Reformagenda Verwaltung

"Einsparung tritt nicht ein, weil die Arbeit gleich bleibt"

11. Juli 2011, 18:50

Gewerkschafter: Skepsis gegenüber großen Verwaltungseinheiten - Erste steirische Ortsfusionierungen

Wien/Graz - Die Pläne der rot-schwarzen steirischen Landeskoalition, Gemeinden und Bezirke zu größeren Verwaltungseinheiten zusammenzufassen, stoßen bei den Betroffenen nicht nur auf Gegenliebe. "In der Steiermark hat es eine klare Positionierung der Kolleginnen und Kollegen dagegen gegeben, es entspricht auch nicht dem Wunsch der Bevölkerung", sagt der stellvertretende Vorsitzende der Beamtengewerkschaft GÖD, Hans Freiler, im Gespräch mit dem Standard.

Eine Zusammenlegung von Bezirkshauptmannschaften (gedacht ist etwa an eine Fusion von Judenburg und Knittelfeld, womöglich soll auch Murau dazukommen) würde für die Bürger weniger Service, aber für die öffentliche Hand kaum Entlastung bringen, sagt Freiler: "Den großen Wurf sehe ich nicht. Eine Einsparung tritt nicht ein, weil ja die Arbeit gleich bleibt."

Genau genommen habe die Arbeit in den letzten Jahren eher zugenommen, weil man die Bezirkshauptmannschaften zu Bürgerservicezentren ausgebaut hat: "Wo ist denn die Administration der Mindestsicherung gelandet? Bei der BH. Wo ist die Verpartnerung gelandet? Bei der BH. Und bei Katastrophen ist der Bezirkshauptmann ohnehin die erste Anlaufstelle", sagt Freiler.

Da käme es dann sehr darauf an, ob der Bezirkshauptmann es mit 30 oder mit 80 Gemeinwesen zu tun habe - der Bezirkshauptmann müsse jedenfalls den Überblick bewahren können. Freiler verweist auf das Beispiel der Finanzämter, bei denen es in den letzten Jahren Zusammenlegungen gegeben hat - da sei zwar formal ein Amt abgeschafft worden, tatsächlich müsse man es schon der Bürgernähe halber aber als Expositur weiterführen - "da sitzt halt der Chef anderswo, aber die große Einsparung ist das noch nicht", sagt Freiler.

Erich Plasch, ÖVP-Bürgermeister im südsteirischen Weinort Leutschach macht sich weniger Sorgen um Bezirkshauptmannschaften, sondern vielmehr Gedanken über die Zukunft seiner Gemeinde. Leutschach ist einer der ersten "Freiwilligen" der Initiative der Landesregierung für Gemeindezusammenlegungen.

Plasch ist mit seinen Kollegen in den umliegenden Ortschaften Schloßberg, Eichberg-Trautenburg und Glanz gerade dabei, die vier Gemeinden zu einer einzigen zusammenzuführen. Ein langwieriger Prozess, aber bis 2013 soll alles über die Bühne sein. Leutschach ist zwar die kleinere Gemeinde, verfügt aber über ein Optimum an Infrastruktur: Rüsthaus, Schule, Kindergarten, Pfarrgemein-de, Eisschützenverein, Fußballklub oder Freibad. Daher wird die Gemeinde von Plasch auch in Zukunft das Zentrum bilden, Glanz, Eichberg-Trautenburg und Schloßberg werden an Leutschach "andocken".

"Ein Traktor reicht"

Bürgermeister Plasch ist überzeugt, dass die Gemeindeverwaltung in Zukunft effizienter ablaufen werde. Plasch im Gespräch mit dem Standard: "Ein Beispiel: Wir können den Bauhof besser nutzen. Statt dass jede der vier Gemeinden einen Traktor besitzt, reicht ja einer für alle vier. Wir müssen das nur richtig einteilen." Man werde in Zukunft auch ordentliche Summen an Betriebs- und Personalkosten durch die Auflassung von Gemeindeämtern einsparen.

Einiges erwartet sich Bürgermeister Plasch ebenso von einer gemeinsamen Raumplanung. Dann sei ausgeschlossen, "dass jeder eine eigene Suppe kocht". Leutschach, Glanz, Schloßberg und Trautenfels würden jedenfalls zur größten steirischen Weinbaugemeinde mit einer Fläche von 76 Quadratkilometern und mehr als 4000 Einwohnern anwachsen.

Die neue Ortschaft werde Leutschach heißen, die drei anderen behielten ihren Namen als Katastralgemeinden. Auch in der Bürgermeisterfrage werde man sich einigen. Plasch: "Aufdrängen tut sich heute eh niemand mehr. Man muss ja froh sein, wenn man überhaupt einen Bürgermeister bekommt." Von der Landespolitik wünscht sich Plasch "wenigstens ein paar Zuckerl" für jene Gemeinden, die sich freiwillig zusammenlegen. In Form von finanzielle Unterstützungen und Projektzuschüssen - als "Belohnung".(Walter Müller, Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 12.7.2011)

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12 Postings
bula sagt
00
12.7.2011, 15:07
es ist nicht verwunderlich, dass

sofort die ersten gegenstimmen aus den reihen der stetigen verhinderer jeden reformstrebens - den sesselfurzern der beamtengewerkschaft - kommen.
dass der bezirkshauptmann mancherorts selbst eine katastrophe ist - da willfähriger politischer erfüllungsgehilfe des jeweiligen landeskaisers, dem er seinen job verdankt - sei nebenbei erwähnt.
interessant zu sehen, wer sich im steirischen "versuch" behaupten wird bzw. wie weit die bisherigen absichten noch verwässert werden.

stormy andy
 
01
12.7.2011, 13:40
alleine mit der einführung von computern

hat sich die arbeit halbiert und der beamtenstand hat sich vergrößert, weil man neue betätigungsfelder erschlossen hat!

mika33
00
12.7.2011, 13:13
Gemeindezusammenlegungen gabs ja z.B. im Burgenland schon eine ganze Menge.

