vor Ort immer ignoriert.
Überhaupt hat sie gleich bei Dienstantritt ihre Mitarbeiter pauschal als faul verunglimpft.

Somebody Someone
00
27.7.2011, 12:47
Warum herumraten?

Es gibt zig Schulen, an denen als Schulversuch die modulare Oberstufe jahrelang getestet wurde. Alle offenen Fragen inhaltlicher Natur können anhand dieser Beispiele diskutiert werden. Es ist nicht nötig lautstark herumzuraten. Man braucht nur nachsehen. Ich habe von Leuten, die diese modulare Oberstufe tatsächlich gesehen haben, sehr viel Gutes gehört.

Somebody Someone
00
27.7.2011, 12:45

Bietet also die Uni auch nur "Häppchenbildung"?

Dr_Olaf
 
00
20.7.2011, 21:28
Der Versuch einer sinnvollen Diskussion:

Ich denke, dass die Grundidee hinter der "modularen Oberstufe" eine sehr gute ist. Aber es kommt eben auf die Umsetzung an. Negative Module bis zur Matura anzusammeln und gleichzeitig mit immer mehr Zusatzkursen und Lerncoaches (auch eine im Grunde sinnvolle Idee) belastet zu werden ist sicherlich eine mittlere Katastrophe für die meisten Schüler.
Wirklich sinnvoll -wennauch utopisch- wäre mMn
ein aufbauendes Kurssystem ähnlich einer Universität mit viel Wahlfreiheit bezüglich der Inhalte und der Lehrpersonen für die Schüler.
Beispiel: Die Anzahl zu absolvierender NAWI-Module ist festgelegt. Ob der Schüler jetzt "Leistungskurs Quantenmechanik" oder "Ernährung und Stoffwechsel" belegt, sei ihm freigestellt.

Dr_Olaf
 
10
20.7.2011, 08:06
Schön langsam drängt sich mir die Vermutung auf…

dass das Unterrichtsministerium absichtlich absolut praxisfernen, undurchführbaren Schwachsinn verzapft, um der Lehrergewerkschaft gar keine andere Wahl zu lassen, als den Entwurf "in der Luft zu zerreissen", um diese dann in weiterer Folge als Blockierer und Betonierer denunzieren zu können, was von der breiten Masse nur zu gern aufgenommen und weitergeplappert wird (siehe dieses Forum)
Abgesehen davon: Die Lehrergewrkschaft vertritt damit nicht (oder nur eingeschränkt) die Interessen der Arbeitnehmer (Lehrer) sondern eigentlich die der Kunden (Schüler), um genau diese von den katastrophalen Plänen der Regierung zu schützen. Wo gibts denn sowas noch ein 2tes Mal?

sonne-licht
 
10
14.7.2011, 08:53
warum gibts soviele leistungsunwillige kinder?

weils des von den eltern sehen und von lehrern!

es gibt eben keine vorbilder mehr die mitreissen und den sinn und zweck eines basiswissens erklären können, der vor- bzw. nachteile.

lethargie die überall- und orts vorherrscht hat ihren bestand in der regierung und zieht sich durch alle bevölkerungsschichten!

frustration betreffend der eigenen lebenssituation wird einfach übersehen, wenigstens es ist ein posten besetzt, egal ob die befähigung vorhanden ist oder nicht!

dafür drängen immer mehr menschen in berufe wos therapieren können was selber nötig haben.
scheint ein gutes geschäft zu sein andere/kinder als sich selbst zu therapieren.

Anna Huber28
00
14.7.2011, 17:56
neues thema?

was hat ihr beitrag mit dem thema zu tun? ihr beitrag zeigt eine traurige gesamtsituation ihrer eigenen lebenseinstellung und sie projezieren das auf gesellschaftliche probleme und versuchen damit eine erklärung dieser. nur eins: kinder sind niemals leistungsunwillig, manche kinder und deren eltern haben probleme, die lösbar sind. sie verallgemeinern in einer ziemlich fatalen weise. ich hoffe, sie verstehen irgendwann.

