Nur 30 Prozent sind zufrieden

11. Juli 2011, 18:36
  • "Die Verkehrspolitik ist gefordert, den Menschen den Umstieg aufs Fahrrad
 zu erleichtern", fasst VCÖ-Experte Martin Blum das Ergebnis der Umfrage
 zusammen.
    foto: apa/patrick seeger

    "Die Verkehrspolitik ist gefordert, den Menschen den Umstieg aufs Fahrrad zu erleichtern", fasst VCÖ-Experte Martin Blum das Ergebnis der Umfrage zusammen.

45 Prozent fahren wegen steigender Spritpreise mehr mit dem Fahrrad als im Vorjahr - Fast drei Viertel der Radfahrer möchten mehr Radwege

Nur drei von zehn Radfahrern sind mit den Bedingungen zum Radfahren in Österreich zufrieden. Das ist ein Ergebnis der VCÖ-Umfrage, bei der rund 2.700 Radfahrerinnen und Radfahrer österreichweit befragt wurden.

Die steigenden Spritpreise motivieren zum Radfahren: 45 Prozent fahren heuer mehr mit dem Fahrrad als im Vorjahr. Fast drei Viertel der Radfahrer möchten mehr Radwege entlang von Freilandstraßen, so die VCÖ-Umfrage. Und jeder 4. Radfahrer überlegt den Kauf eines Elektro-Fahrrads.

Bereitschaft ist da

"Die Österreicherinnen und Österreicher sind bereit, öfters mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren oder Einkäufe zu erledigen. Doch für viele sind die schlechten Bedingungen ein Hindernis. Die Verkehrspolitik ist gefordert, den Menschen den Umstieg aufs Fahrrad zu erleichtern", fasst VCÖ-Experte Martin Blum das Ergebnis der Umfrage zusammen. Bei Österreichs größter Umfrage unter Radfahrerinnen und Radfahrer wurden bundesweit etwas mehr als 2.700 Personen befragt.

Die Ergebnisse der Umfrage im Detail: Nur 30 Prozent der Befragten sind mit den Bedingungen zum Radfahren zufrieden. Zwei Drittel beklagen, dass es zu wenige Parkplätze für Fahrräder gibt. Fast jeder zweite ist mit der Qualität der vorhandenen Abstellmöglichkeiten unzufrieden. Dennoch: Es wird in Österreich immer mehr im Alltag Rad gefahren. Die Umfrage zeigt, dass heuer wegen der höheren Spritpreise 45 Prozent mehr mit dem Fahrrad fahren als im Vorjahr.

Großes Potenzial, widersprüchliche Politik

"Da jede zweite Autofahrt kürzer als fünf Kilometer ist, ist das Potenzial zum Umstieg auf das Fahrrad groß. Doch die Politik ist widersprüchlich. Einerseits der Appell aus Klimaschutzgründen mit dem Rad zu fahren, andererseits werden kaum Maßnahmen gesetzt, um die Bedingungen zum Radfahren zu verbessern. Viele Radfahrer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen", betont Blum.

Die VCÖ-Umfrage zeigt, dass fast drei Viertel der Radfahrer mehr Radwege entlang von Freilandstraßen wünschen, jeweils rund sechs von zehn Radfahrern wollen mehr Radfahrstreifen auf der Fahrbahn und mehr verkehrsberuhigte Zonen.

Ein wichtiges Anliegen ist Radfahrern auch die Aufhebung der Radwegbenützungspflicht. "Viele Radwege sind derzeit eine Zumutung und gefährlicher als das Fahren auf der Fahrbahn. Man sollte es zumindest im Ortsgebiet den Radfahrern überlassen, ob sie lieber am Radweg oder auf der normalen Fahrbahn fahren wollen", spricht sich Blum für die Aufhebung der Radwegbenützungspflicht aus.