Wurden fast alle wieder rückgängig gemacht.

Sonata
21
12.7.2011, 13:04
Gibt es eigentlich eine unabhängige Evaluierung über das Einsparungspotential bei den Beamten?

Wenn es sie gibt dann wird sie nicht gerade in die Öffentlichkeit hinausposaunt. Der aus der Kaiserzeit stammende Beamtenberg hat in einem Zwergstaat wie es Östereich ist keine Berechtigung. Er gehört auf einen flachen und effizienten Beamtenhügel reduziert. Wie kommen die Steuerzahler dazu einer derart großen Bevölkerungsgruppe ein feudales und bequemes Leben zu finanzieren. Nachdem Rot und Schwarz zu einem großen Teil aus Beamten und ehemaligen Beamten bestehen ist mit diesen Parteien natürlich kein Erfolg zu erzielen. Wir müssen das bei den nächsten Wahlen berücksichtigen.

Helicopterman
10
12.7.2011, 13:46
Sie sollten, bevor Sie solchen Blödsinn posten,

erst mal etwas recherchieren und dabei beispielsweise Artikel wie diesen lesen:

http://derstandard.at/130867959... Verwaltung

rompitasche
01
12.7.2011, 13:30

aus der Kaiserzeit?

gab's nicht die größten Zuwächse vor allem bei den Pragmatisierungen in der Ära des Sonnenkönigs?

Der Ursprung
00
12.7.2011, 11:33

Solche Reformen haben nicht die Schweizer erfunden,es ist eben kein Zuckerl, sondern diese kommen eindeutig aus der Wirtschaft Tarnname "Fusion". Nach mehrmaligen Optmierungen der Arbeitsabläufe wird letztendlich der Kunde - in diesem Fall der ortsansäßige "Bittsteller" - auf der Strecke bleiben.

grimsvotn eyjafjallajökull
20
12.7.2011, 11:42
der ursprung

Der Kunde muss nicht auf der Strecke bleiben. Die Beamten müssen nur ihren behäbigen Trott ablegen und ein wenig mehr arbeiten.

Zinnmo
 
01
12.7.2011, 09:11
Leutschach ist ein Spezialfall

Das ist eine der alten Marktgemeinden, die eigentlich nur aus dem Ortskern bestehen. Das Umland bilden die anderen Gemeinden. Glanz und Eichberg-Trautenburg haben gar keinen Ortskern, die Gemeindeämter liegen jetzt schon in Leutschach, also ausserhalb der Gemeinde. Schlossbergs Gemeindeamt liegt direkt an der Gemeindegrenze, was dort als Ortskern durchgeht ist die Erweiterung Leutschachs.

Wenn es dort nicht geht, geht es nirgends.

Wo woar mei Leistung?
01
12.7.2011, 08:03
Mitten in Österreich

Dass man mit Bürgernähe, gleichbleibender Arbeit, etc. kommen wird, war mehr als zu erwarten.

Das Gute am Ganzen: SP/ÖVP haben sich mit ihren Reformankündigungen so weit nach vor gewagt, dass man sich jetzt gegen die Beharrungskräfte durchsetzen muss, um nicht das Gesicht zu verlieren. An ihren Taten werden sie gemessen, nicht an ihren(Ankündigungs)Worten.

Kondratjew -Zyklus
 
00
12.7.2011, 02:43
Mit dem Wegfall von 90 % der Baukommissionen musste die Stadtgemeinde Tulln das Baureferat personell aufstocken.

Aber bald kommt ohnehin der/die Kurator/in.

Sh. nataraj
33
11.7.2011, 21:44
"die Arbeit bleibt gleich"

so ein schöner Satz: "die Arbeit bleibt gleich". Und besonders schön aus Gewerkschaftermund. So hätte er es gern. Keine Veränderung. Alles bleibt gleich. "Wohlerworbene" Rechte.

Und gleich viel Kollegen zum gleichen Lohn ...
Oops, gleicher Lohn? Nein der soll gefälligst steigen!
Weil bei den Kosten, da bleibt nichts gleich.

Wieso eigentlich "Arbeit ... gleich" ?

Das ERGEBNIS der Arbeit: vielleicht.

Oder blieb "die Arbeit" für Millionen von Hausfrauen "gleich" - trotz Waschmaschine und Staubsauger?

Die Arbeit für Millionen von Industrie- und Bauarbeitern "gleich"? Trotz Maschinen aller Art?

Nur für die Gewerkschafter muss alles gleich bleiben.
Bis auf die Löhne (mehr). Und die Arbeitszeit (weniger)

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