LGM
03
14.7.2011, 18:46

Es liegt in der Natur des Menschen, den Aufwand zur Lösung von Problemen zu minimieren. Wenn Kindern daher einerseits nicht vermittelt wird, was der Wert der Bildung ist (Eltern!), und andererseits kein Druck zur Leistung in der Schule besteht, dann werden die eben alles Andere lieber tun, als sich für die Schule zu engagieren.

Ann Dido
00
20.7.2011, 19:31
Intelligenz

besteht wohl darin, ein Ziel bestmöglich mit geringstmöglichem Aufwand erzielen zu können. Das heisst, die meisten Kinder - da durchaus intelligent - werden genau das tun (und sich dabei ab und zu verschätzen und dann doch durchfallen). Die LehrerInnen sollten die Karotten daher entprechend hoch halten... leider tun das nur einige.
Die Kinder fühlen sich genaus so oft unterfordert und gelangweilt -stundenmäßig wohl mehr - als überfordert.

Franzerle
10
15.7.2011, 12:12

nein: der mensch ist interessiert, neugierig, wissenshungrig, sehr ausdauernd, lernwillig, energiegeladen, lebensdurstig.....so kommen menschen auf die welt und bleiben es solange, bis sie in unser bildungssystem einsteigen.

dann werden sie überhäuft mit zT unnötigem wissen, zum grossteil von der kanzel herab vorgetragen - ein didaktischer supergau btw.

m rams
00
15.7.2011, 22:15
Ach Unsinn,

wenn die Kinder in die Schule kommen, sind die ja schon vorher jahrelang vor Fernseher und Spielekonsolen zwischengeparkt und mit Wohlstandsmüll zugeschüttet worden (und das wird konsequent neben der Schule fortgesetzt).
Was ist Ihrer Meinung nach denn unnötiges Wissen? Etwa die Groß-/Kleinschreibung?
Angefangen von Lesen, Schreiben, Fremdsprachen, Rechnen, Biologie, Geographie, Physik, etc. konnte ich eigentlich sehr viel brauchen, bzw. würde es nicht missen wollen.

D/E
13
14.7.2011, 07:33
Auch nach 48 Stunden kann man nur feststellen,

dass 90% der Poster/innen nicht einmal gelesen haben, worum es eigentlich geht.

1. Die Gewerkschaft hat (der Gesetzeslage entsprechend) einen Gesetzesentwurf begutachtet und diesen als unzureichend eingestuft.

2. Dafür hat sie eine Reihe von Gründen angeführt.

3. Prinzipielle Einwände gegen das Modell einer modularen Oberstufe gibt es nicht.

Liebe Basher-Community, wenn euch Bildung wirklich ein Anliegen sein sollte, wäre es durchaus ein Zeichen guten Willens, die paar relevanten Fakten v o r dem Posten zur Kenntnis zu nehmen.

marie berg
30
14.7.2011, 08:24
in den

ferien zum verteidigen der fettnäpfchenaffinen lehrergewerkschaft abgestellt worden? sie armer mann, hoffentlich geht's bald nach griechenland oder in die toskana!

asinus
00
14.7.2011, 19:18

Kann ich mir mit dem Anfangsgehalt nicht leisten... Sie haben Vorstellungen...

marie berg
10
15.7.2011, 07:58
im

login geirrt oder antworten sie jetzt für andere?

LGM
01
14.7.2011, 08:33

Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Sie an Argumenten und einer echten Diskussion überhaupt nicht interessiert sind...

D/E
01
14.7.2011, 08:42
Bitte fallen Sie nicht auf die Dame herein.

Ich lese nur noch den Postingnamen und springe dann zum nächsten Eintrag. Mit etwas Übung geht das.

