Griechenhilfe

Im Zweifel für die Banken

Kommentar | András Szigetvari, 11. Juli 2011, 18:48

Ohne Schuldenschnitt wird die Eurozone nicht aus den Turbulenzen kommen

Um die griechische Schuldenkrise besser zu verstehen, reicht eine simple Erkenntnis aus: Griechenhilfe hat nichts mit Griechenland zu tun. Gemessen an seiner Wirtschaftskraft ist das Land für die Stabilität des Euro in etwa so bedeutend wie Dornbirn (bei aller Wertschätzung) für Österreich. Anders ausgedrückt: Ginge es allein um die Rettung eines kleinen Mittelmeerlandes vor der Pleite, würde in Europa kein Politiker ein Ohrwaschl rühren. Wer also, wie die FPÖ, Plakate herausgibt, auf denen faule Griechen Geld zugesteckt bekommen, oder, wie die SPÖ, für mehr Solidarität unter Europas Bürgern wirbt, betreibt Populismus oder scheint das Problem nicht ganz verstanden zu haben.

Zweck der Hilfe ist es, die Zahlungen Athens an seine Gläubiger (Banken, Pensionsfonds) aufrechtzuerhalten. Genau da liegt das Problem: Ohne einen Beitrag des Finanzsektors wird die Sanierung Griechenlands scheitern. Diese Ansicht hat sich inzwischen auch bei einigen europäischen Finanzministern durchgesetzt und am Montag forderte selbst Commerzbank-Chef Martin Blessing die Umschuldung.

Doch noch blässt dem Projekt gehöriger Gegenwind aus Frankfurt entgegen. Seit Beginn der Diskussionen ist es nämlich vor allem die Europäische Zentralbank (EZB), die vor den fatalen Folgen eines Haircuts warnt und damit eine Lösung verhindert. Es lohnt sich daher, die Argumente der EZB näher zu betrachten. Im Falle einer Umschuldung Griechenlands könnten andere Staaten mit umfallen und die Geldmärkte austrocknen, meinen die Zentralbanker. Die EZB weckt Erinnerungen an die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die 2008 die Finanzmärkte erzittern ließ.

Dabei hinkt der Vergleich: Athen schuldet seinen Gläubigern rund 300 Milliarden Euro. Bei Lehman waren es 430 Milliarden. Noch wesentlicher als der Größenunterschied ist aber, dass bei Lehman niemand wusste, bei welchen Investoren die Risiken lagern. Athens Gläubiger sind hingegen bekannt. Dass die Finanzmärkte 2008 kollabierten, lag zudem auch an den vielen Folgerisiken, die aufgedeckt wurden (Immobilienblase in Irland und Spanien, Kreditabhängigkeit Osteuropas).

In einem Punkt hat die EZB aber recht: Kein Mensch weiß genau, was nach einer Pleite Griechenlands passieren würde. Banken könnten neue Hilfen brauchen, andere Staaten tatsächlich unter Druck geraten.

Aber Ungewissheit ist ein schwaches Argument. Denn auch derzeit sind die Gefahren kaum abschätzbar. Dass Italien an den Märkten unter Druck gerät, zeigt doch gerade, dass Weiterwursteln keine Lösung ist und sich Staaten auch jetzt schon anstecken können. Bis 2014 werden die Euroländer Griechenland 190 Milliarden Euro an Hilfskrediten überwiesen haben. Fällt nur ein Teil dieses Betrags aus - und das ist wahrscheinlich -, kämen auf Europas Bürger neue Sparpakete zu, mitsamt den negativen Folgen für Konjunktur, Arbeitsplätze.

Es gibt also keinen Grund, die Ungewissheit allein den Bürgern aufzuhalsen. Die Vermutung liegt nahe, dass die EZB derzeit einem bewährten Muster aus der Finanzkrise folgt: Gewinne werden privatisiert, Verluste im Zweifel lieber sozialisiert. "Ohne eine Beteiligung des privaten Sektors steht die Legitimität der Marktwirtschaft und der demokratischen Ordnung auf dem Spiel" , meinte unlängst der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Wie recht er doch hat.  (András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2011)

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14 Postings
Ruben Weil
00
Ich fürchte am Ende der Eurorettung

steht ein enormer Demokratieverlust in der Bilanz! Dazu einige überschuldete Häuselbauer mit Frankenkredit und viele Fädenzieher im Hintergrund die sich am allgemeinen Chaos ordentlich bereichert haben werden!

