Liebesstreik vor holpriger Fassade

12. Juli 2011, 09:40
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"Lysistrate" bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf

Perchtoldsdorf - Wie das überdimensionale Pin-Up einer Junggesellenabschiedsparty wirkt die Fassade der Perchtoldsdorfer Akropolis (Bühne: Erich Uiberlacker), aus dessen "Schoß" Mercedes Echerer alias Lysistrate steigt und die Frauen zur Verschwörungsversammlung ruft.

Um dem bereits zwanzig Jahre andauernden Krieg zwischen Athen und Sparta ein Ende zu bereiten, lässt Lysistrate die attischen Frauen schwören, dass sie sich so lange den Männern sexuell enthalten sollen, bis diese Frieden geschlossen haben. Lampito (Melita Jurisic), eine Abgesandte aus Sparta, will auch die Spartanerinnen zum Liebesstreik verpflichten. Aristophanes Lysistrate appelliert an den kollektiven Widerstandsgeist.

Anstatt des Chores tritt Aristophanes selbst (Komponist Kurt Schwertsik) in Erscheinung, steht als Deus ex machina mit Zitaten aus Platons Gastmahl den unter dem Sexentzug leidenden Frauen aufmunternd zur Seite und lässt wirkungsvoll die unterschiedlichsten Instrumente - von der Geige bis zum Dudelsack - in das szenische Spiel einfließen.

Mit Spitztüten-BHs und luftigen Röcken bekleidet (Kostüme: Bonnie Tillemann) lassen sich schließlich Kalonike (Christa Schwertsik), Myrrhine (Tania Golden) und Lampito auf den Pakt ein und bringen als Opfergabe eine Magnumflasche Grünen Vetliner dar. In der Pin-Up-Burg verbarrikadiert behüten die Frauen nun die Staatskasse und wimmeln den Ratsherrn (Peter Scholz) ab. Mit einem Diener (witzig als Tollpatsch: Sven Kaschte) versucht dieser in die Burg einzudringen und liefert sich mit Burgwächterin Alexandra Tichy einen fulminanten Schlagabtausch. Gelungen sind auch die Umgarnungsversuche von Myrrhine und Kinesias (Valentin Schreyer).

Regisseur Ioan C. Toma doppelte den komischen aristophanischen Wortwitz mit überladenen Gesten und eindeutigen Kostümen. Phallusse und Stoffnippel hielten den Schlussapplaus verhalten, den konnte auch der ästhetische Schattenspieltanz von Versöhnungsgöttin Réka Echerer nicht weiter anheizen. (Elisa Weingartner, DER STANDARD - Printausgabe, 12. Juli 2011)

  • Lysistrate (Mercedes  Echerer) fordert Enthaltsamkeit.
    foto: barbara palffy

    Lysistrate (Mercedes Echerer) fordert Enthaltsamkeit.

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