LGM
00
14.7.2011, 09:03

Mich interessiert einfach, wie lange sie noch auf naiv/ahnungslos setzt und ständig dasselbe wiederholt.

D/E
00
14.7.2011, 09:20
Die hat einen langen Atem.

LGM
00
14.7.2011, 11:59

Ich habe 3 Marathonläufe überstanden, da halte ich das auch aus...

Nua kane Blauen
10
14.7.2011, 07:53

Zu 1)
Ein Gesetzesentwurf ist immer unzureichend, dazu gibt es die Durchführungsverordnung
Zu 2)
Die Gründe, die sie angeführt hat, sind ebenfalls nur Vermutungen bzw. polemisch, wie "unzumutbarer Affront"
Zu 3)
"Überhaupt wird die Unterteilung des Stoffs in Module als 'Häppchenbildung' abgelehnt"

D/E
01
14.7.2011, 08:05
Danke, dass Sie sich die Zeit für eine Diskussion nehmen.

Auch wenn Ihnen die paar (vermutlich nicht ganz ohne Absicht zitierten) Reizwörter nicht gefallen, werden sehr nachvollziehbare Einwände gegen den Gesetzesentwurf vorgebracht:

Ohne Finanzierung ist das Modell eine Totgeburt.

Die Atomisierung des Lehrstoffes widerspricht allen pädagogischen Prinzipien, insbesondere dem Ziel eines kompetenzorientierten Unterrichts.

Der Einwand, die Dropout-Rate könnte massiv steigen, ist sehr wohl begründet.

Nua kane Blauen
00
14.7.2011, 08:58

Zur Modularisierung (Atomisierung) des Lehrstoffes: In vielen Fächern ist doch jetzt schon einen Modularisierung vorhanden, z. B. Geografietest Seite 1 bis 20. Wenn Test negativ, Prüfung genau über diesen Stoff etc.
Ich sehe allerdings auch Schwierigkeiten, wie das in der Praxis funktionieren soll, wenn sich das Modul bis in die nächste Klasse zieht. Irgendwann, nach 5 maliger Wiederholung muss Schluss sein, die Klasse muss wiederholt werden. Wie das unter dem Schuljahr aussehen soll, ist sicher noch nicht ausgegoren.
Mathe-Module finde ich auch problematisch, z. B. Modul 1 enthält einfache Gleichungen, Modul 2 quadratische Gleichungen. Bei aufbauendem Stoff ist das sicher nicht einfach.

annea
01
15.7.2011, 09:45

Ich hatte in meiner aktiven Lehrerzeit den Stoff in Mathematik in einzelne "Module" unterteilt, sprich in die einzelnen Lernziele. Die Schüler mussten bis Semester- bzw Jahresende alle Zeile erreicht haben, das ging tw duch die Schularbeiten, durch Lernzielkontrollen oder durch mündliche Wiederholungen auf freiwilliger Basis. Die Liste mit erreichten bzw fehlenden Lernzielen wurde in der Klasse aufgehängt, jeder wusste so immer über seinen Stand bescheid. Und ich hatte immer zusätzliche Übungsmaterialien dabei, die die Schüler erhalten haben, wenn sie ein bisher nicht erreichtes LZ aufarbeiten wollten. Es geht schon, ist nur viel Arbeit.

D/E
00
14.7.2011, 09:09
Meines Wissens ging es in der Kritik um den unsinnigen Zwang zur absoluten

Atomisierung. Es gibt halt Gegenstände, in denen man nicht einfach in Zwei-Monats-Brocken basteln kann.

So genannte Lerngegenstände sind von dem Modell ja kaum betroffen, da in diesen ohnehin kaum jemand durchfällt.

M. W. liegt das theoretische Maximum übrigens bei 4 Wiederholungen. Selbst das ist schon recht viel, wenn man bedenkt, dass pro Jahr und Gegenstand 4 Module geplant sind. Unsere Spitzenkräfte können da recht schnell 5,6 Wiederholungsmodule ansammeln.

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