Dalien
 
00
12.7.2011, 16:25
Bei ihrer These haben Sie

einen wichtigen Punkt (absichtlich oder unabsichtlich?)
übergangen:
Nämlich die Korrumpiertheit ALLER indirekt und direkt beteiligten Protagonisten.

märchenonkel
24
12.7.2011, 11:47
Banken verstaatlichen und vorbei ist as Märchen von der Krise.

starship
 
07
12.7.2011, 05:01
wer fürchtet probleme der freien marktwirtschaft am meisten...

die "marktteilnehmer".

leider ist die kurzformel "gewinne (für wenige) privatisieren und verluste (für alle) sozialisieren" die realpolitische konsequenz des neoliberalismus.

die idee, dass "der markt" frei sei, ist eine legende. genauso, wie die idee, dass gott nicht nur existierte, sondern zu allem überfluss auch noch gerecht wäre.

was die welt braucht, ist eine "soziale marktwirtschaft 2.0".

bitte ohne facebook...

Pirx2
01
11.7.2011, 22:23
"Banken könnten neue Hilfen brauchen,"

Tja, wer könnte nicht neue Hilfen brauchen?

"Oh Lord, give us more money!"

Sabrine Grünbaum
011
11.7.2011, 21:16
wieso wird nicht der wahre Hintergrund diskutiert?

Wie in der Asienkrise 1998 hat die Herde der Finanzspekulanten, angeführt von wirklichen und versteckten Hedgefonds (Deutsche Bank) zum Halali auf die Euro-Staaten geblasen, der Schwächste (Griechenland) zuerst und dann das Rezept Zug um Zug bei allen anderen anwenden - Das sichere Gewinnspiel geht so:
Zuerst CDS zeichnen/Anleihenleerverkäufe; durch die Nachfrage steigen die CDS-Prämien, durch die Leerverkäufe die Kurse der (bisher niedriger verzinsten) Anleihen -> Folge: (fiktive) Zinsen auf Anleihen steigen -> Rating wird herabgestuft -> CDS gewinnen an Wert und Anleihen verfallen, womit das Spiel als selbsterfüllende Prophezeiung in Erfüllung geht. Im Idealfall gewinnen die nützlichen Idioten, die einen Default verlangen (Schuldenschnitt

taffson
07
11.7.2011, 23:28

... nur eine Sache noch. Und zwar so, dass sich der Kreis auch vollends schließt.
Kommt es unter dem Diktat global aktiven Finanz Institutionen (IMF,...) zu einem Notverkauf von Realien, können Private günstig und unter Heiligenschein mit eben diesen Geldern günstig zuschlagen. Eine gar listige Enteignungstaktik.

taffson
00
11.7.2011, 23:20
Vortrefflich!

Papa Radzy
00
11.7.2011, 19:32
Euro confetti parade

Ich habe da gerade eine nette Idee, da ja die EZB der größte Gläubiger an griechischen Ramsch Papieren ist wäre es ja ziemlich einfach:

Die EZB gewährt griechenland einen 500Mrd Stabilitätskredit und kauft dafür gr. Anleihen.
Die EZB schreibt diese dann zu 100% ab und das Geld bleibt einfach in Griechenland bis es dort verbraucht würde.
pro + Griechenland ist entschuldet
contra - vielleicht inflationäre auswirkungen?

aber warum denn nicht, FREIGELD für alle.
Mann könnte das ja auf die ganze Eurozone ausweiten: jedes land bekommt unendlich geld von der EZB die EZB schreibt alles ab und alle sind Schuldenfrei. Fertig

Jeff Smart
00
12.7.2011, 14:07

Helicopter-Money! Helicopter-Ben hat das in den USA bereits vorgemacht... ;)

Walter Bimini
11
12.7.2011, 08:05
dann geht der wert des geldes gegen null wie in simbawe

Julius C. Sar
00
12.7.2011, 15:13

vergessens Sie's, in diesen Foren überwiegen die Dumpfbacken

Walter Bimini
00
12.7.2011, 23:04
deshalb bilden sich viele standard leser so viel darauf ein, daß sie das rosa blatt lesen - sie haben es offensichtlich dringend nötig.

Dhimmi
02
11.7.2011, 19:04
Intimrasur

Das steht schon fest: Es wird mehr als nur eine normale Rasur.
Ist im Prinzip auch kein aussergewöhnliches Problem - wenn nicht Italien schon warten würde.

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