Zunehmende Elektrifizierung

Der Fahrradmarkt wird in den kommenden Jahren zunehmend elektrisch werden. Bereits für jeden vierten Radfahrer sind Elektro-Fahrräder von Interesse, wie die Umfrage zeigt. Älteren Menschen ermöglichen Elektro-Fahrräder längere Strecken mit dem Fahrrad zu fahren. "Unternehmen und die öffentliche Verwaltung sind gut beraten, wenn sie Elektro-Fahrräder oder herkömmliche Fahrräder als Dienstfahrzeuge anschaffen. Innerhalb der Stadt ist das Fahrrad nicht nur viel kostengünstiger, sondern man ist damit auch staufrei und ohne langes Parkplatzsuchen schnell am Ziel", stellt Martin Blum fest. (red, derStandard.at, 11.07.2011)

Zahlen und Daten der VCÖ-Umfrage:

Im Vergleich zum Vorjahr fahren heuer...
45 Prozent mehr mit dem Fahrrad
54 Prozent gleich viel
1 Prozent seltener

Zufriedenheit der Österreicher mit den Bedingungen rund ums Radfahren...
Zufrieden: 30 Prozent
Befriedigend: 35 Prozent
Unzufrieden: 35 Prozent

Ist ein Elektro-Fahrrad für Ihre Zwecke von Interesse?
Ja: 28 Prozent
Nein: 72 Prozent

Sind Sie für Aufhebung der Radwegbenützungspflicht?
Ja: 68 Prozent
Nein: 32 Prozent

Gibt es in Ihrer Gemeinde ausreichend Fahrradabstellanlagen im Straßenraum?
Ja: 33 Prozent
Nein: 67 Prozent

Gibt es bei Ihrem Arbeitsplatz ausreichend Fahrradabstellanlagen?
Ja: 59 Prozent
Nein: 41 Prozent

Welche Maßnahmen das Radfahren attraktiver machen?
1. Radwege entlang von Freilandstraßen: 72 Prozent
2. Radwege im Ortsgebiet: 63 Prozent
3. Fahrradstreifen auf Fahrbahn: 59 Prozent
4. Verkehrsberuhigte Zonen: 58 Prozent
5. Mehr Fahrradabstellanlagen: 56 Prozent
6. Niedrigere Tempolimits: 49 Prozent
7. Mehr Tempokontrollen für Lkw und Pkw: 46 Prozent

VCÖ-Radfahrumfrage:
Anzahl befragte Personen in ganz Österreich: 2.710 Personen
Umfragezeitraum: 11. April und 2. Juli 2011
Quelle: VCÖ 2011

Share if you care
6 Postings

"...fast drei Viertel der Radfahrer mehr Radwege entlang von Freilandstraßen wünschen, jeweils rund sechs von zehn Radfahrern wollen mehr Radfahrstreifen auf der Fahrbahn"

Oje, da wurde im Artikel ganz auf die Radwege im Ortsgebiet vergessen, wünschen sich nämlich mehr Radler (knapp 2/3) als die Fahrstreifen auf der Fahrbahn. Ein Lapsus?
Daraus folgt: Ausbau von Radwegen im Ortsgebiet.

Kein Mensch

braucht Radwegen im Ortsgebiet, viel zu gefährlich.
OK, mit Ausnahme auf Hauptverkehrsstraßen wenn der Radweg dann auch baulich getrennter ist und den Namen verdient.

"Kein Mensch braucht..."
Immerhin 2/3 der Befragten sind "kein Mensch"...

OK, kleine Änderung:

Kein Mensch der unfallfrei in der Stadt unterwegs seine möchte und dabei auch keine Fußgänger gefährden möchte brauch Radwege im ....

Interessant ist es trotzdem, dass 2/3 das offensichtlich nicht so sehen.

Kommt mir auch plausibler vor, als die immer wieder kundgetane Meinung, das Radwege für Radfahrer quasi Todesfallen sind.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.